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Schlei-Bote

09. Dezember 2016 | 03:06 Uhr

Kappeln : Verkehrskonzept lässt auf sich warten

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Verwaltung hat noch nicht mit der Umsetzung des Beschlusses vom Februar begonnen.

Man kann davon ausgehen, dass sich Manfred Wehking seine letzte Sitzung ein bisschen anders vorgestellt hat. Der Verwaltungsmitarbeiter, der Ende Juli den Status des Pensionärs erreicht haben wird, begleitete jetzt letztmals die Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verkehr – und hatte ein bisschen was auszuhalten. Weil er das nahezu eineinhalb Stunden tat, hatte er sich am Ende aber auch ein Abschiedsgeschenk verdient.

Es ging bereits mit der Einwohnerfragestunde los, in der Norbert Dick (Grüne) wissen wollte, was aus der in der Februar-Sitzung diskutierten Idee einer Tempo-30-Zone in der Innenstadt beziehungsweise der geplanten Aktualisierung eines alten Verkehrskonzeptes und der damit erforderlichen Verkehrszählung in der Wassermühlenstraße geworden sei. Manfred Wehking antwortete klar und deutlich: „Der Stand der Dinge ist null. Wir haben mit der Erstellung noch nicht angefangen.“ Im Zuge der Vorbereitung habe sich demnach herausgestellt, dass der Aufwand einer Verkehrszählung für die Verwaltung zu groß sei. Wehking: „Wir haben erst währenddessen festgestellt, wie viel Manpower wir eigentlich bräuchten.“ Trotz oder gerade aufgrund der Eindeutigkeit seiner Worte konnte der Verwaltungsmitarbeiter allerdings nicht auf Verständnis der anwesenden Kommunalpolitiker hoffen. Der Ausschussvorsitzende Michael Schattka (Grüne) kam auf Grundsätzliches zu sprechen, als er betonte: „Wenn die Verwaltung uns nicht mitteilt, dass etwas nicht funktioniert, hinterlässt das bei mir den Eindruck, als würde dort etwas ausgesessen.“ Und Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) zeigte zwar Verständnis dafür, dass die aus einer Verkehrszählung resultierende Umsetzung wohl von einem externen Büro übernommen werden könne, aber: „Die Grundarbeiten müssen im Rathaus gemacht werden“, sagte sie. Auf Nachfrage erklärte Schattka schließlich, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Verkehrsausschusssitzung setzen zu wollen.

Auf eine schriftliche Anfrage von Volker Ramge (CDU) nahm Manfred Wehking zudem Stellung zum Fahrradkonzept der Interessengemeinschaft Umwelt (IGU), mit dem sich der Ausschuss erstmals im Dezember 2012 befasst hatte. Wehking sprach von verschiedenen Neuausschilderungen (etwa an der K  123 Richtung Kopperby), von mehreren Markierungen (etwa am Radweg am Zob, an der Unterführung der Schleibrücke, am Ende der Wassermühlenstraße), die aufgefrischt wurden. In einigen Fällen jedoch ist die Stadt nach Wehkings Worten gar nicht zuständig, sondern vielmehr der Kreis. Diesen Punkt griff Thorsten Schacht (SPD) auf und äußerte sich kritisch: „Manches wird aber auch nicht umgesetzt, obwohl wir zuständig sind.“ Schacht führte aus, dass die IGU Flyer in Umlauf gebracht habe, aus denen hervorgehe, dass die Politik die Umsetzung des Fahrradkonzeptes blockiere. „Wenn diese Blockade aber am Kreis liegt, dann sollten wir das auch kommunizieren“, fand er. Und Volker Ramge forderte einen Überblick der einzelnen Maßnahmen für die nächste Sitzung ein – „damit wir uns inhaltlich damit auseinandersetzen können“. Michael Schattka schlug schließlich vor, die jeweiligen Ausführungen in die Liste mitaufzunehmen, die über den Stand einzelner Beschlüsse Aufschluss gibt.

Der Einstieg in die inhaltlichen Tagesordnungspunkte verlief indes nicht weniger reibungslos – und dabei ging es im Grunde um eine relativ unkritische Angelegenheit, nämlich die Widmung verschiedener Verkehrsflächen, die das Straßen- und Wegegesetz für Schleswig-Holstein verlangt. Nicht ganz unwichtiger Nebenaspekt: Die Einziehung von Ausbaubeiträgen ist nur bei gewidmeten Straßen möglich. Wichtiger allerdings war im aktuellen Fall der Umstand, dass der Weg, der parallel zur B  203 verläuft und der unter anderem die Zufahrt zum Behelfsparkplatz in Ellenberg erlaubt, der ausschließlichen Nutzung durch Fußgänger und Radfahrer gewidmet werden sollte. Die Folge: Mit einem Auto wäre der Parkplatz nicht mehr zu erreichen. Rainer Moll (SPD) fiel diese sich anbahnende Falle zuerst auf, Manfred Wehking räumte ihm gegenüber schnell ein, richtig zu liegen. „Das ist so nicht in Ordnung“, sagte Wehking und erhielt vom Ausschuss daraufhin diesen Teil des Tagesordnungspunktes zur erneuten Überarbeitung zurück. Problemlos war dagegen die Widmung des Kay-Nebel-Weges und der Grünen Straße als Gemeindestraßen.

Nach eineinhalb Stunden also hatte Manfred Wehking seine letzte Ausschusssitzung hinter sich gebracht – und letzte Worte für das Gremium parat: „Eigentlich“, sagte er, „hat es mir immer viel Spaß gemacht – bis auf einige Ausnahmen.“ Vielleicht sortiert er seine letzte Sitzung unter den Ausnahmen ein. Michael Schattka jedenfalls entließ den Verwaltungsmitarbeiter mit einer Flasche Wein.

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erstellt am 15.Jun.2016 | 07:30 Uhr

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