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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 21:25 Uhr

Schleswig : Anwohner lässt die Dombeleuchtung abschalten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eine alte Vereinbarung untersagt den Scheinwerfer-Einsatz im Sommer – das Stadtmarketing lenkt ein.

Michael Grabitz aus Goslar hielt die Sache eigentlich für einen Selbstgänger: An diesem Sonnabend wollte er gern für zwei Stunden den Schleswiger Domturm im Licht der Scheinwerfer erstrahlen lassen – zur Erinnerung an seine Mutter, die vor genau zehn Jahren starb. Ein Routinefall auch für Stadtmarketing-Chef Rüdiger Knospe, der regelmäßig solche Licht-Bestellungen entgegennimmt und gegen Gebühr die Wünsche erfüllt.

Am Montag bekam Grabitz die Zusage vom Stadtmarketing. Gestern aber traf bei ihm eine zweite E-Mail ein. Knospe musste wieder absagen. Ein Anwohner hatte sich beschwert. Er fühlt sich vom grellen Licht am Abend gestört und möchte, dass die Scheinwerfer wenigstens in den Sommermonaten abgeschaltet bleiben. Er drohte damit, sich beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung zu besorgen. Dort hätte er wohl starke Argumente auf seiner Seite gehabt, das räumt auch Knospe auf SN-Nachfrage ein. Die Scheinwerfer, die auf den Dom gerichtet sind, stehen auf Privatgrund. Einer der Scheinwerfer befindet sich auf dem Grundstück des Anwohners. Zudem gibt es eine alte Vereinbarung – noch aus Zeiten, bevor das Stadtmanagement für die Dombeleuchtung zuständig wurde – von Mai bis September das Licht ausgeschaltet zu lassen.

Michael Grabitz hat dafür nur wenig Verständnis. „Schleswig will Touristenziel sein und stellt sich mal wieder selbst ein Bein“, sagt er über seine Geburtsstadt und fragt, ob demnächst auch Schloss Gottorf und der „Rote Elefant“ im Dunkeln bleiben müssen.

Bei diesen Wahrzeichen jedoch ist die Lage eine andere. Nicht nur, weil die Scheinwerfer dort nicht auf Privatgelände stehen. Die LED-Lampen am Schloss und am Oberlandesgericht leuchten auch deutlich dezenter als die grellen Strahler am Dom, deren Lichtkegel sich oft noch auf den Wolken abzeichnen und die von manchen Schleswigern schon als „Flak-Scheinwerfer“ verspottet worden sind.

Das weiß auch Rüdiger Knospe. Er verfolgt deshalb schon seit längerem gemeinsam mit den Stadtwerken das Ziel, eine modernere Beleuchtungsanlage anzuschaffen. „Ich hoffe, dass wir noch in diesem Jahr Vollzug melden können“, sagt er. Die Vereinbarung, nach der das Licht im Sommer abgeschaltet bleibt, würde dann hinfällig werden, meint der Stadtmarketing-Chef.


Geld aus Kiel für den Turm


Eine gute Nachricht für den maroden Domturm kommt unterdessen aus Kiel: Die SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls teilte gestern mit, dass das Landeskabinett beschlossen habe, die Domsanierung mit 4,1 Millionen Euro zu fördern. Der Bund hatte bereits Ende des vergangenen Jahres 8,6 Millionen Euro zugesagt.

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erstellt am 04.Mai.2016 | 07:28 Uhr

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