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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 15:43 Uhr

Aus dem Amtsgericht Schleswig : 18.000 Kinderpornos auf dem PC

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eine Spur aus Sachsen führte die Polizei zu einem Kinderporno-Sammler aus Schleswig.

Im Sommer des vergangenen Jahres standen zwei Polizisten vor dem Haus eines heute 47-jährigen Schleswigers. Der Mann war nicht zu Hause. Sein Vater öffnete die Tür – und erfuhr auf diese Weise, was seinem Sohn vorgeworfen wurde: Er sollte aus dem Internet kinderpornografische Fotos heruntergeladen haben.

Die weiteren Ermittlungen bestätigten den Verdacht. Gestern musste sich der Mann vor dem Amtsgericht verantworten. Er wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 1950 Euro verurteilt. Das entspricht 65 Tagessätzen, also gut zwei Netto-Monatsgehältern. Die Polizisten hatten zwei Computer und eine externe Festplatte beschlagnahmt. Darauf fanden sie später rund 18  000 Bilddateien mit kinderpornografischen Darstellungen. Die Opfer, die auf einem Großteil der Bilder zu sehen waren, waren fünfjährige Mädchen.

Vor Gericht zeigte der Mann sich geständig. Er berichtete, dass er wegen seiner Neigungen inzwischen zweimal im Monat bei einem Psychologen in Behandlung sei und „gute Fortschritte“ mache. „Ich habe selber gemerkt, dass was ganz gewaltig schief läuft“, sagte der Vater einer Tochter im Teenager-Alter. Angefangen habe alles nach der Trennung von seiner Frau vor vier Jahren. „Ich habe abends im Internet gesurft. Es hat angefangen mit FKK-Bildern, dann habe ich immer weiter auf verschiedene Links geklickt, bis ich irgendwann auf den Kinderporno-Seiten gelandet bin.“

Dabei blieb er nicht anonym. So kam die Polizei ihm auf die Schliche. Bei einem Verdächtigen in Sachsen wurden im vergangenen Frühjahr zahlreiche E-Mail-Adressen sichergestellt, die im Zuge weiterer Ermittlungen Personen zugeordnet werden konnten, die Kinderpornos bestellt hatten. Darunter war auch die Mail-Adresse des Schleswigers.

Auf Antrag der Flensburger Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht zunächst einen Strafbefehl über 4000 Euro ausgestellt. Zur Gerichtsverhandlung kam es nun, weil der Mann die Summe als zu hoch empfand und dagegen Widerspruch einlegte.

Als strafmildernd wertete Amtsrichter Florian Müller-Gabriel, dass der nicht vorbestrafte Angeklagte die Fotos nicht weiter verbreitet hat, sondern sie nur auf seinen privaten Computern speicherte. Außerdem setzte er das Monatseinkommen, das für die Höhe der Geldstrafe ausschlaggebend ist, niedriger an als im Strafbefehl. So kam es zur Halbierung der ursprünglichen Strafe.

Dennoch machte der Richter dem Angeklagten deutlich, wie verwerflich sein Tun gewesen sei. Zwar habe er nicht selbst die Mädchen missbraucht, deren Bilder er sich ansah, aber dadurch, dass diese Fotos im Internet auf Interessenten stoßen, gebe es letztlich einen Markt dafür, so dass immer weitere Bilder produziert würden. „Wenn Sie sich diese Bilder herunterladen, leisten Sie damit dem Kindesmissbrauch also indirekt Vorschub.“

Der Angeklagte versicherte, er habe sich seit dem Besuch von der Polizei keine Kinderpornos mehr angeschaut. Seit seine beiden PCs beschlagnahmt wurden, habe er nicht einmal mehr einen Computer. Auf die Frage, wie sich das Verhältnis zu seinem Vater entwickelt habe, seitdem dieser durch den Polizeibesuch vom Handeln seines Sohnes erfahren hatte, antwortete der Angeklagte: „Wir arbeiten dran.“

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erstellt am 15.Nov.2016 | 11:08 Uhr

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