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Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 04:53 Uhr

Kappeln : VHS-Vorstand droht mit Rücktritt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Im Kulturausschuss scheitert die Volkshochschule mit ihrem Antrag, den städtischen Zuschuss auf 20.000 Euro zu erhöhen.

Die Volkshochschule (VHS) beschäftigt derzeit die Gemüter. Der Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Schulen (JKSS) hatte in seiner Sitzung am Montagabend nur einen thematischen Tagesordnungspunkt: Die VHS und ihr Antrag auf Erhöhung des städtischen Zuschusses. Ob die Beteiligten aber einer dauerhaften Lösung näher gekommen sind, bleibt nach dieser Sitzung fraglich.

Die VHS befindet sich derzeit in schwierigem Fahrwasser. Seit dem Jahr 2013 schreibt der Verein Verluste, mit steigender Tendenz. Im vergangenen Jahr betrug das Minus mehr als 4700 Euro. Die VHS hatte sich in dieser Situation an den Hauptausschuss gewandt, in der Absicht, den städtischen Zuschuss von 5000 Euro auf 20.000 Euro zu erhöhen. Zudem bat die VHS um Räume in der Hans-Christian-Andersen-Schule, um Mietkosten zu senken und die Raumsituation mit Unterricht an bis zu 15 Standorten zu entschärfen. Der Hauptausschuss stellte dies dem Verein in Aussicht. Doch nur wenige Tage später drehte sich das Blatt. In der nicht öffentlichen Runde der Fraktionsvorsitzenden drückte die Politik auf die Bremse und stufte die Aussagen des Hauptausschusses als zu euphorisch ein. Zudem bestand man auf einem formellen Antrag der VHS.

Dieser Antrag, mit der Bitte um eine Antwort innerhalb von zwei Wochen, lag nun den Mitgliedern des JKSS-Ausschusses vor. Doch die Beschlussvorlage der Verwaltung sah statt der Erhöhung des Zuschusses um 15.000 Euro eine Erhöhung um 2500 Euro vor. Damit nicht genug, trat eine Vertreterin des TSV Kappeln in der Einwohnerfragestunde auf und pochte auf Gleichbehandlung der Vereine.

Den Ball nahm Norbert Dick (Grüne) sogleich auf. „Wir sprechen hier über einen Zuschuss von 20.000 Euro, und beim Frauenzimmer kämpfen wir um 100 Euro“, meinte Dick. Der Stadtvertreter kritisierte zudem, dass im Programm Reisen von professionellen Unternehmen angeboten werden. „Das sind nicht die Hauptaufgaben einer VHS. Konzentrieren Sie sich aufs Kerngeschäft, damit Sie Kosten reduzieren können.“ Zuvor hatte schon Ausschussvorsitzende Ilona Mende (SPD) betont, dass der VHS-Haushalt ins Minus gekommen sei, obwohl immer mehr Kurse angeboten worden seien. „Sie haben mehr Kurse bei einer verschwindend geringen Teilnehmerzahl von durchschnittlich gerade mal zwei Personen durchgeführt. Sie sollten Kurse so bestücken, dass sie sich auch selbst tragen“, so Mende.

VHS-Schriftführerin Christina Kohla antwortete, dass man vor fünf Jahren eine enorm schwierige Situation vorgefunden habe. „Kooperationen gehen wir mit anderen Partnern ein, weil wir pro Teilnehmer einen Euro Zuschuss vom Verband erhalten. Das ist eine Win-Win-Situation für uns. Die Teilnehmerzahl können wir vorher nicht benennen“, sagte Kohla. In puncto Kosten gebe es bei Miete und Aufwandsentschädigung nur wenig Spielraum. Der derzeitige Vorstand habe den Verein wieder in die Spur gebracht und schon vor Längerem seinen Rücktritt angekündigt, doch gebe es keine Nachfolger. Auf Nachfrage bestätigte Kohla, dass die VHS gerne möchte, dass Swantje Kretschmann für ihren enormen Arbeits- und Zeitaufwand 1000 Euro erhalten soll. Jürgen Strahl (SPD) wandte ein, dass die Grenze für die Ehrenamtspauschale bei 720 Euro liege. Und Mende meinte: „Das geht weit übers Ehrenamt hinaus. Das ist eine besteuerte Beschäftigung.“ Volker Ramge, CDU-Fraktionschef und VHS-Mitglied, wandte ein: „Der VHS-Vorstand versucht, hier eine Leistung zu erbringen, die weit über das hinausgeht, was man verlangen kann.“

Corinna Graunke (CDU) hielt den Antrag des Vorstands für die günstigste Option: „Wenn wir die Situation jetzt nicht retten, dann haben wir im nächsten halben Jahr keine VHS-Kurse mehr.“ Mende fragte, wie man mit der Gesamtsituation umgehen wolle. Marta Kraft (CDU) schlug vor, den Vorschlag der Verwaltung als Grundlage einer Beschlussvorlage zu nehmen, doch den erhöhten Zuschuss von 7500 Euro auf ein Jahr zu befristen. „Dann hat der Verein ein Jahr Zeit, Synergieeffekte zu finden“, so Kraft. Bei der Abstimmung waren nur zwei Ausschussmitglieder bereit, der VHS einen Zuschuss von 20.000 Euro zu gewähren, fünf Mitglieder votierten für die auf ein Jahr befristete Erhöhung des Zuschusses auf insgesamt 7500 Euro.

Nach der Sitzung sagte Kohla: „Wenn das so bleibt, legt der Vorstand seine Ämter nieder.“ Man suche nicht noch ein weiteres Jahr nach Synergieeffekten. „Unsere Position war wohl durchdacht.“ Zudem habe sich nichts an der Raumsituation geändert. Für die Belegung der Räume in der HCA-Schule wird der Sozialausschuss auf seiner Sitzung am 26. Oktober ein eigenes Gremium berufen. „Noch werfen wir die Flinte nicht ins Korn, denn Hauptausschuss und Stadtvertretung haben noch nicht getagt“, sagte Kohla. Heute wird der Hauptausschuss über das Thema beraten.  

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erstellt am 19.Okt.2016 | 08:15 Uhr

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