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Schleswiger Nachrichten

27. April 2017 | 09:11 Uhr

Auf der Suche nach dem Kiebitz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Junge Forscher drehen Film über Lebensraum des seltenen Wiesenvogels / Projekt für Jugendliche wird vom Bund gefördert

Frisch weht der Wind über die Wiesen im Naturschutzgebiet „Alte Sorgeschleife“, doch in der Ferne sind bereits die Rufe der balzenden Kiebitze zu hören. Genau der richtige Zeitpunkt also für eine Gruppe junger Forscher, auf die Suche nach dem selten gewordenen Wiesenvogel zu gehen. Seit den Morgenstunden versuchen die insgesamt neun Nachwuchs-Wissenschaftler im Meggerkoog, die Kiebitze und ihren Lebensraum in Bild und Ton festzuhalten. Ihre Arbeit ist Teil des Filmprojektes „GreenCut-Jugend filmt biologische Vielfalt“, das unter anderem vom Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz gefördert wird. „Die Idee ist, dass Jugendgruppen formiert werden, die nach einer Einweisung eigenständig draußen Filmaufnahmen machen können“, erläutert Herbert Dohlen, Projektleiter von GreenCut. Dazu gehörten unter anderem die Themenrecherche, die Bestimmung von Zielinhalten und Filmstruktur, das Vorbereiten und die Durchführung von Interviews sowie das Abfilmen der Beiträge selbst, erklärt Dohlen weiter. „Die Jugendlichen sollen Verantwortung übernehmen und ihre Ideen umsetzten“, möchte der Kameramann die Teilnehmer motivieren. Mit dabei sind in diesem Jahr auch Lisa Vergin (21) aus Kiel und Birte Leutelt (19) aus Bergenhusen. „Ich habe im letzten Jahr das Freiwillige Ökologische Jahr in Bergenhusen gemacht und schon ein ähnliches Projekt kennengelernt“, war Lisa Vergin nach der erneuten Anfrage gleich mit von der Partie. „Zufällig bin ich in diesem Jahr wieder genau zur richtigen Zeit hier.“ Birte Leutelt, die aktuell ihren Bundesfreiwilligendienst am Michael-Otto-Institut in Bergenhusen absolviert, war ebenfalls sofort begeistert: „Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie die Aufnahmen im Film aussehen werden“, ist sie gespannt auf die Ergebnisse. „Das Schöne ist, dass man die Beobachtungen festhalten kann“, sieht Lisa Vergin einen großen Vorteil im Filmprojekt. Die große, neue Technik sei zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, doch nach der Einweisung funktioniere alles ganz gut. „Es macht riesig viel Spaß!“, sind sich die beiden jungen Frauen einig. Der von ihnen und ihren Mitstreitern produzierte Film ist einer von drei regionalen Beiträgen, die später zu einem Projekt-Film zusammengefügt werden, beschreibt Herbert Dohlen. Der Meggerkoog bei Bergenhusen bot sich ihm zufolge an, da hier mit dem Diplom-Biologen Dominic Cimiotti der Koordinator des bundesweiten Artenschutzprojektes „Sympathieträger Kiebitz“ am Michael-Otto-Institut angesiedelt ist. Neben dem „Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutz“ auf Grünland, der bereits seit vielen Jahren zusammen mit Landwirten im Meggerkoog praktiziert wird, sollen im Forschungsprojekt vorwiegend die Ackerstandorte als Brutplatz in den Vordergrund rücken. „Eine Idee ist die verzögerte Mais-Aussaat ab Mitte Mai, damit die Kiebitze noch vor der Bodenbearbeitung ihre Jungen großziehen können“, erläutert Cimiotti. Da die Flächen im Frühjahr brach liegen, seien Mais-Standorte attraktiv aus Sicht der Kiebitze. „Die Vögel lieben offene Landschaften mit Übersicht“, weiß der Biologe von bekannten Brutplätzen auf nassen Grünlandflächen im Schutzgebiet.

Daneben versuchen die Forscher des Michael-Otto-Institutes auch, Gelege des Wiesenvogels auf anderen Ackerstandorten zu markieren, sodass die Landwirte das Nest bei der Bewirtschaftung umfahren können. Um zu prüfen, ob der Bruterfolg den Bestand von derzeit rund 50 Brutpaaren im Meggerkoog erhalten kann, läuft parallel ein großes Beringungsprogramm, das die Sterblichkeit von Jung- und Altvögeln aufzeigen soll. „Der Bruterfolg schwankt immer um einen flüggen Jungvogel je Brutpaar, das ist unter dem Strich vermutlich bestandserhaltend.“ Dominic Cimiotti ist optimistisch, weiterhin jungen Forschern das Leben der Kiebitze im Meggerkoog näherbringen zu können.

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erstellt am 18.Mär.2017 | 18:10 Uhr

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