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Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 17:21 Uhr

Kappeln/Gelting : „Wir wollen gar nicht hip sein“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Touristikvereine Kappeln und Gelting präsentieren ihr Gastgeberverzeichnis für 2017 – und fordern Verbesserungen in der regionalen Infrastruktur.

Das 2017er Modell kommt in dezentem Silber daher. 30.000 Exemplare des neuen Gastgeberverzeichnisses haben der Kappelner Touristikverein und der Touristikverein Ferienland Ostsee/Geltinger Bucht drucken lassen, seit zwei Tagen ist es erhältlich. „Und das wurde auch allerhöchste Zeit“, sagt Heiner Nissen, Vorsitzender des Geltinger Vereins. „Wir hatten zuletzt nur noch gut 100 Stück unseres alten Katalogs übrig.“

Dabei hat sich an der aktuellen Auflage im Vergleich zu der des Vorjahres, abgesehen von der Umschlagsfarbe, gar nicht so viel geändert. Das Verzeichnis ist nach wie vor als Wendekatalog gestaltet, ausdrucksstarke Imageseiten machen Lust auf die Region, ehe sich die Fülle an Quartieren, alphabetisch sortiert nach Orten, anschließt. Und nach wie vor sind beide Vereine überzeugt von ihrem Produkt. „Wir glauben nicht, dass ein Gastgeberkatalog eine aussterbende Art ist“, sagt Heiner Nissen und betont, dass 2016, was Abgriff und Versand des Verzeichnisses betrifft, das bislang erfolgreichste war. Auch Peter Walter, Schriftführer des Kappelner Vereins, ist sicher: „Das Printmedium ist nicht tot. Unsere Versandzahlen belegen, dass es nichts an Bedeutung verliert.“ Vielmehr diene der Katalog potenziellen Urlaubern zur ersten Orientierung, ehe sie zum Telefon greifen oder den Computer hochfahren, um eine Buchung zu vollziehen. Dabei ist der Interessentenkreis der Katalogbesteller weit gesteckt: 30 Prozent der Verzeichnisse gehen nach Nordrhein-Westfalen, 15 Prozent nach Niedersachsen, zehn Prozent nach Hessen, neun Prozent nach Bayern, zugenommen haben die Anfragen aus der Schweiz und aus Dänemark, sogar in die USA haben die Vereine bereits Post geschickt. Heiner Nissen sagt dazu: „Wir können uns wirklich nicht vorstellen, mittelfristig auf den Katalog zu verzichten.“

Im Gastgeberverzeichnis finden Urlauber alle relevanten Informationen zu möglichen Vermietern, sodass sie in der Folge die Möglichkeit haben, mit ihren Gastgebern unmittelbar in Kontakt zu treten. So kündigen es die Katalogmacher an. „Uns ist wichtig, dass die Quartiere voll sind“, sagt Nissen. „Und dass unsere Vermieter kein Geld über Vermittlungsprovisionen verlieren.“ Tatsächlich nämlich, das erklärt Hilke Thomsen, Vorstandsmitglied im Geltinger Verein, tauche hin und wieder die Frage auf, was der Verein denn eigentlich für seine Mitglieder, also Vermieter, tue. „Die Urlauber kommen direkt zu unseren Mitgliedern, weil der Verein ihnen über den Katalog die Möglichkeit dazu gibt“, sagt Thomsen. Im Umkehrschluss: „Gäbe es den Katalog nicht, würden das unsere Mitglieder spüren“, ist sie überzeugt. Und Anja Fuge vom Kappelner Touristikverein erkennt noch einen anderen Aspekt. „Keiner sucht gezielt nach Unterkünften in Brarupholz oder Karschau. Wir machen mit unserem Katalog auf die gesamte Region aufmerksam und betreiben Marketing auch für die kleinen Orte.“

Übrigens auch für die Angelner Dampfeisenbahn, die sich ebenfalls im Katalog wiederfindet. Heiner Nissen sagt: „Wir sind froh, wenn die Bahn wieder auf sicheren Schienen läuft und wünschen uns wirklich, dass das so bleibt.“ Die Museumsbahn verbucht er, ähnlich wie eine Schleifahrt, die Geltinger Birk oder den Weidefelder Strand, unter den „vielen kleinen Dingen“, die die Region ausmachen – „und deren Besonderheiten sich oft erst erschließen, wenn man sie erlebt hat“. Und wenn die Region auch ein wenig im Dornröschenschlaf schlummere, sei eben das ihr Charme, mit dem sie durchaus punkten könne. „Wir sind eben nicht so hip wie Timmendorfer Strand“, sagt Nissen. „Und das wollen wir auch gar nicht.“

Was die Vereine wollen, ist etwas Anderes: Die Qualität der Ferienwohnungen nimmt zu und bringen Gäste mit anderen Ansprüchen in die Region. Hilke Thomsen fordert daher deutlich: „Die Infrastruktur muss mitziehen.“ Ein intensiver Austausch zwischen den Vereinen und der jeweiligen örtlichen Politik und Wirtschaft sei daher wünschenswert – „damit“, so formuliert es Heiner Nissen, „der Tourist hinterher sagen kann: ‚Die haben an alles gedacht‘.“

Und während die Zusammenarbeit der beiden Vereine nach deren eigenen Worten „unkompliziert und effektiv“ funktioniert, ist der Kontakt zur Ostseefjord-Schlei GmbH als Lokaler Tourismusorganisation zwar vorhanden, ein gemeinsames Gastgeberverzeichnis aber nach wie vor unrealistisch. Ende 2015 hieß es, dass davon die „sogenannte themenbezogene Zusammenarbeit“ unberührt bleiben soll. Nissen sagt dazu: „Keiner weiß, wie es wird. Aber wir werden uns nicht blockieren.“

Für die unmittelbare Zukunft wollen die Touristiker Schwerpunkte bei den Urlaubern mit Hund und vielleicht auch bei den Anglern setzen, um Vor- und Nachsaison zu stärken. Außerdem ist eine Art Gastronomie-Übersicht geplant, die Urlaubern verdeutlichen soll, wann welches Restaurant Betriebsferien beziehungsweise geöffnet hat. Unterm Strich eint die beiden Vereine ein Grundsatz, den Heiner Nissen so umschreibt: „Man kann eine Woche Urlaub bei uns wirklich gut mit Aktivitäten ausfüllen. Man muss die Dinge nur transparent rüberbringen.“ Der Katalog soll ein Weg dafür sein.

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erstellt am 24.Aug.2016 | 07:30 Uhr

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