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Schleswiger Nachrichten

02. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Schullandschaft Arensharde : „Alte Fehler nicht wiederholen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der ehemalige Leitende Verwaltungsbeamte Gerd Muesfeldt fordert vom Amtsausschuss Sachlichkeit und Weitblick.

Als sich Mitte November der Schulausschuss des Amtes Arensharde den Fragen, Vorwürfen und Forderungen von fast 200 Bürgern zur Zukunft der Grundschulen und der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule stellte, saß Gerd Muesfeldt in der ersten Reihe und schwieg. Es wurde über eine mögliche Schließung der Grundschulen Hollingstedt und Treia gesprochen, über die Probleme der Gemeinschaftsschule in Silberstedt – und es gab viele Emotionen.

Gerd Muesfeldt hätte einiges zur Diskussion beitragen können, schließlich war der inzwischen 71-Jährige von 1992 bis 2008 Leitender Verwaltungsbeamter in Silberstedt – er war hautnah dabei, als der Schulstandort Ellingstedt geschlossen wurde, kennt auch die Geschichte der Erich-Kästner-Schule in Silberstedt genau. In der Debatte meldete er sich aber nicht zu Wort. „Ich wollte die Emotionen nicht weiter anheizen“, sagt er, „die bringen uns nicht weiter.“

Mit einigen Tagen Abstand aber, und mit Blick auf die entscheidende Sitzung des Amtsausschusses am 8. Dezember, fordert er die Kommunalpolitiker zu einer Generaldebatte auf – über die Schullandschaft und über das Amt. „Das ist dringend notwendig, denn es gibt hausgemachte Probleme, die nicht länger ignoriert werden dürfen.“ Er selbst habe bereits vor fast 20 Jahren versucht, wegweisende Strukturentscheidungen einzufordern. Die Kommunalpolitik habe damals versagt, lautet heute sein hartes Urteil. Und sie werde wieder versagen, wenn sie sich weiterhin von Emotionen leiten lässt. Gerd Muesfeldt hat nichts gegen Emotionen. „Ich kann schon verstehen, was in der Gemeinde passiert, wenn die Grundschule geschlossen werden soll.“ Es sei jedoch jetzt an der Zeit, die Gefühle zurückzustellen und die Zukunft der Schulen langfristig zu planen. Das bedeutet für Muesfeldt: Schließung der Grundschule Hollingstedt zum kommenden Schuljahr, Empfehlung, die Kinder in Treia anzumelden, und Planung einer zentralen Grundschule in Silberstedt. „Die Planung sollte nicht nur auf die Aufnahme der Kinder aus Hollingstedt und Treia ausgerichtet sein, sondern nach Möglichkeit auf eine noch größere Kapazität vorbereitet werden. Wir dürfen bei der langfristigen Planung die Entwicklung der Schulen in Jübek und Schuby nämlich nicht aus den Augen verlieren“, sagt Muesfeldt.

Dieser Schritt sehe er als einzige Möglichkeit, einen fatalen Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren: Eine Gemeinschaftsschule ohne Grundschul-Unterbau allein zu lassen. Es sei ein politischer Deal gewesen – und ein Konstruktionsfehler, der sich jetzt mit einer sinkenden Schülerzahl räche. Jetzt ergebe sich die Chance, diesen Fehler zu beheben. „Wenn uns das allerdings nicht gelingt, ist der Zug endgültig abgefahren. Dann sind alle unsere Schulen bald Außenstellen von Schleswig“, warnt der ehemalige Verwaltungsbeamte.

Doch es ist nicht die Schullandschaft allein, die sich nach Muesfeldts Meinung ändern muss. „Mein Traum ist der Zusammenschluss. Die Gemeinde Arensharde.“ Es sei doch Irrsinn, dass für die knapp 15  000 Einwohner in den acht Gemeinden mehr als 100 gewählte Vertreter zuständig sind. Aber Muesfeldt ist in dieser Hinsicht Realist: „Die Rivalität unter den Orten ist groß, einige gönnen einander nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Das werde ich wohl leider nicht mehr erleben.“

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