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Schlei-Bote

09. Dezember 2016 | 18:32 Uhr

Wanderweg : Zu Fuß von Falshöft nach Kappeln

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Nabu-Ortsgruppen Ostangeln und Flensburg verlängern den geführten Wanderweg „Fördesteig“ um 30 Kilometer.

Dass er sich selber vielleicht sogar am meisten freut, kann Hans Knöll-Fuglsang kaum verbergen. Muss er aber auch nicht. Schon der Fördesteig, den er im Frühling des vergangenen Jahres fertiggestellt hat, war so etwas wie eine Herzensangelegenheit des Glücksburgers. 70 Kilometer Küstenwanderweg von der dänischen Grenze bis zur Geltinger Birk, komplett beschildert und beschrieben inklusive eines Wanderführers im Handtaschenformat. Jetzt hat der Mann von der Nabu-Ortsgruppe Flensburg noch einen drauf gelegt: Ab sofort müssen Wanderer nicht mehr auf der Birk Halt machen. Künftig führt der ausgeschilderte Weg weiter über das Naturschutzgebiet Schleimünde und Maasholm bis nach Kappeln. Und Knöll-Fuglsangs Herzensangelegenheit wächst damit gleich mit.

„Der Fördesteig wird seit seiner Eröffnung 2015 gut angenommen“, weiß Hans Knöll-Fuglsang zu berichten. Geplant war er einst als Fortführung des Gendarmstien, dem Wanderweg, der auf dänischer Seite in unmittelbarer Nähe zur Küste verläuft. Anhand einheitlicher blau-weißer Schilder findet der Wanderer seitdem seinen Weg von der Schusterkate über Wassersleben, Sonwik, Fahrensodde, Glücksburg, Holnis, Westerholz, Norgaardholz bis nach Falshöft. Eine Strecke, die bemerkenswerte Naturerlebnisse verspricht, die allerdings ein Problem hatte: „Sie endete im Niemandsland“, sagt Knöll-Fuglsang. Und mit einem Augenzwinkern: „Es sei denn, man wollte den Schulbus nach Gelting nehmen.“ Wanderern die Möglichkeit bieten, dieses „Niemandsland“ auf geleiteten Wegen zu verlassen, war Hauptgrund dafür, die Route fortzuführen – „und zwar“, sagt Knöll-Fuglsang, „bis in eine richtige Stadt“. Nämlich nach Kappeln. Und ganz nebenbei sei auch losgelöst davon vielfach der Wunsch geäußert worden, den „Fördesteig“ zu verlängern. Gleichzeitig sah sich der Naturschützer mit einer ganz speziellen Herausforderung konfrontiert: „Hätte ich die Strecke auch hier an der Schlei Fördesteig genannt, hätte man mich geköpft“, mutmaßt er im Rückblick. Die Konsequenz: Von Falshöft bis zur Schleimündung heißt der Weg nun „Ostseeseteig“ und von der Schleimündung bis nach Kappeln wird daraus der „Schleisteig“.

Die Beschilderung der rund 30 zusätzlichen Kilometer haben die beiden Nabu-Ortsgruppen Flensburg und Ostangeln wie bereits in der Vergangenheit beim „Fördesteig“ gemeinsam unternommen. 10.000 Euro hat das Projekt gekostet, Zuschüsse gab es von der Bingo-Umweltlotterie, der Stiftung Natur im Norden und der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe. Mit dem Geld ist nicht nur die Strecke mit 200 Tafeln beschildert worden. Entstanden ist zudem die zweite überarbeitete Auflage des Wanderführers, der neben den Erläuterungen des neuen Abschnitts zusätzliche kurze Abhandlungen etwa über Schweinswale, Strandvögel, Salzpflanzen und zur Entstehung der Schlei enthält. Und Dagmar Struß vom Nabu Ostangeln betont: „Die Kosten wären noch um einiges höher ausgefallen, wenn Hans Knöll-Fuglsang nicht so viel selber gemacht hätte.“ Tatsächlich ist der Nabu-Projektmanager mehrfach die Strecke abgelaufen, hat fotografiert, recherchiert, Texte verfasst – alles für eine Region, für die sich das augenscheinlich besonders lohnt, denn Struß sagt auch: „Gerade was das Naturerlebnis und die Vogelwelt betrifft, ist diese Ecke von der Birk nach Kappeln besonders attraktiv.“ Zudem habe man entlang der Strecke nonstop freien Blick auf die Ostsee, was beim „Fördesteig“ nicht immer der Fall sei.

Beim Verlauf der Route hat der Nabu darauf geachtet, diesen möglichst fernab von Verkehrsstraßen zu halten, stattdessen hauptsächlich Radfahr- und Fußwege zu nutzen. Neu sind die Wege indes nicht, sie existierten bereits in ihren einzelnen Regionen. Der „Förde-“ und jetzt der „Ostsee-“ und der „Schleisteig“ verknüpfen sie allerdings zu einem großen Ganzen. Und Hans Knöll-Fuglsang sagt deutlich: „Wir müssen zeigen, dass wir die Natur als schützenswert erachten. Und das können wir nur, indem wir sie für die Menschen erlebbar machen.“ Davon sollen am Ende auch die Touristiker der Region profitieren, die den „Schleisteig“ jetzt in ihr Portfolio mitaufnehmen können. Christian Nickelsen, Vertriebsleiter bei der Ostseefjord-Schlei GmbH, etwa sagt: „Wanderurlaub, die Region zu Fuß zu entdecken – das ist weiterhin sehr beliebt.“ Die Weiterführung des „Fördesteigs“ in die Schleiregion hinein nennt er daher „ein tolles Angebot“, das Grundlage sein könne, das Thema Wandern noch weiter auszubauen.

1000 Exemplare des aktualisierten Wanderführers haben die beiden Nabu-Ortsgruppen drucken lassen. Erhältlich sind sie für 6,90 Euro in den Touristinformationen der Region sowie im Buchhandel. Gänzlich ausschließen will Hans Knöll-Fuglsang übrigens einen Ausbau des Weges in Richtung Schleswig nicht. Übernehmen soll das dann allerdings ein anderer. „Meine Aufgabe“, sagt er, „ist jetzt erfüllt“. Im Niemandsland nämlich wird sich keiner mehr verlieren.

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erstellt am 30.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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