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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 15:42 Uhr

Boren : 4500 Jahre Geschichte im Wald begraben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Spaziergang mit Förster und Archäologe durch das Hegeholz von Boren.

„Es ist windstill und ein mystischer Nebel liegt über dem Wald. Das passt zur Archäologie, mit der wir uns heute beschäftigen wollen“, begrüßt Revierförster Udo Harriehausen die 30 Teilnehmer des Waldspaziergangs im Hegeholz von Boren. Dann geht es zweieinhalb Stunden lang quer durch den Wald, in dem 46 historische Grabhügel liegen. Diese sehen aber zum größten Teil dem normalen Waldboden so ähnlich, dass sie nur durch die Markierungsschilder zu erkennen sind, die das archäologische Landesamt und Vertrauensmann Klaus Offermann dort in der vergangenen Woche aufgestellt haben.

„Der Wald ist ein Archiv, das besser ist, als es auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Fall ist“, erklärt Eicke Siegloff vom archäologischen Landesamt. Allein im Hegeholz sei eine Zeitspanne von 4500 Jahren zu finden. Das beginne beim Langbett-Kollektivgrab aus der Jungsteinzeit um 3500 vor Christus, würde fortgesetzt über die Bronzezeit (etwa 1500 v. Chr.) und ende bei den Wikingern vor etwa 1000 Jahren. „Während dieser gesamten Zeitspanne war die Schlei ein wichtiger Wirtschaftsweg und der Hügel des Hegeholzes ein herausragender Bestattungsplatz“, begründet Siegloff die Gräberdichte.

„Wir wollen diese Denkmale erhalten“, sagt Harriehausen, unter Berücksichtigung der Kriterien der Waldbewirtschaftung. „Der Wald ist etwa 14 Hektar groß – davon sind zwölf Hektar bewirtschaftet und zwei Hektar als Naturwald stillgelegt“, informiert er. Dieser Teil diene mit den abgestorbenen Bäumen der Totholzanreicherung und damit der Artenvielfalt. Der Wald würde außerdem intensiv für die Erholung und den Landschaftsgenuss genutzt. Die ganze Fläche sei als Schutzgebiet ausgewiesen.

Und genau hier gab es einen ersten Konflikt mit den Archäologen. Denn beim Sturm Christian im Jahr 2013 stürzte ein großer Baum auf einen Grabhügel. Dieser sollte als Totholz liegen bleiben, wurde aber nach Einspruch der Archäologen entfernt. „Nach dem Sturm passierte in ganz Schleswig-Holstein eine ganze Menge durch die Förster – auch in Bereichen, die archäologische Denkmale sind“, erinnert sich Siegloff. In einer Fortbildung für Revierförster klärte er eine ganze Generation neuer Förster über das Problem auf. Zu diesem Zeitpunkt waren aber einige Hügelgräber bereits durch Unkenntnis ihrer Lage beschädigt worden.

Als jetzt Holzerntearbeiten im Hegeholz anstanden, nahm die Försterei Satrup Kontakt mit den Archäologen auf. Denn der alte Baumbestand im Hegeholz ist 120 bis 150 Jahre alt. Und in diesem Herbst sollten 200 bis 300 Festmeter Holz entnommen werden – meist dort wo der Baumnachwuchs nach oben drängt. Deswegen wurden 30 der bekannten Hügelgräber durch Markierungen kenntlich gemacht. Auf dieser Grundlage markierte der Förster zu fällende Bäume und die Fahrtrouten der Erntefahrzeuge. Denn auch die Erntetechnik ist ein Faktor, der berücksichtigt werden muss.

Durch das Fällen von Bäumen, die auf Grabhügeln wachsen, kommt man dem Denkmalschutz sogar entgegen. Dadurch wird verhindert, dass bei einem Umkippen der Bäume durch die Wurzelballen das gesamte Grab aufgerissen wird.


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