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Schleswiger Nachrichten

26. März 2017 | 15:13 Uhr

Pläne für „Event-Bahnhof“ : Bahnhofs-Posse in Schleswig: Gebrochene Siegel, Strafanzeige und verschwundene Akten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt geht juristisch gegen den Investor vor. Bauamtsmitarbeiter haben Unterlagen auf der Baustelle verloren.

Schleswig | Der Streit um den Umbau des Schleswiger Bahnhofs geht in die nächste Runde und trägt immer skurrilere Züge. Nachdem die Verwaltung am vergangenen Donnerstag mehrere Räume in dem Gebäude versiegelt hatte, um weitere nicht genehmigte Bautätigkeiten zu unterbinden, hat der Investor die Siegel inzwischen teilweise gebrochen. Daraufhin hat die Stadt nun Strafanzeige gegen den Eigentümer gestellt. Doch damit nicht genug: Den beiden Bauamtsmitarbeitern, die die Siegel an die Türen geklebt haben, sind während ihres Ortstermins Teile der mitgeführten Akte verloren gegangen. Diese Unterlagen sind in die Hände eines Unbekannten gelangt, der sie dem Investor für 10.000 Euro zum Kauf angeboten hat.

Das Rathaus versuchte am Montag, den Vorfall herunterzuspielen: „Da es sich um eine ältere Teilakte handelt, ist die weitere Bearbeitung des Vorgangs nicht gefährdet“, teilte Stadtsprecherin Antje Wendt mit. Gleichwohl habe man Strafanzeige gegen Unbekannt wegen „Unterschlagung einer Fundsache“ gestellt. „Die Kriminalpolizei prüft den Sachverhalt derzeit.“

Der Investor, der das anonyme Schreiben auf seiner Facebookseite postete, sagte dem sh:z: „Sollte sich der Unbekannte bei mir melden, werde ich ihm sagen, dass ich kein Interesse habe. Denn ich habe ja jederzeit Recht auf Akteneinsicht.“ Wie die Akten verloren gehen konnten – darüber herrscht großes Rätselraten. Zumal bei dem Ortstermin sogar zwei Polizeibeamte anwesend waren. Pikant: Einer der beiden betroffenen Bauamtsmitarbeiter ist der Leiter der Bauaufsicht, der derzeit ohnehin in der Kritik steht, weil er in seinem Job Dienstliches und Privates verquickt haben soll.

Auf seiner Facebookseite veröffentlichte der Bahnhofs-Investor gestern das ihm anonym zugestellte Schreiben (links unten im Bild). Darin heißt es: „Moin, durch Zufall bin ich in den Besitz der Bauakte Bahnhof Schleswig gekommen und möchte Ihnen diese zum Kauf anbieten. Aufgrund der medienträchtigen Auseinandersetzungen dürfte diese Ihnen sicherlich etwas wert sein: Für 10.000,-- € bin ich bereit, diese Ihnen zu überlassen. Ich werde mich in den nächsten Tagen telefonisch bei Ihnen melden (anonym natürlich) und mich erkundigen, ob für Sie das Geschäft interessant ist. Viele Grüße aus dem Wahren Norden. PS: Ihre Anschrift konnte ich ja der Akte entnehmen.“
Auf seiner Facebookseite veröffentlichte der Bahnhofs-Investor am Montag das ihm anonym zugestellte Schreiben (links unten im Bild). Darin heißt es: „Moin, durch Zufall bin ich in den Besitz der Bauakte Bahnhof Schleswig gekommen und möchte Ihnen diese zum Kauf anbieten. Aufgrund der medienträchtigen Auseinandersetzungen dürfte diese Ihnen sicherlich etwas wert sein: Für 10.000,-- € bin ich bereit, diese Ihnen zu überlassen. Ich werde mich in den nächsten Tagen telefonisch bei Ihnen melden (anonym natürlich) und mich erkundigen, ob für Sie das Geschäft interessant ist. Viele Grüße aus dem Wahren Norden. PS: Ihre Anschrift konnte ich ja der Akte entnehmen.“ Foto: Screenshot Facebook
 

Die verschwundenen Akten seien lediglich ein Nebenkriegsschauplatz, sagte Stadtsprecherin Wendt. Viel gravierender sei die Tatsache, dass der Investor nicht nur ohne Baugenehmigung, sondern auch ohne statischen Prüfnachweis bauen lasse. „Da geht es um die Sicherheit der Menschen, die sich in dem Bahnhofsgebäude bewegen.“ Der Bauherr hat laut Verwaltung in einem unterkellerten Bereich der Eingangshalle ein Stahlbetonpodest errichtet und im Obergeschoss auf eine Holzbalkenlage eine Stahlbetondecke eingebaut.

Der aus der Nähe von Freiburg im Breisgau stammende Unternehmensberater, der das Gebäude in einen „Event-Bahnhof“ verwandeln möchte, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. „Ich habe einen Statiker beauftragt, der sämtliche erforderlichen Unterlagen erstellt hat. Wenn dem Bauamt etwas fehlt, warum teilt man mir das dann nicht mit?“, sagt der Eigentümer, der nicht möchte, dass sein Name in der Öffentlichkeit genannt wird und auf Facebook nur mit seinen Initialen H.H. zeichnet. Dass er die Siegel gebrochen hat, dafür hat er ebenfalls eine Erklärung: „Da kann ja jeder kommen und ein Siegel dran machen. Die Dinger können Sie im Internet kaufen.“ Die betreffenden Bauamtsmitarbeiter hätten sich nicht als solche ausgewiesen und ihm auch keine entsprechende schriftliche Anordnung vorgelegt. Auch hätten sich die Männer nicht vergewissert, ob sich in den Räumen noch Leute aufhalten – was aber der Fall gewesen sei. Er stehe weiter auf dem Standpunkt, dass der gegen ihn verhängte Baustopp nicht rechtsgültig sei, betonte der Investor.

Ob er den Baustopp weiter ignoriere, dazu wollte er sich auf Anraten seines Rechtsanwalts nicht äußern. Fakt ist jedoch, dass die Handwerker am Montag zumindest am Bahnhofs-Anbau aktiv waren.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 14:23 Uhr

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