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Schlei-Bote

24. Juni 2016 | 22:17 Uhr

Kappeln : XXL-Jahrgang nimmt Abitur in Angriff

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Klaus-Harms-Schule: die letzten G 9- und die ersten G 8-Schüler stehen vor dem Abschluss. 170 Jugendliche stellen Gymnasium vor große Herausforderungen.

Dafür, dass Thomas Hellmuth in diesem Sommer mal eben mehr als die doppelte Zahl von jungen Menschen als üblich in das viel zitierte wirkliche Leben entlassen wird, wirkt er erstaunlich entspannt. Trotzdem ist es eine Ausnahmesituation, vor der der Leiter der Klaus-Harms-Schule steht, allerdings eine, die abzusehen war. Seit dem Einschulungsjahrgang 2008 ist das Kappelner Gymnasium auf G 8 ausgerichtet, ermöglicht seinen Schülern also das Abitur nach zwölf statt nach 13 Jahren. Seit diesem Zeitpunkt war klar, dass 2016 das Jahr sein würde, in dem der letzte G 9- und eben der erste G 8-Jahrgang gemeinsam ihren Abschluss abstreben. Rund 170 Schülern will Thomas Hellmuth im Juli ihre Abiturzeugnisse aushändigen. Davor allerdings steht ein erheblicher logistischer Aufwand – für ihn und sein Kollegium genauso wie für die Schüler.

Ein bisschen ist das Bildungsministerium der Klaus-Harms-Schule bereits entgegen gekommen: Die fünfstündigen Klausuren der sogenannten Profilfächer darf das Gymnasium auf zwei Tage strecken. Auch was die räumliche Verteilung der Abiturienten angeht, erwartet Thomas Hellmuth keine Schwierigkeiten – was deren Ausstattung mit erlaubten Nachschlagewerken betrifft, allerdings schon. „Wir mussten noch einige Duden extra bestellen“, sagt der Schulleiter. Glücklicherweise greift zusätzlich die gute Kooperation mit der Gemeinschaftsschule, die dem Gymnasium weitere Wörterbücher leihweise zur Verfügung stellt. Die eigentliche Herausforderung erwartet Hellmuth mit Blick auf die mündlichen Prüfungen, für die grundsätzlich drei Tage angesetzt werden. „Aus dem Ministerium wurde uns aber schon signalisiert, dass es in Ordnung sei, sollten wir einen Tag länger brauchen“, sagt er – bei allein 80 mündlichen Geschichtsprüfungen scheint das nicht gänzlich ausgeschlossen. Sollte ein vierter Tag tatsächlich erforderlich sein, wird für die jüngeren Schüler, die in der Regel während des mündlichen Abiturs schulfrei haben, dann auf jeden Fall Unterricht stattfinden – wenn auch beispielsweise in Form von Bundesjugendspielen.

Sind die Prüfungen überstanden, steht das nächste logistische Problem an: die Abi-Entlassung. Üblicherweise ist das Foyer der Schule der Ort der oft knapp dreistündigen Feier. „Diesmal nicht“, sagt Hellmuth, „und das, obwohl wir gerade eine neue Beschallungsanlage bekommen haben“. Die Anlage würde zwar auch mit den erwarteten 800 Gästen zurechtkommen, allerdings hätten diese im Foyer vermutlich nicht einmal alle einen Stehplatz. Die Konsequenz: Die Entlassung wird in der Sporthalle gefeiert – was schon die nächste Schwierigkeit mit sich bringt. „Wir haben keine 800 Stühle“, sagte der Schulleiter. Also müssen die Klassenzimmer leergeräumt werden, die Kinder, die ihre Stühle hergeben, dürfen an diesem Tag früher nach Hause. Den Abschlussjahrgang aufzuteilen und an zwei Tagen zu entlassen, sei keine Option gewesen, sagt der Schulleiter. Gleichwohl werde er zur Zeugnisausgabe die Schüler dieses Mal klassenweise und nicht einzeln nach vorne bitten – dafür erntet er Zustimmung von Annbrit Kalbus und Malin Nissen. Die beiden 18-Jährigen – eine mit neun, die andere mit acht Jahren gymnasialer Laufbahn – gehören zu den Abiturienten und freuen sich trotz aller besonderen Widrigkeiten auf das, was kommt. Annbrit Kalbus sagt: „In der Oberstufe sind wir so zusammengewachsen, da ist es sogar schöner, das Zeugnis mit den anderen gemeinsam entgegen zu nehmen.“

Annbrit und Malin sind Teil der Gruppe, die den Abiball organisiert. Die Tradition gibt vor, dass diese Veranstaltung in der Geltinger Birkhalle stattfindet, die maximal 800 Menschen fasst. Malin lächelt, als sie sagt: „Diesen Rahmen sprengen wir komplett.“ Weil eben das schnell klar war, haben die zwei schon vor eineinhalb Jahren damit begonnen, eine Alternative zu suchen – und im Sportland Flensburg gefunden. Malin rechnet vor: „Mit Deko, Band und Büfett passen dort 1100 Menschen rein.“ Allerdings: Die größere Location zieht einen doppelt so hohen Eintrittspreis als üblich nach sich – ein Umstand, den die Gruppe um die zwei Schülerinnen nicht einfach über die Köpfe ihres Jahrgangs hinweg entscheiden wollte. Annbrit sagt: „Die Karte kostet jetzt 30 Euro inklusive Essen. Wir haben eine Umfrage im Jahrgang gestartet, um herauszufinden, ob das in Ordnung ist.“ Für etwa 85 Prozent der Befragten war es das.

Die beiden Abiturientinnen können ihrem XXL-Jahrgang trotz des erhöhten Aufwands rund um die Abschlussfeier aber auch Positives abgewinnen. „Bei so vielen Leuten gab es nie das Problem, dass irgendein Profilfach nicht zustande kam“, sagt Annbrit Kalbus. Zum Vergleich: Während der Abi-Jahrgang 2015 aus gerade vier Profilen wählen konnte, durften sich die aktuellen Absolventen zwischen elf Profilklassen entscheiden. Auch das Angebot der Studienfahrten sei vielfältiger gewesen als in den Vorjahren.

Der Zeitplan bis zur Zeugnisausgabe am 8. Juli ist indes eng gestrickt: Profilklausuren vor den Osterferien, die Klausuren in den sogenannten Kernfächern nach den Ferien, mündliche Prüfungen Ende Juni. Danach wird es übersichtlicher: Feiern und Stühle schleppen.

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erstellt am 19.Feb.2016 | 07:30 Uhr

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