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Schleswiger Nachrichten

18. Januar 2017 | 07:12 Uhr

Iris-Stiftung von Helmut Vollert : Auszeichnung für blinden Richter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jährlich unterstützt Helmut Vollert rund 80 Sehbehinderte – gestern bekam er dafür den schleswig-holsteinischen Stifterpreis

Geld statt Blumen. Zu seiner Pensionierung im Jahre 2003 wünschte sich Dr. Helmut Vollert ein besonderes Abschiedsgeschenk: Den Grundstock für die Iris-Stiftung, die blinde und sehbehinderte Menschen unterstützt. Gestern wurde der ehemalige Richter eines Strafsenats am Oberlandesgericht in Schleswig für sein Engagement mit dem Schleswig-Holsteiner Stifterpreis ausgezeichnet. „Aus einem kleinen Pflänzchen kann ein starker Baum werden“, freute sich der Stifter. In seiner Rede nach der Preisverleihung in Neumünster dankte er daher als erstes den „vielen langjährigen Förderern“.

Helmut Vollert kennt die Nöte und alltäglichen Erschwernisse von blinden oder sehbehinderten Menschen aus eigener Erfahrung. Er ist seit seiner Geburt am Grünen Star erkrankt. Dieser führte all-mählich zur vollständigen Erblindung. Bis zu seinem elften Lebensjahr besuchte er die Volksschule in seinem Geburtsort Hamweddel (Kreis Rendsburg-Eckernförde), dann benötigte er gezielte Förderung.

Helmut Vollert war und ist eine Kämpfernatur, verfolgt entschlossen seine Ziele und gibt nicht schnell auf. Er besuchte eine Blindenschule, studierte in Kiel und Marburg Jura und wurde Richter.

In Marburg lernte Vollert damals die Amerikaner Dennis und Pamela Corykennen. Sie boten dort das Blindentraining mit dem Langstock an. „Es gab damals in Deutschland – anders als in Amerika – noch keine systematische Schulung dafür“, erklärten die Corys, die gestern bei der Stifterpreis-Verleihung in Neumünster anwesend war. Die Corys schulten Trainer, aber auch Blinde. Helmut Vollert nahm an ihren Kursen Teil. „Ich habe dadurch einen großen Gewinn in meiner eigenständigen Lebensführung erfahren“, erklärt der heute 75-Jährige.

Denn: Die Sehbehinderung bringt Beeinträchtigungen in zahlreichen Bereichen mit sich, machte Vollert dem Stifterpreis-Publikum deutlich. Die Orientierung sei schwierig – oft schon in der eigenen Wohnung. Im Freien sei es noch problematischer. „Nur zehn Prozent der Blinden sind in der Lage, den Langstock zu nutzen.“ Das gelte vor allem für ältere Menschen, erklärte der Vorsitzende der Iris-Stiftung im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Großteil der Nicht-Sehenden erblinde erst im Alter. Dann käme oft noch eine nachlassende Hörleistung hinzu. Beides würde dazu führen, dass sich die Betroffenen zurückziehen.

Durch gezieltes Training würden sie merken, dass das Leben noch lebenswert sei. Doch dieses Training muss bezahlt werden. Aber „das soziale Klima wird immer rauer“, stellt der ehemalige Richter fest. Öffentliche Kostenträger wie Krankenkassen und Sozialhilfeträger weigerten sich immer häufiger, ihrer Pflicht nachzukommen. „Sie betreiben teilweise eine Hinhalte- und Zermürbetaktik“, lautet die Erfahrung des Stiftungs-Gründers, und ließen es oftmals auf einen Rechtsstreit ankommen.

„Dieser Zustand ist unerträglich“, sagt Vollert und will daher mit der Iris-Stiftung helfen. Am Institut für Rehabilitation und Integration Sehbehinderter (Iris) in Hamburg sind spezielle Schulungen möglich. Dieses Institut wurde von dem Ehepaar Cory gegründet. Damit Erblindete nicht lange warten müssen, bis ein öffentlicher Kostenträger einen Kurs genehmigt, springt die Stiftung ein. Sie erhält das Geld zurück, wenn die Träger gezahlt haben.

Die Verwaltung der Stiftung führt Vollerts mit Unterstützung seiner Frau Heidelore ehrenamtlich. Auch eine Schirmherrin gibt es: Fritzi Haberlandt. „Meine Rolle in dem Film „Erbsen um halb 6“ hat mir bewusst gemacht, wie wichtig die Hilfe zur Selbsthilfe für blinde und Sehbehinderte Menschen ist“, sagt die Schauspielerin. Rund 80 Menschen kann die Iris-Stiftung inzwischen pro Jahr helfen. Das bedeutet, dass zwischen 35  000 und 40  000 Euro ausgegeben werden. Auch wenn das Kapital gewachsen ist – die Anlagemöglichkeiten bringen immer weniger Renditen. Um so mehr freuen sich die Mitglieder der Iris-Stiftung über den ersten Platz beim schleswig-holsteinischen Stifterpreis mit einer Unterstützung in Höhe von 5000 Euro.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 07:17 Uhr

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