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Schleswiger Nachrichten

29. September 2016 | 12:10 Uhr

Schleswig-Flensburg : Altkleidermarkt bricht zusammen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Krisen in Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika lassen den Absatz von Altkleidern aus Deutschland erheblich schrumpfen. Das bekommt auch das DRK im Kreis zu spüren.

Bis vor kurzem noch galt der Altkleidermarkt als besonders lukrativ. Überflüssige Kleidung bei den Bürgern einsammeln, an einen Verwerter weiterleiten und kassieren – eine sichere Rechnung, die nicht nur gewerbliche Sammler aufmachten, sondern vor allem karitative wie das Deutsche Rote Kreuz. Auch im Kreis Schleswig-Flensburg erlöste das DRK zum Teil sechsstellige Summen mit gebrauchten Textilien und finanzierte damit einen Teil seiner sozialen Arbeit. Dabei schwankten die Erlöse auch in den vergangenen Jahren schon, der Markt gilt seit jeher als volatil, doch einen Absturz wie in den vergangenen Monaten hat es selten gegeben. Sowohl DRK als auch ASF müssen sich auf deutlich sinkende Einnahmen einstellen, weil der Markt angesichts zahlreicher internationaler Krisen zusammenbricht.

Die Erlöse aus dem Betrieb der Altkleider-Container sind eine wichtige Finanzierungsquelle für die Arbeit des DRK und machen 40 Prozent der frei verfügbaren Eigenmittel des DRK-Kreisverbandes aus. Vor einem Jahr, als die ASF ihr Engagement auf dem umkämpften Markt ankündigte, warnte DRK-Geschäftsführer Kai Schmidt bereits davor, dass ein Verlust von Standorten – und damit von Einnahmemöglichkeiten – bedeuten würde, dass das Rote Kreuz viele Leistungen, die durch ehrenamtliche Mitarbeiter erbracht würden, nicht mehr leisten kann. Zu diesem Zeitpunkt konnte der DRK-Kreisverband noch mit rund 90 000 Euro an Einnahmen rechnen. 170 Altkleidercontainer waren flächendeckend im Kreis verteilt. Die Zahl der Container ist trotz der ASF-Offensive zwischenzeitig kaum gesunken, die Erlöse aber in diesem Jahr bereits trotzdem um rund ein Drittel. Schmidt: „Wir rechnen mit rund 30 000 Euro weniger, und für 2015 ist die Entwicklung noch gar nicht absehbar.“

Die ASF ist aufgrund vertraglich vereinbarter Abnahmepreise noch vor sinkenden Einnahmen geschützt. Deshalb kann Geschäftsführer Aksel Busse für dieses Jahr 45 000 Euro an Einnahmen einplanen, die eingesetzt werden, um die Verbraucher bei den Abfallgebühren zu entlasten. Im vergangenen Jahr flossen 25 000 Euro in die Kassen der ASF. Die Zahl der kreisweit aufgestellten Altkleidercontainer stieg innerhalb eines Jahres von 20 auf 60 und soll 2015 auf rund 90 erhöht werden. Als Dienstleister tritt in diesem Fall ein langjähriger Partner der ASF, die Textil-Recycling K. & A. Wenkhaus GmbH aus Hamburg, auf.

Deren Prokurist Andreas Kiehn bestätigt die düsteren Prognosen für den weltweiten Handel mit gebrauchten Textilien. „Innerhalb eines halben Jahres ist der Markt um 40 Prozent runter.“ Syrien, Irak, Iran – der Transport von Waren in die Krisengebiete sei kaum noch möglich, sagt er. Das gleiche gilt nach Aussage von DRK-Geschäftsführer Schmidt auch für die Ukraine. „Da fährt zurzeit keiner mehr hin“, sagt er. „Und in Afrika haben wir Ebola. Auch dort fällt ein sehr wichtiger Markt weg.“

Für die Entsorgungsunternehmen bedeutet das zunächst einen Absatzstau. Kiehn: „Sämtliche Sortierbetriebe liegen bis unters Dach voller Ware .“ Ob sich diese Situation in absehbarer Zeit entspannen werde, sei unklar, so der Fachmann. Er wisse von mehreren Betrieben, „die kurz davor stehen, die Lampe auszumachen“. Überleben würden die Krise vor allem jene Betriebe, die jahrelang feste Handelsstrukturen aufgebaut und in den vergangenen Boomjahren ausreichend Rücklagen gebildet haben, um nun ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Das würden vor allem alteingesessene Unternehmen sein – wie Wenkhaus. Für die Newcomer, die in den vergangenen Jahren auf den wachsenden Markt gedrängt seien und nur den schnellen Absatz gesucht haben, werde es schwer, prognostiziert Kiehn.

Nicht nur die ASF und das DRK, die ihre Container im Einvernehmen mit den Gemeinden im öffentlichen Raum aufstellen, schrumpft der Absatzmarkt dramatisch. Völlig unklar ist aus Sicht von Experten, wie sich die rein gewerblichen Händler – wie das in Branchenkreisen umstrittene Unternehmen Humana aus Dänemark – angesichts der schrumpfenden Erlöse verhalten werden.

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erstellt am 11.Dez.2014 | 07:45 Uhr

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