zur Navigation springen

Schlei-Bote

06. Dezember 2016 | 19:00 Uhr

Rabenkirchen : Schräge Töne aus den Orgelpfeifen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Buß- und Bettag: Pastorin blickt auf Geschichte von Gotteshaus und Orgel zurück. Instrument soll mit Spendenhilfe saniert werden.

Erlebnisabend am Buß- und Bettag in der Marienkirche von Rabenkirchen: Pastorin Nadja Jöhnk freute sich über den Besuch zahlreicher Mitglieder der Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen. Helferinnen hatten Schmalzbrote geschmiert und Punsch zubereitet. Es herrschte im hinteren Teil der aus dem zwölften Jahrhundert stammenden romanischen Feldsteinkirche eine entspannte und ruhige Atmosphäre. Allerdings fehlte der angekündigte Referent, ein freischaffender Museumspädagoge des Schleswiger Landesmuseums, wegen einer Autopanne, sodass die Pastorin improvisieren musste. Sie ermunterte die Anwesenden dazu, ihr Wissen über die Historie des Kirchenbaus vorzutragen.

Zuerst zur Sprache kam die alte Legende von der Entstehung des Bauwerks: Zwei Mönche und zwei Raben sollen dabei eine Rolle gespielt haben. Auf ein himmlisches Zeichen der Jesus-Mutter Maria hin erschienen die Vögel und ließen sich auf einem Hügel abseits der wohl schon bestehenden Siedlung nieder. Damit war der Bauplatz für die Kirche festgelegt und zugleich der Name für die Ortschaft gefunden. Erwähnt wurde unter anderem die Tatsache, dass die im Jahr 1697 gebaute Orgel anfänglich im hinteren westlichen Kirchenteil – an einer Mauer vor dem Turmgewölbe – gestanden hat und erst rund 1000 Jahre später vermutlich wegen der besseren Akustik ihren neuen Standplatz auf der Empore über dem Altar erhielt. Da in Probsteierhagen bei Kiel ein Instrument mit Innenpfeifen in ähnlicher Bauweise aus der Werkstatt des einstigen Orgelbaumeister Matthias Hansen zu finden ist, wird vermutet, dass er auch in Rabenkirchen seine Visitenkarte abgab. Nach einem Erweiterungsumbau im 19. Jahrhundert versetzte die Firma Alfred Instrument im Jahr 1999 wieder auf den ursprünglichen Zustand – mit 14 Registern.

Doch der Zustand der Orgel bereitet dem Kirchenvorstand derzeit erhebliche Sorgen: Von außen betrachtet sieht dieses Kleinod prächtig aus, doch „innen“ geht den Pfeifen mehr und mehr die Luft aus, und die Töne werden schräg. Experten haben den sogenannten Bleifraß festgestellt, hervorgerufen durch unzureichende Belüftung, Feuchtigkeit und Erosion.

Der Dachbereich, der teilweise noch Bretter aus dem
13. Jahrhundert enthält, und unterhalb mit einer Art Isolationsschicht versehen ist, muss nach den Worten von Nadja Jöhnk im kommenden Jahr von Fachleuten untersucht werden, ehe weitere Schritte der Sanierung ins Auge gefasst werden können. Allein die Kosten für die Erneuerung der Orgelpfeifen werden die Kirchengemeinde vor eine große Herausforderung stellen. Deshalb gibt es bereits erste Überlegungen für die Einrichtung eines Spendenfonds zugunsten der Orgel-Rettung.

Keine Aussicht auf Besserung besteht bei den sakralen Fresken im Turmgewölbeder Marienkirche. Dort waren vor rund 20 Jahren unter einer Kalkschicht wertvolle Wandmalereien entdeckt worden. Restauratoren verhalfen damals diesen Schätzen zu neuem Glanz. Sie konnten jedoch bis in die jüngere Vergangenheit nicht verhindern, dass „die Malerei weiter bröckelt“, so Pastorin Jöhnk, und der Fortgang der allmählichen Verblassung kaum aufzuhalten ist.


zur Startseite

von
erstellt am 18.Nov.2016 | 11:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen