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Schleswiger Nachrichten

06. Dezember 2016 | 18:59 Uhr

Aufbruch zum letzten Ausflug

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Wanderfreunde Kropp laden am Wochenende zu ihrer Abschiedsveranstaltung ein / Gruppe bleibt weiterhin bestehen

Am kommenden Wochenende finden in Kropp die 46. Wandertage statt – und gleichzeitig sind es die letzten. „Die biologische Uhr hat zugeschlagen, uns fehlt das junge Personal“, sagt Peter Voß (68), Vorsitzender der Wanderfreunde Kropp, einer Sparte der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Der Verein hat 45 aktive Mitglieder, die meisten von ihnen sind im Rentenalter. Beim Wandertag sind aber nochmal alle im Einsatz: als Tortenbäcker, Streckenposten oder bei der Ausgabe von Startkarten. „Bevor wir Stillstand haben, machen wir die Veranstaltung nicht mehr“, betont er. Als Verein werden die Wanderfreunde aber weiter bestehen bleiben, ergänzt Voß.

Die Hoch-Zeit liegt fast 30 Jahre zurück. Wenige Jahre nach der Gründung 1981 hatte der Verein 90 Mitglieder, zu den Wanderungen über fünf oder zehn Kilometer kamen bis zu 1400 Teilnehmer nach Kropp. Startlokal war meist die Geestlandschule, die von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. „Viele kamen wegen des Rübenmuses“, sagt Schriftführer Horst Hünerjäger (63) und schmunzelt. Doch zuletzt waren es nur noch 400 Wanderer gewesen, sodass die Ausgaben inzwischen die Einnahmen übersteigen. „Wir wollen aber keinen Mitgliedsbeitrag nehmen“, so Voß – sie seien immer gemeinnützig gewandert.

Er und seine Vorstandskollegen haben mehrere Erklärungen für die Entwicklung. Zum einen seien im Computerzeitalter andere Interessen aufgekommen, sagt er. Horst Hünerjäger meint, dass Wanderer in Schleswig-Holstein weite Strecken fahren müssten, was entsprechende Kosten verursache. Und selbst wenn junge Leute wandern würden, „wollen sie nicht an einen Verein gebunden sein“, so Heiner Reschke, erster Vorsitzender der AWO. Über Jahrzehnte sei es ihnen nicht gelungen, Nachwuchs zu gewinnen.

Heiner Reschke gehört zusammen mit seiner Frau Karin sowie Gudrun und Wolf Grafe zu den Gründungsmitgliedern der AWO-Wandersparte. Sie alle wandern leidenschaftlich gern und wollten in Kropp etwas auf die Beine stellen. Dem Sportverein sei es zu viel Aufwand gewesen, erinnert sich Heiner Reschke, und da die AWO zu der Zeit einen Wandertag geplant hatte, fragten sie einfach dort an – mit Erfolg. 45 Wanderungen wurden für das internationale Volkssportabzeichen gewertet, zudem organisierten sie insgesamt zwölf Wandertage zugunsten von Unicef und der Mukoviszidose-Stiftung, bei denen insgesamt 5100 Euro gestiftet wurden. Rein rechnerisch sind 50  000 Wanderer in Kropp gewesen. „Wir haben Besuch aus ganz Deutschland gehabt“, so Peter Voß. Auch Gäste aus Norwegen, China, Kanada und den Niederlanden hätten teilgenommen. „Und Dänen sowieso“, ergänzt er. Und mit Wolf Grafe mindestens ein Bayer, der sich Schleswig-Holstein nach eigenen Worten „erwandert“ hat. Zehntausende Kilometer habe er zurückgelegt und seit 1981 habe er vier Paar Schuhe verschlissen. Beim Wandern erkunde man Strecken, „die man sonst nicht zu sehen bekommt“, erklärt Heiner Reschke. Neben der „Körperertüchtigung“ kriege man die Natur für lau und auch die Kommunikation, meint Peter Voß. „Wandern ist keine stumme Veranstaltung“, betont er – selbst wenn man nur zu zweit und nicht in der Meute unterwegs sei. Mancher hätte dabei schon eine Weggabelung verpasst. Auch in Zukunft werden die Vereinsmitglieder wandern gehen. Dabei „ist jeder willkommen. Wir brauchen keine Leistungssportler“, sagt Peter Voß. Zudem organisieren sie Ausflugsfahrten, Radtouren und Feiern.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 15:41 Uhr

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