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Kappelner Literatur-Fans : Unterm Dach werden Bücher lebendig

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Literaturkreis der Volkshochschule besteht seit mehr als 50 Jahren. Helga Ramge führt die Arbeit von Werner Blieske fort.

Kappeln | Von Gabriel García Márquez bis Amelie Nothomb, von Hermann Hesse bis Judith Hermann – der Literaturkreis der Volkshochschule (VHS) besteht inzwischen seit mehr als 50 Jahren und ist viel herumgekommen in der Welt der Literatur. Ins Leben gerufen 1965 von Werner Blieske, seinerzeit Studienrat für Deutsch am Kappelner Gymnasium, wird der Kreis seit 2011 von Helga Ramge mit Leben, Autoren und ihren Werken sowie Denkanstößen gefüllt. Sie wechselt sich dabei mit Wiebke Euler, ehemalige Studienstufenleiterin am Kappelner Gymnasium, und Eva Lufft, Journalistin aus Arnis, regelmäßig ab.

Rundherum stehen Bücherregale in ihrem Wohnzimmer, voll bis unter die Decke. „Und im ersten Stock gibt es noch mehr. Ja, mein Hobby kann man unschwer erkennen“, sagt Helga Ramge und lacht. Sie und Renate Rackow gehören dem Literaturkreis an, seit Werner Blieske ihn im Namen der VHS gründete. „Homo Faber“ von Max Frisch, „Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen und die „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz – das sind Romane, an die Ramge sich aus der ersten Zeit erinnert. Etwa acht bis zehn Teilnehmer sind es damals gewesen – und so viele sind es auch heute noch. So ein kleiner Kreis – das hat Vorteile: „Wir haben uns anfangs in den Privatwohnungen getroffen“, erinnert Ramge sich, bei Blieske, aber auch bei den Teilnehmern. Später zog der Kreis um ins Christophorushaus und anschließend in die Stadtbücherei. Der Literaturkreis bestand auch weiter, als Blieske dreimal für sechs Jahre als Lehrer nach Südamerika ging. Er führte die Gruppe anschließend weiter, bis er 2011 starb. Helga Ramge hatte ihn zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Jahre lang unterstützt. Sie hatte nach arbeitsreichen Jahren an Grund-, Haupt- und Sonderschule Germanistik und Friesisch an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel studiert und und schlüpfte in seine Fußstapfen.

Heute trifft der Literaturkreis sich im Kirchenbüro unterm Dach, aber der Ablauf hat sich nicht geändert. Nachkriegsliteratur soll es schon gern sein. Die Dozentin, die dran ist, schlägt das Buch vor, das die Teilnehmer bis zum nächsten Treffen gelesen haben sollten. „Aber ganz so streng schulisch geht es dabei natürlich nicht zu“, berichtet Ramge. Sie orientiert sich bei der Auswahl an der monatlich erscheinenden Bestenlisten des Südwestrundfunks (SWR). „Das ist wirklich eine Bestenlisten, ausgewählt von 18 Literaturkritikern, keine Bestsellerliste“, sagt sie. Wichtig ist auch, dass das Buch bereits als Taschenbuch erschienen ist, damit die Kosten im Rahmen bleiben. Die Dozentin stellt Autor und Buch vor, dann wird diskutiert, es geht um Inhalt, aber auch um Form und Stilmittel.

Judith Hermann hat Helga Ramge für heute ausgewählt. Nach drei männlichen Autoren – Botho Strauß, Ian McEwan und Klaus Modick – ist nun wieder eine Autorin dran. „Aller Liebe Anfang“ steht auf dem Programm. Ramge stellt die Autorin vor, geht auf Form, Sprache und Thema des Romans ein. Zahlreiche Rezensionen flattern auf den Tisch. Die Diskussion ist lebhaft und fast ebenso kontrovers wie die Meinung der Kritiker. Interessante neue Aspekte werden aufgeworfen. „Wenn es zu emotional wird, muss ich manchmal eingreifen“, sagt Ramge und lacht. Am Ende ist das Fazit zu dem Buch überwiegend positiv. „Vielleicht wäre es als Erzählung besser gewesen“, sagt Ramge und lobt die Sammlung der Autorin – „Sommerhaus, später“ – als herausragend.

Das Treffen des Literaturkreises am Montag war das letzte in diesem Semester. Nach den Sommerferien geht es am 11. September weiter. Das Wintersemester läuft nach einem bestimmten Schema ab. „Wir ziehen einmal um Deutschland herum“, berichtet die Leiterin. Im weiteren Sinne: Literatur aus Dänemark, Polen, Ungarn, Tschechien und der Schweiz wurde bereits ins Visier genommen. Nach Belgien stehen jetzt die Niederlande auf dem Programm. Helga Ramge freut sich schon auf die Literatur aus dem westlichen Nachbarland. Leon de Winter, Maarten ’t Hart und Anna Enquist – sie schwärmt schon im Voraus. Und wie geht es weiter? „Danach ziehen wir weiter nach England“, verrät Ramge.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 05:55 Uhr

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