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Schlei-Bote

10. Dezember 2016 | 11:50 Uhr

Angelner Dampfeisenbahn : Übernimmt die Stadt die Gleise?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappeln sucht einen Ausweg aus der Krise. Der Kreis soll für Altlasten des Streckennetzes haften.

Eigentlich sah der Tagesordnungspunkt lediglich eine Kenntnisnahme vor. Ein politischer Akt, der noch nicht einmal eine Stimmabgabe erforderlich macht. Hin und wieder aber bieten solche dem Grunde nach ereignislosen Angelegenheiten dann doch ausreichend Nährstoff für eine durchaus lebendige Diskussion. Jüngstes Beispiel: das Betriebs- und Finanzierungskonzept der Angelner Dampfeisenbahn. Politik und Öffentlichkeit waren Zahlen und Perspektiven bereits seit dem Sommer bekannt – und dennoch lieferten die Bahn und ihre nach wie vor wackelige Zukunft auch jetzt wieder einen Ansatzpunkt, der sich offenbar lohnte zu hinterfragen.

Die Ausgangslage, die für Volker Ramge Anlass genug war, die Debatte zu eröffnen, fasste der CDU-Fraktionsvorsitzende während der vergangenen Hauptausschusssitzung so zusammen: Demnach ist durchaus denkbar, dass der Kreis Schleswig-Flensburg als Eigentümer des Gleisbetts dieses an die Stadt abgibt und sich finanziell an der Beseitigung von möglichen Altlasten beteiligt. Dies ist auch schon vor der jüngsten Sitzung des Werkausschusses des Kreises Thema gewesen. Ramges Schlussfolgerung: „Es könnte klug sein, dem Kreis zu signalisieren, dass wir darüber nachdenken, die Gleisstrecke zu übernehmen, wenn die Haftung für die Altlasten beim Kreis verbliebe.“ Ein Gedanke, der bislang noch an keiner Stelle so deutlich geäußert worden war – und der daher augenscheinlich auch einige überraschte. Michael Arendt (LWG) etwa sprach davon davon, dass die Stadt bereits genug Signale für den Erhalt der Museumsbahn ausgesendet habe, noch weitergehende halte er daher nicht für nötig. „Wir sollten eher ein konkretes Verhandlungsangebot des Kreises abwarten“, sagte Arendt. Selbst Verhandlungen anzustreben, nannte er dagegen „völlig überzogen“. Auch in Axel Langkowskis (CDU) Augen waren die von der Politik bereits avisierten jährlichen 20.000 Euro Zuschuss für die Bahn bis einschließlich 2025 „schon deutlich genug“.

Der Ausschussvorsitzende Matthias Mau (CDU) erinnerte derweil daran, dass jene 20.000 Euro so lange nicht zur Auszahlung kommen, bis die daran geknüpften Bedingungen erfüllt sind – also etwa die Räumung des dritten Schienenstranges am Südhafen und die gesicherte Gesamtfinanzierung. Allerdings betonte auch Mau: „Ich muss jetzt von uns aus kein Angebot an den Kreis losschicken.“ Aber: „Natürlich ist das Gleisbett gerade am Südhafen für uns eine interessante Infrastruktur.“ Der Vorsitzende befürchtete, dass man bei bestehenden unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen in eben diesem Areal bei jeglichen Planungsvorhaben weiterhin mit Dritten verhandeln müsse. „Und um da mehr Sicherheit zu haben, gehört es dazu, dass wir uns aktiv um das Gelände bemühen“, sagte Mau. Volker Ramge griff diesen Gedanken auf und unterstrich wiederholt seinen Wunsch: „Wir sollten zumindest in Gespräche mit dem Kreis eintreten, um in einem zweiten Schritt konkrete Bedingungen für eine Übernahme der Strecke auszuhandeln.“

An dieser Stelle wies der Büroleitende Beamte Jörg Exner darauf hin, dass der Kreis nicht nur Teile, also nicht nur die Gleise, die am Südhafen verlaufen, sondern die gesamte Strecke abgeben wolle. Exner: „Das ist eine komplizierte Gemengelage, bei der etliche Faktoren und Risiken zu bedenken sind.“ Zudem müsse die Strecke aus einer Hand betrieben werden. Matthias Mau hörte die Worte, ließ sich aber dennoch nicht von seiner Linie abbringen. „Wir müssen definieren, was für uns wichtig ist, was nicht und wo unsere Schmerzgrenze liegt“, sagte er. Ein Bahngelände in Faulück ist dabei naturgemäß deutlich weniger reizvoll – allerdings: „Unser Interesse an den Liegenschaften im Südhafen muss verhältnismäßig groß sein.“

Einen Beschluss zum Thema traf der Hauptausschuss nicht. Der Werkausschuss des Kreises tritt das nächste Mal am 15. November zusammen – die Bereitschaft der Stadt Kappeln, unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich über die Übernahme der Gleisstrecke nachzudenken, könnte bis dahin in Schleswig angekommen sein. Wenn denn irgendjemand ein Signal aussendet.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 07:15 Uhr

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