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Schlei-Bote

11. Dezember 2016 | 14:58 Uhr

Kappeln : Volkshochschule steht vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Knappe Entscheidung: Auch Hauptausschuss will Zuschuss lediglich um 2500 Euro erhöhen. Vorstand kündigt Rücktritt an.

Nun braucht die Volkshochschule (VHS) schon wieder ein Wunder, um weiter existieren zu können. Diese Situation gab es schon einmal. Damals war es der Hauptausschuss, der am 19. September dieses Wunder vollbrachte und dem Verein ohne formellen Antrag 20.000 Euro in Aussicht stellte. Doch schon bald wurde diese Goodwill-Erklärung zurückgenommen. Nun hat genau dieses Gremium am Mittwochabend womöglich der VHS die letzte Hoffnung genommen. Denn der Vorstand hält die jetzt vom Hauptausschuss empfohlene Zuschusserhöhung um 2500 Euro, befristet auf ein Jahr, für zu gering.

Am Ende war der Ausgang denkbar knapp. Kaum ein Ausschussmitglied vergaß, die Bedeutung der VHS zu betonen. Doch Thorsten Schacht (SPD) sagte beispielsweise auch: „Ich will auch die VHS retten, doch nicht zu jedem Preis.“ Und so manchem Politiker schien die vom Verein erbetene Zuschusserhöhung um 15.000 Euro so hoch, dass dieser Betrag die Statik der städtischen Vereinsförderung aus dem Lot bringen könnte. Lars Brack (SPD) störte sich daran, dass die Summe „fast ausschließlich für Personalkosten“ benötigt würde. „Andere Vereine sind auch ehrenamtlich tätig“, so Braack und setzte sich dafür ein, den Beschluss des zuständigen Fachausschusses für Jugend, Kultur, Sport und Schulen (JKSS) zu übernehmen, der sich ausführlich mit der Angelegenheit beschäftigt habe. Dessen Empfehlung lautete: Ab 2017 Erhöhung des Zuschusses von 5000 auf 7500 Euro, befristet auf ein Jahr. Axel Langkowski (CDU) hielt eine Zuschusserhöhung um 50 Prozent für viel und meinte, dass man dazu noch die mietfreie Unterbringung in der Hans-Christian-Andersen-Schule dazurechnen müsse.

Andere Ausschussmitglieder entgegneten, dass die Raumvergabe in dem Gebäude noch bevorsteht. Volker Ramge (CDU) meinte, dass es das Recht des Hauptausschusses sei, selbst in der Angelegenheit zu entscheiden. „Im JKSS haben wir viel diskutiert, doch was wir nicht besprochen haben, ist, wer die Aufgaben weiterführt und ob es die Haushaltslage der Stadt hergibt.“ Sein Parteifreund Thomas Grohmann ging noch weiter und stellte den VHS-Antrag. „Ansonsten wird die VHS zerschlagen, und wir kriegen sie nicht wieder.“ Corinna Graunke, die den VHS-Antrag schon im JKSS-Ausschuss gestellt hatte, pflichtete ihm bei. „Wenn der Vorstand geht, dann wird jetzt das Programm nicht geschrieben, und die Dozenten laufen weg.“

Michael Arendt (LWG) unterstützte den Antrag, da andernfalls der Vorstand zurücktreten werde. „Dann besteht die absolute Gefahr, dass Kappeln keine VHS mehr hat. Doch die VHS als Bildungsstätte – nicht als Verein – ist wichtig und notwendig“, so Arendt.

Braack meinte, dass mit dem Rücktritt des Vorstands nicht der Verein stirbt. Langkowski störte sich an den hohen Personalkosten: In Süderbrarup erhalte der VHS-Geschäftsführer 450 Euro. Ausschussvorsitzender Matthias Mau (CDU) schlug vor, fürs nächste Jahr eine Verlustübernahme bis zu maximal 20.000 Euro anzubieten. „Schon im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob erste Maßnahmen Effekte zeigen“, so Mau.

Zuerst lehnte der Ausschuss den VHS-Antrag bei drei Ja-Stimmen und einer Enthaltung ab. Maus Antrag einer Verlust-Deckelung erhielt gleich viele Ja- und Nein-Stimmen und galt damit als abgelehnt. Dem Vorschlag aus dem JKSS-Ausschuss mit einer auf ein Jahr befristeten Erhöhung des Zuschusses um 2500 Euro stimmten neun Ausschussmitglieder zu, einer stimmte dagegen.

VHS-Vorstandsmitglied Christina Kohla setzte nach der Veranstaltung keine Hoffnung mehr auf die Stadtvertretung: „Das war es jetzt. Für uns ist das alles sehr traurig. Wir wollten gar nicht so viel Öffentlichkeit oder eine Schlammschlacht.“ Maus Vorschlag fand sie gut. „Da hätte man noch mal reden können.“ Nun wird der Vorstand zurücktreten und in der nächsten Woche zur außerordentlichen Mitgliederversammlung im November einladen, um einen neuen Vorstand zu wählen. „Vielleicht wird ja eine Arbeitsgemeinschaft zur Rettung des Vereins gegründet“, so die kleine Hoffnung der Schriftwartin. „Ansonsten“, so Kohla, „kommt es zur Vereinsauflösung.“  

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 21.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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