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Schlei-Bote

28. März 2017 | 04:28 Uhr

Eckernförde : Streit um die Nooröffnung

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Eckernförder Millionenprojekt sorgt für viel Diskussionsstoff. Sämtliche Bäume am Steindamm sollen gefällt werden

Die Eckernförder CDU hat sich mit den schärfsten Kritikern des Projekts Nooröffnung, der Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“, und dem aus ihr hervorgegangenen Bürger-Forum in der vergangenen Woche an einen Tisch gesetzt, um gemeinsame Vorstellungen für eine Umsetzung des Millionenprojekts zu entwickeln. CDU-Fraktionsvorsitzende Katharina Heldt bezeichnete den Meinungsaustausch g als „konstruktiv und offen“. Wichtig sei auch, nach wie vor auf den Dialog mit den Bürgern zu setzen.

Im Mittelpunkt der öffentlichen Versammlung stand dann auch das wohl größte Zukunftsthema der Stadt – die Nooröffnung. Mit dem inzwischen bei der BIG Städtebau in den Ruhestand gegangenen Projektentwickler Heiner Sonderfeld und seiner Nachfolgerin Alexandra Dahm informierten zwei kompetente Referenten die Gäste im Stadthallen-Restaurant. Sonderfeld ging auf die Historie des Projekts ein, das 2004 seine Anfänge im Vorfeld des Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) hat und dank der Konversion Aufnahme in das Wirtschaftsförderprogramm Stadtumbau West gefunden hat. Darin werden Sanierungs- und Stadtentwicklungsprojekte zu je einem Drittel von der Stadt, dem Land und dem Bund finanziert. „Eine bessere Wirtschaftsförderung gibt es nicht“, sagte Sonderfeld.


Stadt hat alle Trümpfe in der Hand


Nach der Innenstadt, Strand und Hafen sei die Nooröffnung das „vierte Standbein“ im attraktiven Kernbereich der Stadt. Die Stadt habe in Sachen Nooröffnung als Besitzer aller Grundstücke „alle Trümpfe in der Hand“ . Das in vier Bebauungspläne unterteilte Areal könne in mehreren Schritten nach den Vorstellungen der Stadt entwickelt werden. „Es muss kein Großinvestor kommen.“ Beim Wohnungsbau sollten vor allem interessierte Eckernförder zum Zuge kommen können. Die Einbeziehung der Bürger sei nach wie vor unabdingbar, so Sonderfeld.

Der Weggang des Lebensmittelmarktes „Markant“ erfordere Umplanungen im Bereich zwischen Reeperbahn und Schulweg. Dort würden nun weniger Parkplätze und eine „hochwertigere Nutzung“ in Form weiterer Wohnungen benötigt, sagte Projektentwicklerin Alexandra Dahm. Und da auch Aldi nicht bereit für einen Umzug auf dem Gelände sei, werde man auch dort Mittel und Wege finden – Sonderfeld sprach von einer vorzeitigen „sanierungsbedingten Kündigung“ des Pachtverhältnisses. Gleichwohl solle ein Supermarkt im Bereich Nooröffnung angesiedelt werden. Dahm zeigte sich optimistisch, für die vorgesehene Fläche am Schulweg einen geeigneten Betreiber zu finden.

Die Bebauungsdichte und die Gebäudehöhen an der Gaehtjestraße müssten diskutiert und geklärt werden, sagte Dahm. Im Bebauungsplan werde dazu ein Vorschlag gemacht. Laut Siegerentwurf sollten dort hafenseitig Packhäuser entstehen. „Wenn Sie die Grundstücke nicht verkaufen, fehlen auch die Einnahmen“, gab Sonderfeld zu bedenken. Mit diesen Konsequenzen müsse man dann auch leben.

Dennoch war vereinzelt Unbehagen wegen der Neubebauung an der Gaehtjestraße spürbar. Zum einen wegen einer befürchteten zu dichten Bebauung, die den Blick auf den Binnenhafen nimmt, zum anderen wegen der Fällung sämtlicher Bäume an der Wasserseite der Gaehtjestraße sowie auch am Steindamm, über den künftig im Schritttempo der Verkehr zwischen der Reeperbahn und Borby fließen soll. „Am Steindamm bleibt kein einziger Baum stehen“, erklärte der Planer im Ruhestand. Auch der Grüngürtel an der Gaehtjestraße werde weichen müssen, falls dort neu gebaut wird. Was bleibt, ist die Baumreihe in der Gaehtjestraße. Die geplante Fällung von rund 30 Bäumen brachte Wolfram Splittgerber von der Bürgerinitiative in Rage. „Dann ist das ganze Grün am Binnenhafen weg“, kritisierte er die Planung.


Kasernenverkehr auf die B 203


12 000 Fahrzeuge sollen am Steindamm wie bisher auch fahren können, das hätten Berechnungen und Simulationen ergeben, trat Sonderfeld aufkommender Skepsis an der Leistungsfähigkeit dieser verkehrsberuhigten Verkehrsachse entgegen. „Wir haben uns heftig damit auseinandergesetzt, der Zustand werde nach dem Umbau „genau so gut oder schlecht sein wie jetzt“. Ein Kreisverkehr sei dort aus räumlichen Gründen ebenso wenig darstellbar wie an der Kreuzung Mühlenberg / Gaehtjestraße /Vogelsang, entgegnete Sonderfeld entsprechenden Vorschläge unter anderem von Jürgen Döscher.

Neue Hoffnung im Kampf gegen den Verkehrsstau machte Georg Bicker den Anwohnern des Vogelsangs und Jungmannufers. Es gebe Gespräche zwischen Stadt und Bundeswehr, in denen es darum geht, die Straße Am Ort zwischen Klärwerk und Kasernen zu schließen. Die Soldaten könnten dann nicht mehr am Borbyer Ufer entlang fahren, sondern müssten über die Bundeswehrstraße auf die Bundesstraßen 203 und 76 fahren. „Das wäre eine erhebliche Entlastung und würde das Verkehrsaufkommen zu den Stoßzeiten spürbar verringern“, stellte Bicker in Aussicht.

Stadtwerke-Chef Dietmar Steffens stellte klar, dass es „illusorisch“ wäre zu glauben, dass die Autofahrer im neuen Parkdeck in der Noorstraße kostenfrei parken könnten. Über die Höhe der Gebühren oder Vergünstigungen müsse noch entschieden werden. Günther Haß wies auf die Dringlichkeit des mehrstöckigen Ausbaus des kostenfreien Parkplatzes am Schulweg hin.

 

 

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erstellt am 10.Jun.2014 | 12:26 Uhr

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