zur Navigation springen

Freiwillige Feuerwehr Kappeln : Zu eng, zu feucht, zu gefährlich

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Fahrzeughalle und Schulungsraum der Ortswehr Kappeln entsprechen nicht mehr den Anforderungen. Ein Neubau soll her.

Ende vergangenen Jahres ist die Freiwillige Feuerwehr Kappeln schon einmal vorstellig geworden. Damals hatten sie sich selbst als „leidensfähig“ bezeichnet und akzeptiert, dass der Hauptausschuss den so dringend benötigten neuen Schulungsraum der Ortswehr ins Jahr 2018 verschob. Kurz darauf hatte der Bauausschuss empfohlen, für den neuen Schulungsraum im Haushalt 2018 schon einmal 300.000 Euro einzuplanen. Dann hatte der Bürgermeister im Januar davon berichtet, dass das Land offenbar Sonderbedarfsmittel für einen Neubau der kompletten Wehr-Liegenschaften bereitstellen würde, also für einen neuen Schulungsraum und eine neue Fahrzeughalle. Die Rede war von bis zu 90 Prozent der Baukosten, maximal aber 450.000 Euro. Und im März sieht die Sache nun so aus: Der Hauptausschuss hat auf seiner jüngsten Sitzung den Abriss des alten Wehrgebäudes und gleichzeitig einen Neubau empfohlen. Laut grober Kalkulation sind dafür 675.000 Euro erforderlich, die aber eben mithilfe der Fördermittel erheblich gedrückt werden sollen. Und dann hätte das Leiden der Kappelner Wehr vielleicht doch schneller als gedacht ein Ende.

Björn Frye spricht von einer Zeit weit vor seiner eigenen. „Mitte des 19. Jahrhunderts war das hier mal die Warmbadeanstalt der Stadt“, sagt der stellvertretende Ortswehrführer der Kappelner Feuerwehr. Er steht mitten im Schulungsraum seiner Wehr, vielleicht 45 Quadratmeter groß, in den Wänden Salpeter, auf dem Boden kaum mehr zu reinigende Auslegeware, aufgeplatzte Heizkörper, Torf in der Zwischendecke. „Wir müssen hier im Winter immer den Wasserhahn tropfen lassen, damit die Leitungen nicht einfrieren“, sagt Frye. „Energetisch ist das Gebäude der Horror.“ Und ganz offenbar auch was den Sicherheitsaspekt betrifft: Stolperfallen in der Fahrzeughalle, weil vor Jahren mal der Boden abgesenkt wurde, um der Fahrzeughöhe gerecht zu werden. Keine normgerechten Torbreiten oder -höhen, Einsatzkleidung, die in der Halle hängt und ständigen Dieseldämpfen ausgesetzt ist, Feuerwehrleute, die bei Alarmierung das Fahrzeug erst auf der Straße besetzen können, weil im Innern der Platz fehlt. Übrigens auch, um nach einem Einsatz das Fahrzeug wieder neu zu bestücken: Björn Frye steht neben dem Tragkraftspritzenfahrzeug, öffnet das Rolltor an der Seite und will das Notstromaggregat kontrollieren. Der Abstand zur Mauer allerdings ist viel zu gering, als dass er es ordentlich herausziehen könnte. „Ich komme überhaupt nicht an den Tankstutzen“, sagt Frye. Der versteckt sich nämlich noch im Fahrzeuginnern. Und deshalb findet auch die Nachbereitung eines Einsatzes auf der Straße statt, jedes Mal muss der Bereich dafür extra abgesperrt werden.

Und so steht am Ende eine relativ umfangreiche, aber schlicht notwendige Liste, will die Feuerwehr weiterhin die Sicherheit der Bürger, aber eben auch ihre eigene gewährleisten. „Das ist kein Wunschkonzert von uns“, stellt Frye klar. Es geht dabei schlicht um ganz konkrete Vorgaben der Feuerwehrunfallkasse. Gehofft hatte die Wehr anfangs auf eine Sanierung. Im Bauamt sei aber schnell das Stichwort Neubau gefallen. Dass Fördermittel nun sogar neben einem Schulungsraum auch eine Fahrzeughalle ermöglichen könnten, schiebt Frye auf die, wie er es nennt, „Arbeitsmoral des Bürgermeisters“, der „erstaunlich viele Gelder für die Feuerwehr freischaufelt“. Und die Ortswehr hat auch schon genaue Vorstellungen davon, was mit dem Geld passieren soll. Die Entscheidendsten: Die Fahrzeughalle wird ein ganzes Stück nach hinten verlegt, damit ein Vorplatz entsteht, der es den Kameraden erlaubt, ohne Risiko den Wagen zu besetzen und daran zu arbeiten. Die Kleidung erhält einen eigenen Raum, Schulungsraum und Büro werden vergrößert, die sanitären Anlagen besser getrennt.

Der Hauptausschuss wog nun das Für und Wider eines zeitlich getrennten und eines zeitgleichen Neubaus von Schulungsraum und Fahrzeughalle ab, entschied sich aber am Ende einstimmig für die parallele Variante. Bis Ende März ist der Förderantrag beim Land zu stellen, danach werden sich Bau- und Hauptausschuss erneut mit dem Thema befassen.

Und: Einen Schulungsraum im alten Schweinestall an der Mühle, wie bereits politisch diskutiert, kann sich Björn Frye derweil nicht vorstellen. „Wir wollen ja gerade weg von der öffentlichen Straße, weg von möglichen Menschenansammlungen“, sagt er und tut sich ohnehin schwer mit dem Gedanken eines zweigeteilten Standortes. Die Feuerwehr ist leidensfähig, ganz bestimmt. Aber irgendwann ist vielleicht auch ihre Grenze erreicht.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Mär.2017 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen