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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 14:40 Uhr

KInder-Kirchengruppe in Schleswig : Aus für die Paulus-Kids

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Kirchengemeinde spricht Gruppenleiterin Ute Hachmann die Kündigung aus. Eltern und Kinder protestieren.

Gestern Nachmittag im Eselstall des Erlebnisbauernhofs in Hüsby: 36 Kinder sitzen im Stroh – und es ist kein Radau zu hören. Die Stimmung ist niedergeschlagen. Erst vor wenigen Tagen haben die Kinder und ihre Eltern erfahren, dass es ihre Gruppe – die Paulus-Kids – schon ab der nächsten Woche nicht mehr geben wird. Die evangelische Kirchengemeinde hat der Gruppenleiterin Ute Hachmann (43) die Kündigung geschickt.

Vor sieben Jahren hatte Hachmann angefangen, mit ein paar Kindern ein Krippenspiel für den Weihnachtsgottesdienst in der Pauluskirche vorzubereiten. Damals war die ausgebildete Diakonin gerade mit ihrer fünfköpfigen Familie nach Schleswig gekommen, weil ihr Mann Joachim Thieme-Hachmann hier eine Stelle als Dompastor angenommen hatte.

Mit der Zeit entwickelte sich aus dem Krippenspiel ein festes Angebot für Familien in der evangelischen Kirchengemeinde – eben die „Paulus-Kids“, die sich regelmäßig zu den unterschiedlichsten Projekten trafen. Lange machte Ute Hachmann diese Arbeit ehrenamtlich. Vor einem halben Jahr stellte die Kirchengemeinde sie auf Minijob-Basis ein. Zum Ende der Probezeit habe der Kirchengemeinderat nun mehrheitlich beschlossen, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Eine Begründung bekam Ute Hachmann nicht. Die Kinder und ihre Eltern sind ratlos. Die siebenjährige Mara Vahldiek schrieb eigenhändig einen Brief an unsere Zeitung: „Ich finde es sehr schade, dass es keine Paulus-Kids mehr gibt. Wir machen tolle Spiele und singen Lieder. Ich habe mich so auf das Krippenspiel gefreut.“ Die klarsten Worte fand der zehnjährige Mattis Berendt: „Blöd, dass die Kirche uns Weihnachten kaputtmacht.“ Und die 13-jährige Hanna Christiansen sagte gestern: „Wir haben seit Wochen unseren Tanz einstudiert – das war echte Knochenarbeit.“ Das Krippenspiel mit Esel, das in den vergangenen Jahren zu Weihnachten stets für eine brechend volle Pauluskirche gesorgt hatte, wird diesmal also nicht mehr stattfinden.

Pastor Michael Dübbers hat als Vorsitzender des Kirchengemeinderats die Aufgabe, den Beschluss, sich von Ute Hachmann zu trennen, öffentlich zu erklären. Viel sagt er nicht. „Zu den Hintergründen der Personalangelegenheit können und wollen wir nichts sagen. Mit dem Unmut, den das auslöst, müssen wir leben.“ Er lässt durchblicken, dass die Entscheidung mit der Person Ute Hachmann zu tun hat. „Am Geld liegt es nicht“, betont er. Die Kirchengemeinde sei bereit, das Projekt Paulus-Kids unter neuer Leitung fortzusetzen – „wenn die Eltern das wollen“.

Dies aber scheint derzeit kaum vorstellbar. Zu sehr fühlen sich viele Eltern vor den Kopf gestoßen und zu sehr hängen die Kinder an ihrer Ute. „Niemand aus dem Kirchengemeinderat hat sich die Mühe gemacht, sich die Arbeit hier einmal anzusehen“, sagt Ina Berendt, die Mutter von Mattis und seinem achtjährigen Bruder Finn. Dann, so meint sie, hätten die Verantwortlichen erlebt, wir ehrlich und authentisch Ute Hachmann den Kindern christliche Werte näherbringe und wie wertvoll ihre Arbeit sei, um kommende Generationen an die Kirche zu binden.

Ute Hachmann selbst sagt, sie sei völlig überrascht gewesen, als ihr in der vergangenen Woche mitgeteilt wurde, dass die Kirchengemeinde sich von ihr trennt. Auch sie habe keine Begründung erfahren. Gab es zwischenmenschliche Probleme? Ging es auch um ihre Rolle als Ehefrau eines Pastors in der Gemeinde? „Das kann ich nicht ausschließen, aber gesprochen hat darüber niemand mit mir“, sagt sie. Schon die Entscheidung, Ute Hachmann vor einem halben Jahr als Minijobberin einzustellen, war im Kirchengemeinderat offenbar nicht einstimmig gefallen.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 07:40 Uhr

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