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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 11:04 Uhr

Schleswig : Ärger um Neubau in der Langen Straße

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Anwohner und Kommunalpolitiker entsetzt über privates Projekt.

Was soll in der Baulücke Lange Straße Nr. 36 passieren? Im Moment augenscheinlich nichts, denn auf dem Privatgrundstück entfaltet sich sommerliche Pflanzenwelt. Nur ein Schild mit Planskizze kündigt ein Bauvorhaben an, das mit „Barriere-freiem Wohnen“ überschrieben ist. Jedoch: Anwohner von Eigentumswohnungen im hinteren Bereich haben ein ziemlich ungutes Gefühl. Denn das geplante Bauprojekt an der Stelle werde dermaßen in die Höhe und vor allem in die Tiefe schießen, dass „einige von uns wohl den Himmel nicht mehr sehen können“, hatten sie eindringlich in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Bauausschusssitzung deutlich gemacht. Zumindest auf den unteren Terrassen und Balkonen ihrer Wohnungen werde wohl kaum noch ein Sonnenstrahl fallen, wenn der Grundstückseigentümer und Projektbetreiber seinen Plan in die Tat umsetzen kann, befürchten sie. Doch was bei manchen Kommunalpolitikern Entsetzen hervorruft, ist: Wieso werden im Erdgeschoss des Neubaus zwei Garagen mit großen Toren davor eingeplant, wo doch kein anderes Giebel-Haus in der historischen Langen Straße derartige Besonderheiten aufweist?

Dieses hatte denn auch die Bauausschuss-Mitglieder aufgeschreckt, als Bauamtsleiterin Britta Gutknecht ihnen das Stadtbild-prägende Projekt vorstellte und die Planskizze an die Wand warf.

Die Beschwerden der Anwohner sowie die Reaktion im Bauausschuss, der durch die Bank wenig Begeisterung für das Vorhaben zeigt – das zusammen hat die Verwaltung mit Bürgermeister und Bauamt dazu gebracht, alles noch einmal genau zu überprüfen. Denn das Bauamt hat es in der Hand, ob der Bauantrag in der vorliegenden Form genehmigt oder abgeändert wird.

Noch dauert das Prüfverfahren an. So gab es auf SN-Nachfrage im Rathaus nichts Neues über den Stand der Dinge – nämlich, ob die Garagen tatsächlich gestattet werden und ob der Eigentümer wirklich fast das gesamte Areal bis an die hintere Nachbargrenze heran bebauen kann. In der Pressestelle der Stadt hieß es dazu gestern: „Leider können wir Ihnen nur mitteilen, dass es sich um ein laufendes Verfahren zum Baugesuch einer privaten Bauherrin handelt. Dazu können insbesondere zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte erteilt werden, weil die Prüfungen noch nicht abgeschlossen sind.“

Private Bauherrin? Pikant dabei: Der Ehemann der Bauherrin in der Langen Straße 36 arbeitet selbst im Bauamt. Einen möglichen Interessenskonflikt zwischen Tätigkeit und Baugenehmigung aber weist die Stadt zurück und sagt: „Der Bürgermeister hat entschieden, dass der Fall von der Stabsstelle Rechtsangelegenheiten im Fachbereich Bau bearbeitet werden soll, und mittlerweile gibt es auch schon eine überarbeitete Variante vom ursprünglichen Entwurf.“

Bauausschussvorsitzender Klaus Bosholm (SPD) erläutert gegenüber den SN die baurechtlichen Hintergründe in dem Genehmigungsverfahren. Noch gebe es für die Altstadt mitsamt der Langen Straße keinen Bebauungsplan und keine Gestaltungssatzung. Mit einer Gestaltungssatzung könnten Farbton und Materialien für die Umgebung festgelegt werden, mit dem B-Plan etwa die Firsthöhe. Er rechnet damit, dass Gestaltungssatzung und B-Plan für die Altstadt nach den Sommerferien auf den Weg gebracht werden. Bosholm: „Doch jetzt wird in diesem Fall genehmigt, was sich nach Art und Maß in die umliegende Bebauung einfügt.“

Die Stadt hat die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises mit eingeschaltet. Diese erklärt: „Über das zweite Garagentor sind wir erst seit Kurzem informiert worden, deshalb handelt es sich noch um ein laufendes Verfahren.“

Auf die Entscheidung dürften nicht nur die Anwohner gespannt warten.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 16:07 Uhr

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