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Schlei-Bote

03. Dezember 2016 | 07:53 Uhr

Schleswig : Vom Förderschüler zum Mustergesellen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

So geht Inklusion: David Wulfgramm kam als Praktikant, ergatterte einen Ausbildungsplatz und wurde schließlich Drittbester seines Jahrgangs.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Diese Einstellung hat den jetzt 21-jährigen David Wulfgramm auf einen Weg gebracht, den er lange selbst nicht für möglich gehalten hatte. In der Schule war es nicht leicht für ihn, besonders in den Bereichen Sprache und Rechtschreibung hakte es, deshalb besuchte er schließlich eine Förderschule. Das sollte David Wulfgramm aber nicht daran hindern, sich um einen Praktikumsplatz in seinem Traumberuf zu bewerben. „Mein Opa war auch schon Straßenbauer, und als Kind habe ich ihn nach der Schule oft auf der Baustelle besucht“, erzählt der 21-Jährige.

David Wulfgramm sollte gerade an der vom Förderzentrum Schleswig-Kropp initiierten „Flex-Phase“ teilnehmen (ein Programm, in dem sich Förderschüler im Rahmen eines Praktikums Betriebe anschauen können und parallel dazu ihren Hauptschulabschluss machen), als er eines Tages aus seinem Zimmerfenster schaute und dort eine Straßenbaufirma bei der Arbeit beobachtete. „Ich habe mir den Namen gemerkt und mich gleich am nächsten Tag auf den Weg zur Firma gemacht. Das war ja nicht weit von da, wo ich wohne“, erzählt er. So wurde Wulfgramm also beim Hoch- und Tiefbauunternehmen Stadelmann vorstellig und kam – als Praktikant – unter die Fittiche von Betriebsleiter und Ausbilder Ingo Schulz-Sperling.

Dieser war sich anfangs gar nicht sicher, wie es mit dem jungen Mann weitergehen sollte: „Wenn ich ehrlich bin, hatte ich David schon fast abgeschrieben, als er hier am ersten Tag aufkreuzte.“ Es sollte sich also zunächst jemand bereit erklären, Wulfgramm mit auf eine Baustelle zu nehmen. „Da war der Andrang erstmal nicht so groß“, sagt Schulz-Sperling. Doch schon am Ende dieses Tages hatte sich der Praktikant zum neuen Liebling der Gesellen gemausert. „David war von Anfang an bemüht, erledigte die ihm aufgetragenen Aufgaben sehr gewissenhaft, und wenn ihm nichts aufgetragen wurde, dann suchte er sich selbst eine Beschäftigung“, schwärmt sein Ausbilder.

Danach wurde der Praktikant von allen Mitarbeitern immer gerne mitgenommen. Denn seine freundliche und verbindliche Art kam bei allen Kollegen gut an. Für Schulz-Sperling war deshalb schnell klar, dass er David einen Ausbildungsplatz gibt. „Wir hätten ihn auch ohne Hauptschulabschluss genommen, aber David hat in seinem letzten Jahr nochmal ordentlich Gas gegeben und seinen Abschluss geschafft“, erzählt der Ausbilder, der Schulbildung für sehr wichtig hält, denn die Lehrlinge müssten Arbeitsanweisungen lesen und verstehen können – und auch mathematisch fit genug sein.

„Dass ich einen Ausbildungsplatz sicher hatte, hat mich motiviert, in der Schule nochmal mein Bestes zu geben“, erklärt Wulfgramm. So konnte er mit dem Schulabschluss in der Tasche in die Ausbildung starten, wo er sich schnell zu einem Vorzeigelehrling mauserte. Anfangs waren seine Noten in der Berufschule zwar noch im Dreier- und Viererbereich, doch dann wurde er immer besser – und letztendlich machte er den Abschluss als drittbester Straßenbauer in ganz Schleswig-Holstein. „Besonders stolz bin ich darauf, dass er während der Ausbildung sogar noch seine Mittlere Reife machen konnte“, erklärt Schulz-Sperling, der seinen Schützling auf die Prüfungen vorbereitete. Er halte sehr viel davon, Förderschüler und Betriebe zusammenzuführen, denn „Realschüler stehen hier nicht gerade Schlange, und mir ist es nur recht, wenn man Menschen wie David fördern kann und ihnen eine Chance gibt auf dem Arbeitsmarkt.“

Noten und ein guter Abschluss sind also nicht allein ausschlaggebend, um in einem Betrieb anzukommen, sondern auch Eigenschaften wie Offenheit, Zuverlässigkeit und Motivation. „Für die Förderung stehen Lehrer und der Betrieb zur Verfügung“, betont Schulz-Sperling, „wir lassen hier niemanden hängen, nur weil er keine tollen Noten hat. Hauptsache, es läuft im Betrieb.“ David Wulfgramm wurde nun von Stadelmann übernommen und hat jetzt sogar seinen Führerschein gemacht, weil ihm ein Kollege dafür ein zinsloses Darlehen gewährte. Er hat auf Anhieb bestanden.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 11:15 Uhr

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