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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 17:12 Uhr

Feuerwehren im Kreis schleswig-Flensburg : Alarm ohne Aussetzer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Einführung eines kreiseigenen Meldenetzes steht kurz vor dem Abschluss.

Die Stürme Xaver und Christian haben im Jahr 2014 nicht nur ganze Wälder im Kreis gerodet und die Feuerwehren dadurch auf Trapp gehalten, sondern auch erhebliche Sicherheitsmängel im Alarmierungsnetz für die Wehren und den Katastrophenschutz zu Tage gefördert. Das Netz war restlos überlastet – und das hätte durchaus zu lebensbedrohlichen Situationen führen können. Für den Kreis und die Gemeinden war nicht zuletzt dies der Anstoß, ernsthafte Alternativen zum vor zehn Jahren aufgebauten Mietnetz zu prüfen. Inzwischen wurden Nägel mit Köpfen gemacht. In den kommenden Wochen werden die letzten Feuerwehren mit neuen Digitalempfängern ausgestattet sein, die dann über ein nagelneues Netz alarmiert werden. Gesten stellten Kreis und Feuerwehrführung die neue Technik vor.

Der Probelauf im März verlief problemlos, so dass Kreiswehrführer Mark Rücker sicher ist: „Die Alarmierungssicherheit im Kreisgebiet hat absolute Priorität. Und die haben wir mit dem neuen System erreicht.“ Seit dem 1. April ist es scharf geschaltet. Insgesamt 18 Sendeantennen sind über das Kreisgebiet verteilt und leiten die digitalen Alarmierungsdaten an die Feuerwehren weiter. Im alten Netz der Berliner Firma „e*message“, in das sich der Kreis 2006 eingemietet hatte, mussten vier Antennenstandorte den gesamten Kreis versorgen, was immer wieder zu Problemen insbesondere in den Randlagen führte. So erwiesen sich einige Täler in Glücksburg als regelrechte schwarze Löcher, in denen eine Alarmierung nicht funktionierte. Zudem durfte das Sendenetz nicht in den dänischen Funkraum hineinstrahlen, so dass auch diesseits der Grenze Engpässe auftraten. „Durch die neuen 18 Standorte haben wir den Kreis viel besser abgedeckt“, betonte Rainer Stiemcke, Leiter der Kreisordnungsbehörde. Und Kreiswehrführer Rücker hebt einen weiteren Vorteil der neuen Struktur hervor: „Wenn ein Sendemast ausfällt, springt einfach der nächste ein. Im alten Netz gab es bei solchen Problemen nur eine Lösung: das gute alte Telefon.“

Eine Erhebung bei den Feuerwehren im Kreisgebiet bereits im Jahr 2013 hatte 80 Störungsmeldungen ergeben. Schwerpunkte lagen nicht nur in Glücksburg. Auch aus den Ämtern Kropp-Stapelholm, Schafflund und Südangeln wurde damals Unmut geäußert. Unterbliebene Alarmierungen mehrerer Pager, verspätete Alarmierungen und Netzlücken waren die gravierendsten Störfälle. Auch die hohen Betriebskosten (100  000 Euro Miete, 37,49 Euro pro Pager im Jahr) wurden kritisiert. Aus solchen und weiteren Negativerfahrungen heraus hatten Kreis und Feuerwehrführung beschlossen, künftig auf die eigene Netzhoheit zu setzen. Da die Verträge des Kreises mit „e*message“ in diesem Jahr ausliefen, war genug Druck auf dem Kessel, um das Thema auch in der Politik mit Hochdruck zu bearbeiten. Dabei half die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, in der neben dem Kreisfeuerwehrverband und den Gemeinden auch die Politik eingebunden war. Im Dezember 2014 waren die Vorplanungen entscheidungsreif und der Kreistag gab grünes Licht.

In die neue Technik investiert der Kreis 450  000 Euro. Dafür wurden über die 18 Antennen mit der entsprechenden Technik zwei weitere Einheiten angeschafft, um im Fall von ernsten technischen Problemen Anlagen austauschen zu können. Sache der Gemeinden ist es als Träger der Wehren, diese mit neuen digitalen Empfängern (Pager) auszustatten. Pro Stück werden Anschaffungskosten von rund 320 Euro fällig. Bisher sind kreisweit schon 3000 Geräte in Betrieb. Rücker und Stiemcke rechnen damit, dass nur noch rund 500 Stück fehlen, um den gesamten Kreis versorgt zu haben. In wenigen Wochen, sagen sie, werde das der Fall sein. 50 Prozent der Kosten werden durch Mittel aus der Feuerschutz refinanziert.

Den Einstieg in die digitale Alarmierung wagte der Kreis im Jahr 2006 ohne eigenes Netz, denn die bestehende analoge Alarmierung sollte zunächst weiterlaufen. Also stieg man auf das Angebot der Berliner Firma „e*message“ ein, die das Netz bereitstellte, refinanziert über die Gemeinden als Träger des Feuerwehrwesens, die die Empfangsgeräte (Pager) mieteten. Ein Alarm im Digitalnetz schlug zunächst in einer Zentrale der Firma in Berlin auf und wurde dann an die Regionalleitstelle in Harrislee weitergeleitet. Selbst wenn das reibungslos funktionierte, dauerte es erheblich länger, bis ein Notruf über die Leitstelle in Harrislee an die betroffenen Wehren weitergeleitet war, als es nun mit der neuen Technik möglich ist. „Das dauert jetzt nur noch sechs bis acht Sekunden – wir gewinnen dadurch wertvolle Zeit“, so Rücker. Und das übrigens auch, wenn sich ein Feuerwehrmann im Nachbarkreis oder in Flensburg befindet. Denn auch diesen Fehler aus der Vergangenheit hat man korrigiert. Der Kreis ist jetzt nicht nur Herr über das eigene Netz, sondern er sitzt mit der Stadt Flensburg und Nordfriesland in einem Boot. Denn die 189 Wehren in Schleswig-Flensburg sowie rund 140 aus Nordfriesland und die Berufsfeuerwehr Flensburg nutzen nun die gleiche Technik. 

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