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Schlei-Bote

02. Dezember 2016 | 21:14 Uhr

Kappeln und Faaborg : Städtepartnerschaft liegt auf Eis

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappelns Beziehung zu Faaborg ist seit der Kommunalgebietsreform in Dänemark eingeschlafen.

Drei Städtepartnerschaften hat Kappeln. Doch um keine ist es so schlecht bestellt, wie um die Beziehung zur dänischen Kommune Faaborg auf Fünen. Und daran scheint sich so schnell auch nichts zu ändern. „Die dänische Politik nimmt offiziell keine Stellung dazu“, sagt der stellvertretende Chef der dänischen Minderheit in Kappeln, Christian Andresen.

Seit 1984 gibt es die Städtefreundschaft mit Faaborg, mit keiner anderen ausländischen Gemeinde unterhält Kappeln so lange partnerschaftliche Beziehungen. Doch seit der dänischen Kommunalgebietsreform im Jahre 2007 gibt es von offizieller Seite kaum noch Aktivitäten zwischen den beiden Kommunen. Denn mit diesem Datum verlor die Stadt Kappeln auf einen Schlag ihre Ansprechpartner, wie es an der Schlei hieß.

Auch Christian Andresen, macht die dänische Kommunalreform für den Stillstand der Beziehungen verantwortlich. „Die Kommune Faaborg-Midtfyn hat durch die Gemeindefusionen über 40 Partnerschaften angehäuft“, sagt Andresen. Der zweite stellvertretende Bürgervorsteher war im vergangenen Jahr in der Patenstadt und plant auch noch für dieses Jahr einen Besuch. 40 Partnerschaften seien einfach zu viel und so nicht zu bewältigen. „Die Gemeinde hat daher erst einmal alle Partnerschaften auf Eis gelegt“, weiß der SSW-Fraktionsvorsitzende aus Unterredungen mit seinen Ansprechpartnern.

Ihm sei vermittelt worden, dass über die Vereine und Verbände die Partnerschaft aufrecht erhalten werden könne. So ist der Golfclub Stenerberg auf Initiative Andresens jüngst eine Kooperation mit seinem Faaborger Pendant eingegangen. Und dem Arnisser Segelclub konnte der stellvertretende Vorsitzende des Kappelner Sydslesvigsk Forening (SSF) Ansprechpartner für den Segelsport vermitteln. Und Andresen weiß, dass in Faaborg der Ruderclub wie auch der Tischtennisclub Interesse an Beziehungen zu Kappelner Vereinen haben. „Die Kontakte sind da“, so Andresen. „Wir müssen das nur mit Leben füllen.“

Auf künstlerischer Ebene lassen Ann-Kristin Jahrmann und ihr Mann Laurenz-Alexander Schettler den Faden zur dänischen Partnerstadt nicht abreißen. Bereits im vergangenen Jahr starteten sie ein grenzüberschreitendes Text- und Fotoprojekt, das auch in Faaborg Station gemacht hat. Die erklärte Absicht war damals, dieses Projekt könne auch zur Belebung der Beziehungen beider Städte beitragen. Zu diesem Zeitpunkt machten die beiden die Erfahrung, dass es in Faaborg etliche Stimmen gab, die bedauerten, dass die Städtepartnerschaft quasi nur noch auf dem Papier existiert. Nun sind die beiden Künstler wieder in Faaborg und präsentieren den Einwohnern Schwarz-Weiß-Porträts Faaborger Bürgern sowie deren Aussagen über die Stadt Faaborg und über die Städtepartnerschaft zwischen Faaborg und Kappeln. „Außerdem bereiten wir gerade im Rahmen des jährlichen Künstlertreffens in Faaborg den Aufbau unserer geplanten Skulptur aus Europaletten auf dem Faaborger Marktplatz vor“, teilt Ann-Kristin Jahrmann per E-Mail unserer Zeitung mit.

Für Bürgermeister Heiko Traulsen ist das der richtige Ansatz. Die Städtepartnerschaft müsse von der Basis her mit Leben erfüllt werden. Traulsen setzt auf Jugendaustausch oder gemeinsame Fußballspiele. Doch dafür ist auch der offizielle Kontakt wichtig. Indes sei ihm vor wenigen Jahren vom damaligen Faaborger Amtsvorsteher signalisiert worden, dass gegenseitige Besuche erst dann wieder aufleben sollten, wenn es gemeinsame Projekte und eine wirtschaftliche Zusammenarbeit gebe. „Ob mein damaliger Ansprechpartner noch aktuell ist, weiß ich nicht“, sagt der Kappelner Bürgermeister. Eine reine wirtschaftliche Zusammenarbeit kann sich Traulsen nur auf der maritimen Schiene vorstellen. Immerhin hat es im Frühjahr den Besuch einer Delegation aus dem Großkreis Fünen gegeben. Am Ende dieses Besuchs stand die Absicht, in Kontakt zu bleiben, um auch einen Gegenbesuch zu ermöglichen.

Für Christian Andresen ist der kulturelle Austausch beider Seiten wichtig. „Wir haben unterschiedliche Ansätze etwa in der Schulpolitik, aber auch viele Gemeinsamkeiten.“ Für den SSW-Fraktionsvorsitzenden ist klar, dass ein großer Rahmen für Europa nicht reicht. „Europa wird erst durch die Kommunen zu Europa.“ Andresen hofft, dass es in der nächsten Legislaturperiode so weit ist, dass die Beziehungen wieder aufleben können. „Doch ich musste auch schon lernen, dass vieles länger dauerte, als ich es wollte.“ Entmutigen lassen will er sich indes nicht. Seine dänischen Ansprechpartner wird der SSW-Vorsitzende wiedertreffen, damit der Gesprächsfaden nicht abreißt. Andresen: „Ich bleibe dran.“  

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erstellt am 31.Aug.2016 | 07:15 Uhr

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