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Schleswiger Nachrichten

26. September 2016 | 22:45 Uhr

Seminar für ehrenamtliche Flüchtlingslotsen : „Anpassung gehört zur Integration“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Südangeln: Unkenntnis von Gepflogenheiten führen oft zu Missverständnissen.

„Integration kann nur gelingen, wenn beide Seiten aufeinander zugehen.“ Diese These stellten Wulf Dallmeyer und Farid Ahmadzei aus Schleswig in den Mittelpunkt eines Seminars für ehrenamtliche Flüchtlingslotsen aus dem Amtsbereich Südangeln. In Kooperation mit der internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg, und finanziert durch das Amt Südangeln, hatte die Volkshochschule Südangeln den Bildungsreferenten des Kreisjugendringes sowie den Mitarbeiter und Journalisten aus Schleswig in die Schule Tolk eingeladen.

Mit dabei war auch Amtsvorsteher Edgar Petersen aus Idstedt, der selbst als Flüchtlingslotse tätig ist. „Wir haben es mit so vielen Menschen aus der Fremde zu tun, da ist es wichtig, dass wir mehr über ihre kulturellen Hintergründe und ihre daraus resultierenden Verhaltensweisen wissen“, sagte Petersen in seinem Grußwort.

Gemeinsam wurde einen Tag lang über die kulturellen Unterschiede der Neubürger diskutiert und informiert, aber auch herausgearbeitet, wie schnell Missverständnisse auf beiden Seiten auftreten können. Der gebürtige Afghane Farid Ahmadzei plädierte auch aus seinen eigenen Erfahrungen nach der Ankunft in Deutschland vor über 15 Jahren dafür, dass auch in Deutschland, wie beispielsweise im belgischen Antwerpen üblich, alle ankommenden Flüchtlinge erst einmal an einem verbindlichen viertägigen Einführungskurs in ihrer Heimatsprache über die in Deutschland geltenden Gesetze und Rechte teilnehmen sollten.

Viel Raum nahmen Fragen ein, die direkt aus den persönlichen Kontakten mit den Flüchtlingen resultierten. So ging es um die Rolle der Frau und Mutter im Familienverbund und auch um Höflichkeit und Pünktlichkeit. Ahmadzei machte klar, dass die Neubürger sich seiner Auffassung nach an Gepflogenheiten im Gastland anzupassen hätten. Wer einen Termin im Amt vereinbart habe, müsse diesen auch einhalten. Im Rahmen seiner Dolmetscher-Tätigkeiten würde er auf solche Dinge auch regelmäßig hinweisen.

Wie schnell Menschen anderer Kulturen einander für unhöflich halten können, wurde aus zwei Beispielen deutlich. So ist es in vielen Ländern unhöflich, den Kuchenteller leer zu essen. Man lässt immer einen Rest übrig. In Deutschland werde dies allerdings häufig als unhöflich empfunden. Und wer in Afghanistan jemanden zu einem Termin abholt, wird vor der Weiterfahrt zunächst zum Tee hereingebeten.

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