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Schlei-Bote

23. April 2014 | 17:04 Uhr

Kappeln - Rettungsaktion für den Heringszaun

vom

Der Entwurf einer Machbarkeitsstudie bietet drei Möglichkeiten für eine Sanierung an. Neue Pfahlreihen als Chance auf möglichst originalgetreuen Nachbau.

Kappeln | Nichts von ihm stammt noch aus dem 15. Jahrhundert, nichts von ihm hat so lange überlebt und ist allein aufgrund seines Alters wert, erhalten zu werden. Aber darum geht es auch gar nicht. Der Heringszaun ist mehr als ein Bauwerk, mehr als ein zeitaufwändiges Flechtwerk aus unzähligen Weidenruten und viel mehr als eine simple Fischfangmethode. Er ist der letzte seiner Art in ganz Deutschland und aus Kappeln nicht wegzudenken.
Der Heringszaun ist ein Teil der Schlei und der Schleistadt. Ihn deshalb mit großem Aufwand - vor allem finanziell - zu sanieren, ist schlicht alternativlos. Das zumindest ist der Ansatz des ersten Entwurfs einer Machbarkeitsstudie, der dieser Zeitung vorliegt. Danach sind gut 400.000 Euro nötig, um aus dem Heringszaun nicht nur das zu machen, was er einmal war, sondern ihn auf lange Sicht gegen die Unwegbarkeiten der Natur, die ihm in der Vergangenheit schwer zugesetzt haben, zu schützen.
Ulrich Bendlin von der Kappelner Bauverwaltung nennt den derzeitigen Zustand des Zauns "wirklich desolat". Schuld hat zum einen die Bohrmuschel, die die Pfähle mehr und mehr zerfrisst, zum anderen der Eisgang der vergangenen Jahre, der dem Grundgerüst zu schaffen macht. Hinzu kommt die starke Versandung des Schleigrunds - alles in allem in den Augen des Büroleitenden Beamten Jörg Exner "ein Fass ohne Boden". Regelmäßig habe Bauhof-Mitarbeiter Peter Becker die schadhaftesten Stellen repariert, den Zaun jedes Mal übers Jahr gerettet, ihn aber so unausweichlich optisch mehr und mehr verfremdet. Exner: "Inzwischen sind wir weit weg vom historischen Vorbild."
Die anstehende Sanierung des Zauns soll daher gleich zweierlei leisten: Das Konstrukt soll widerstandsfähiger werden und optisch wieder dichter ans Original rücken. Der erste Entwurf der Machbarkeitsstudie, erstellt vom Flensburger Planungsbüro Pro Regione GmbH und Husumer Ingenieurbüro Mohn, liefert dafür drei denkbare Varianten, die sich in erster Linie in Preis, Stabilität und Fischdurchlässigkeit unterscheiden.
So präsentieren sich die beiden teuren Versionen (700.000 Euro beziehungsweise 565.000 Euro) aufgrund eines doppelreihigen Pfahlsystems als sehr stabil. Beide würden jedoch im Vergleich zum Ursprungs-Zaun breiter ausfallen, und zumindest die teuerste Variante würde zudem eine geringere Fischdurchlässigkeit aufweisen, da in diesem Fall unter Wasser Vliesstoff zum Einsatz kommen soll. Die dritte Version strahlt also nicht nur bedingt durch ihren günstigeren Finanzrahmen mehr Charme aus. Zwar fehlt ihr die zweite Pfahlreihe, Stabilität erreicht sie aber mit zusätzlichen Seitenarmen. Unter Wasser soll mit Geogitter gearbeitet werden, das die Fischdurchlässigkeit gewährleistet. Besonderer Pluspunkt: Optisch kommt sie dem Original-Zaun am nächsten.
Bereits in diesem Frühjahr soll das Geo gitter versuchsweise in der Schlei platziert werden. "Wir wollen testen, inwieweit es sich aufgrund natürlicher Prozesse tatsächlich zusetzt", erklärt Jörg Exner. Als Baumaterial für die Pfähle kommt Eukalyptus in Frage, ein Holz, das sich als äußerst robust im Kampf gegen die Bohrmuschel erwiesen hat. Ulrich Bendlin sagt: "Feldversuche in der Nordsee zeigen, dass die Bohrmuschel nur an der Oberfläche des Eukalyptus bleibt." Klingt alles in allem nach einem Heringszaun, der für die Zukunft gerüstet sein könnte.
Denn, so viel ist klar, es soll eine Zukunft für den Heringszaun geben. Zwar weiß Jörg Exner um die fischwirtschaftlich vollkommen unbedeutende Rolle des Zauns. Als Kulturdenkmal und Wahrzeichen gibt es für Kappeln aber kaum etwas Bedeutenderes. "Es ist deshalb unvorstellbar, den Zaun nicht wieder herzurichten", sagt Exner.
Das Geld dazu soll zum großen Teil aus EU-Töpfen fließen, um den städtischen Teil weiter zu drücken, werden derzeit zusätzliche Zuschuss-Optionen ausgelotet, die jedoch noch nicht spruchreif sind. Dabei ist der Zeitplan recht ambitioniert. Im Idealfall und unter der Voraussetzung, die städtische Politik sowie die Kommunalaufsicht und die Denkmalschutzbehörde signalisieren Einverständnis, will die Verwaltung bis Jahresende die Aufträge zur Sanierung vergeben. Im nächsten Jahr soll der Heringszaun zunächst komplett verschwinden, bis er schließlich an gleicher Position vollkommen neu wieder aufgebaut wird.
Und auch wenn der Zaun danach den Stempel Baujahr 2014 trägt, soll seine Strahlkraft nicht verblassen. Er bleibt eines der Aushängeschilder der Stadt. Eines mit jahrhundertealter und dann ein bisschen aufpolierter Tradition.

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von rn
erstellt am 23.Feb.2013 | 06:59 Uhr

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