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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 04:57 Uhr

Süderbrarup : Ärger um eingewachsene Uralt-Waggons

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gemeinde und Amt Süderbrarup fordern Museumsverein auf, die zerstörten historischen Waggons am Bahnhof zu entfernen

Die Natur erobert Stück für Stück die ehemaligen Gütergleise auf dem Bahnhof Süderbrarup zurück. Zwischen den Schwellen und Gleisen ragen inzwischen Bäume und Sträucher aus dem Schotter. Kaum kann man die hier abgestellten Waggons der „Freunde des Schienenverkehrs“, die zwischen Kappeln und Süderbrarup die Museumsbahn betreiben, erkennen. Eisenbahnfreunde, die sogenannten „Schienenküsser“, geraten ins Schwärmen beim Anblick der Fahrzeuge, die zwischen 50 und 80 Jahre alt sind. Darunter ein Steuerwagen aus Holz, der bis 1979 im S-Bahnverkehr in Oslo gefahren ist, oder ein Original Postwagen, der von der Deutschen Bahn zur Dänischen Staatsbahn und von dort zur Museumsbahn kam. Thorwald Peters, der langjährige Vorsitzende der Museumsbahn, hatte gute Beziehungen zu den skandinavischen Eisenbahnen und als diese ihren Alt-Bestand abbauten, holten die Schienenfreunde einige Exponate nach Deutschland, wo sie jetzt dem Verein wie ein Klotz am Bein hängen, denn der Verein habe keine Kapazitäten die Fahrzeuge aufzuarbeiten, erklärt der Vorsitzende Detlef Schikorr.

Bei näherem Hinschauen wird aus dem Entzücken Wut und Verärgerung. Eingeschlagene Scheiben, Graffiti, Brandstiftung und Vandalismus haben die Fahrzeuge in einen unschönen Zustand versetzt. Anwohner haben sich in der Vergangenheit immer wieder über die Zerstörungswut beklagt. Versuche des Vereins, über Polizei und Staatsanwaltschaft die Zerstörungen zu verhindern und das Vereinseigentum zu erhalten, liefen ins Leere. Jahrelang hatten die Fahrzeuge versteckt auf dem Firmengleis der Hauptgenossenschaft gestanden, mussten dann aber nach vorne gezogen werden, da der Straßenübergang Raiffeisenstraße erneuert und das Zufahrtsgleis ausgebaut wurde.

Die Gemeinde Süderbrarup ärgert sich über den, wie sie es nennt, „Sozialen Brennpunkt“. Sie hat über den Amtsausschuss beschlossen, dass die Museumsbahn nur dann eine jährliche Förderung für die Streckenunterhaltung bekommt, wenn die Fahrzeuge entfernt werden.

Das wiederum ist aber gar nicht so einfach, denn als die Deutsche Bahn vor etlichen Jahren begann, den Bahnhof Süderbrarup umzubauen, entfernte sie die Zufahrtsgleise von der Hauptbahn der DB zu den Gleisen der Kreisbahn. Der Bahnhof Süderbrarup ist ein Kuriosum, da es hier unterschiedliche Eigentumsverhältnisse gibt. DB-Eigentum, Kreiseigentum und Gemeinschaftseigentum machen eine Grundstücksbereinigung schwierig. Für die Gemeinde sei der Zustand unhaltbar, erklärte Bürgermeister Friedrich Bennetreu auf Nachfrage. Die Waggons würden von Landstreichern, Fixern und Randalierern als Treff genutzt und die Nachbarschaft erheblich belästigt. „Die Fahrzeuge müssen schleunigst weg, wenn die Museumsbahn von den Gemeinden finanzielle Unterstützung erhalten möchte“, macht Bennetreu unmissverständlich deutlich.

„Der Verein ist bemüht, die Fahrzeuge zu entfernen“, bestätigte auch Detlef Schikorr. Man sei mit Museumsbahnen in Norwegen und Dänemark im Gespräch. Allerdings werde dieses Projekt die Vereinskasse kaum aufbessern. „Die Fahrzeuge werden verschenkt, müssen aber auf deren Kosten abgeholt werden“. Waggons, die verschrottet werden, belasten die Vereinskasse erheblich. Auch der Abtransport der zu erhaltenden Wagen werde kostspielig, da ein Kran die Wagen aus ihrer derzeitigen Lage herausheben muss, um sie auf ein Gleis zu setzen, dass Anschluss an das Netz der DB hat.

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