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Schlei-Bote

05. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Karby : Tierarzt sorgt sich um die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Krise in der Milchwirtschaft: Landwirte verkaufen Kühe, um hohe Behandlungskosten zu vermeiden.

Ob er im Jahr 2017 noch seine Praxis betreibt, dass steht in den Sternen, sagt Willi Brünig, Tierarzt in Karby. Seit 30 Jahren praktiziert er und betreut Landwirte und Tierhalter in ganz Schwansen. „So eine Phase wie jetzt hat er noch nicht erlebt“. Gemeint ist die nun schon seit fast einhalb Jahren andauernde Krise in der Milchwirtschaft. Zu seinen Kunden gehören vor allem Milchviehhalter, die mit den sinkenden Erlösen für ihre Produkte umgehen müssen. Sanken die Umsätze in 2015 nur gering, fallen sie seit Januar 2016 monatlich mehr. Im Februar waren es 20 Prozent und im März schon 25 Prozent Umsatzrückgang, sagt Brünig (56).

Für ihn ist die Reaktion der Landwirte nachvollziehbar. Sie rufen den Tierarzt weniger, wenn es um Kühe geht, bei denen sich zum Beispiel eine Euterentzündung andeutet. Da mit Milch derzeit kein Geld verdient wird, versuchen die Landwirte diese Tiere anders zu vermarkten und verkaufen sie beispielsweise an Schlachtereien. So könnten sie ihren Verlust minimieren, statt noch zusätzlich Tierarztkosten zu verursachen, erklärt Brünig. Außerdem dürfte die Milch der behandelten Kuh mehrere Tage nicht verwertet werden, was auch zu weniger Milchgeld führe. Auch Küche, deren Milchleistung nicht mehr optimal sei, würden nicht wie früher weiter gemolken, sie würden ebenso verkauft, so Brünigs Eindruck.

Wenn die Tiere ernsthafte Erkrankungen haben, dann werde er wie gewohnt gerufen, auch wenn das Honorar kostet. Zwischen ihm und den Landwirten herrsche nach 30 Jahren als Tierarzt in der Region großes Vertrauen und er kenne die Bauern, sagt Brünig.

Die Zahl seiner Besuche auf den Höfen ist teilweise drastisch gesunken. Besuchte er früher teilweise zweimal die Woche eine ganze Reihe von Höfen, bei denen er Kühe künstlich befruchtete , so sei das um rund 50 Prozent eingebrochen, stellt der Tierarzt die dramatischen Zahlen vor. Der Markt für Rinder und Kühe sei eingebrochen, da viele Kuhhalter ihre Bestände ebenfalls anbieten.

Schwere Phasen gab es in der Landwirtschaft immer, stellt der Tierarzt fest, jetzt aber gebe es nicht mal eine Perspektive, bis zu der die Betriebe überbrücken könnten. Die besten Chancen hätten noch die Betriebe, die breit aufgestellt sind und auch Ackerbau betreiben. Auch Brünig muss reagieren. So wird die Entwicklung zeigen, ob er seinen jungen Kollegen, Tiermediziner Mohsen Chahoud (42), noch in der Praxis halten kann.

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erstellt am 21.Mai.2016 | 16:45 Uhr

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