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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 00:15 Uhr

Glasfaser-Netz für Schleswig : Auf dem Weg in ein neues Internet-Zeitalter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadtwerke treiben den flächendeckenden Ausbau des Glasfaser-Netzes voran und investieren 15 Millionen Euro.

Jürgen Wenzel hinkt der Zeit hinterher. Zumindest was den Datenfluss betrifft. Gerade mal sechs Megabit (Mbit) pro Sekunde gibt sein derzeitiger Internetanschluss in der Straße Voßkuhl her. „Das schränkt mich extrem ein“, sagt der Historiker und Autor, der viele Daten in der Cloud abspeichert. Kein Wunder, dass der FDP-Ratsherr auch ein persönliches Interesse hatte, als er vor einigen Tagen an einer Info-Veranstaltung der Schleswiger Stadtwerke zum Thema Glasfaser teilnahm. Das Versorgungsunternehmen hatte die Mitglieder der Ratsversammlung eingeladen, um die Notwendigkeit des Breitband-Ausbaus darzustellen.

„Die Investition in die Informationstechnologie ist für die Bürger wichtig“, betonte Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs. Schnelles Internet und hochauflösendes Fernsehen seien entscheidende Standortfaktoren, wenn es für Menschen darum gehe, ob sie sich in der Stadt ansiedeln oder nicht. Das gelte für Gewerbetreibende wie für Privatleute gleichermaßen.

Der Aufsichtsrat hat bereits grünes Licht gegeben für die große Glasfaser-Offensive der Stadtwerke. Im Neubaugebiet Berender Redder wurden entsprechende Leitungen verlegt, genauso wie etwa bei den jüngsten Straßenbauarbeiten in Drei Kronen oder im nördlichen Kolonnenweg. Bei jeder Baumaßnahme in der Stadt werden Leerrohre ins Erdreich eingebracht, durch die bei Bedarf die Glasfaserkabel per Druckluft durchgeschossen werden können. Ende des Jahres werde man einen Ausbauplan für ganz Schleswig vorlegen, erläuterte Schoofs den Kommunalpolitikern. In Einwohnerversammlungen sollen die Schleswiger dann über das Vorhaben informiert werden. Insgesamt wollen die Stadtwerke in den nächsten zehn Jahren rund 15 Millionen Euro in den Ausbau des Glasfaser-Netzes investieren. Auch hofft das kommunale Unternehmen, im ländlichen Raum zum Zuge zu kommen, wo sich gerade Zweckverbände zur flächendeckenden Breitbandversorgung gründen.

Begriffe wie Petabyte, Zettabyte oder Yottabyte dürften die meisten Ratsmitglieder das erste Mal gehört haben, als Diplomingenieur Peter Schmidt in den Räumen der Stadtwerke über den rasanten Fortschritt in der Informationstechnologie referierte. Es handelt sich um Maßeinheiten von Datenmengen in schier unvorstellbarer Größe. Schmidt ist Geschäftsführer der Netzkontor Nord GmbH aus Flensburg. Seine Firma ist auf den Breitbandnetzausbau spezialisiert und berät die Schleswiger Stadtwerke auf diesem Sektor.

Schmidt erläuterte, dass ein heute gängiger Full-HD-Fernseher eine Auflösung von rund 2000 mal 1000 Bildpunkten habe. Ein Monitor mit einer 4K-Auflösung (auch als Ultra HD bezeichnet) könne bereits die vierfache Pixelanzahl darstellen. Dabei würden etwa 60 Mbit pro Sekunde übertragen. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio werde bereits eine Ausstrahlung in 8K-Qualität angestrebt. Dabei würden 100 Mbit durch die Leitungen fließen. Schmidt: „Das ist dann so, als würde man aus dem Fenster gucken. Man könnte auch von brillenlosem 3D-Fernsehen sprechen.“

Wie umkämpft das Geschäft mit der Datenversorgung ist, zeigt, dass derzeit auch die Telekom im Stadtgebiet mächtig aktiv ist und um Kunden wirbt. Der Telekommunikationsriese setzt dabei auf das sogenannte Vectoring. Dahinter steckt eine Technologie, die das Internet über die vorhandenen Kupferleitungen schneller macht.

Die Stadtwerke sind hingegen von Glasfaser überzeugt und gehen davon aus, dass dieses Netz den Ansprüchen des technologischen Fortschritts dauerhaft genügen wird. Schoofs: „Wir glauben, dass Glasfaser der Weisheit letzter Schluss ist.“ Der Geschäftsführer wirbt bei seinen Kunden damit, dass der Anschluss bis ans Haus verlegt werde und mindestens 50 Megabit pro Sekunde garantiert seien. Bei Bedarf auch erheblich mehr. Aktuell kostet ein Anschluss für Internet und Fernsehen bei den Stadtwerken 39,90 Euro im Monat. Die Anschlussgebühren betrugen zuletzt in Drei Kronen 99 Euro.

Neben Strom, Gas und Wärme soll die Versorgung mit Informationstechnologie ein weiteres lukratives Geschäftsfeld der Stadtwerke werden. Ziel seien 10  000 Kunden, so Schoofs. Auch FDP-Mann Wenzel würde nach eigenem Bekunden „sofort auf Glasfaser zugreifen“. Wann die Bewohner der Voßkuhl angeschlossen werden, ist derzeit allerdings noch unklar.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 07:04 Uhr

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