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Schlei-Bote

03. Dezember 2016 | 01:16 Uhr

Kappeln und Ellenberg : Zwei Kirchengemeinden nähern sich an

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Weniger Pastorenstellen, mehr Arbeit: Kappeln und Ellenberg stimmen zum ersten Advent die Anfangszeiten ihrer Gottesdienste aufeinander ab.

Die beiden evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Kappeln und Ellenberg gehen einen weiteren Schritt aufeinander zu: Ab dem ersten Advent am kommenden Sonntag gelten besser aufeinander abgestimmte Gottesdienstzeiten. Künftig beginnt der Gottesdienst in der Nikolaikirche statt um 10 Uhr bereits um 9.30 Uhr, der Gottesdienst in der Auferstehungskirche dafür statt um 9.30 Uhr erst um 11 Uhr. Pastor Dr. Karsten Petersen sagt dazu: „An diesem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr, außerdem wählen wir einen neuen Kirchengemeinderat, also machen wir einfach gleich alles neu.“

Dabei ist der Hintergrund der Umstellung ein durchaus ernster. Seit dem Wegzug von Pastor Christoph Sassenhagen im August vergangenen Jahres sind von den ehemals drei vollen Pastorenstellen nur zwei übrig geblieben, und aller Voraussicht nach wird eine weitere Stelle irgendwo in der Region in zumindest absehbarer Zeit entfallen. „Da wird es irgendwann immer schwieriger, Urlaubs- und Krankheitsvertretungen zu regeln und vielleicht auch einfach mal ein freies Wochenende zu erleben“, sagt Karsten Petersen. Ohnehin habe sich die Arbeit in der Vergangenheit mehr und mehr verdichtet, auch weil es immer weniger Pastoren gibt, die sie bewältigen. Pastor Jörg Jackisch spricht in diesem Zusammenhang von einer 60-Stunden-Woche von Montag bis Freitag. „Der Sonntag ist dann eigentlich der entspannteste Teil der ganzen Woche“, sagt Jackisch.

Und damit genau das so bleibt, soll nun die zeitliche Entzerrung her, da so im Fall der Fälle der gleiche Pastor am gleichen Tag in beiden Kirchen predigen kann. Und ganz nebenbei dienen diese neuen Uhrzeiten auch noch einem weiteren Aspekt, den Jörg Jackisch so formuliert: „Wir wollen uns weiterhin auf den sonntäglichen Gottesdienst freuen und fröhlich unseren Dienst tun.“ Keine Hektik, kein schlechtes Gewissen, weil vielleicht nur eine Gemeinde ihren Gottesdienst feiern kann. Stattdessen eine klare und verlässliche Struktur, von der sowohl das pastorale als auch das Gemeindeleben profitieren sollen. Parallel dazu laufen ohnehin kirchliche Aktivitäten, die Jackisch „schleiübergreifend“ nennt, angefangen bei den Pfadfindern über gemeinsame Sitzungen bis hin zu besonderen Gottesdiensten und Projekten, wie etwa an Himmelfahrt oder, ganz aktuell, zum Reformationsjubiläum. „Die großen Beschlüsse von anderer Ebene können wir nicht ändern“, sagt der Ellenberger Pastor. „Aber wir wollen deswegen nicht in Bitterkeit verharren, sondern das Beste draus machen.“ Und das sieht an erster Stelle einen regelmäßigen Gottesdienst auf beiden Schleiseiten vor.

Bereits während der Sommerferien hatten beiden Gemeinden mit den veränderten Uhrzeiten experimentiert und anschließend festgestellt, dass dieser Weg ein gangbarer sein könnte. Karsten Petersen findet ohnehin: „Es entwickelt sich eine ganz neue Kultur zwischen Kappeln und Ellenberg. Wir ergänzen uns gut.“ Diese neue Kultur habe sich unter anderem auch daran gezeigt, dass die Ellenberger beim anstehenden Zeitenwechsel den deutlich größeren Schritt auf sich nehmen als die Kappelner. Wären nämlich die Ellenberger bei ihrer Gottesdienstzeit von 9.30 Uhr geblieben, hätten sich nur die Kappelner auf 11 Uhr bewegen müssen. Das allerdings wäre aus einem bestimmten Grund schwierig geworden. Petersen: „Es gibt die Vereinbarung, von unserer Seite nicht an der Bäderregelung zu rütteln.“ Schließlich habe auch die Kirchengemeinde ein Interesse daran, die Wirtschaft der Stadt zu stärken und daher sonntägliche Öffnungszeiten ab 11 Uhr, aber nicht früher, unangetastet zu lassen. Ein Gottesdienstbeginn in Kappeln um 11 Uhr hätte für eine Kollision gesorgt. Ein Umstand, der auf Ellenberger Seite schnell verstanden wurde – für Jörg Jackisch ist das „ein gutes Zeichen des Miteinander“.

Was künftig entfällt, ist der monatliche Abendgottesdienst in St. Nikolai, unberührt bleibt der Ellenberger Kindergottesdienst (einmal im Monat sonnabends ab 10 Uhr), der Kappelner Kindergottesdienst beginnt künftig um 11 Uhr. Und nachdem alle Entscheidungen getroffen, alle Folgen bedacht und eine echte Hoffnung auf weniger Unsicherheit für Gemeindemitglieder und etwas mehr Entlastung für Pastoren mit dem ersten Advent verbunden sind, steht für Karsten Petersen fest: „Jetzt freuen wir uns auch richtig darauf.“

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erstellt am 25.Nov.2016 | 07:00 Uhr

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