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Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

Schleimünde : Reif für die Lotseninsel

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Beschäftigte der Schleswiger Werkstätten arbeiten donnerstags in Schleimünde und übernehmen Reinigungs-, Garten- und Versorgungsarbeiten.

Das Boot im Maasholmer Hafen ist gut beladen. Am Heck stapeln sich Konserven, Wasserflaschen und Gemüsekisten. Das Schiff legt ab – Kurs Lotseninsel. „Wenn wir jetzt stranden, müssen wir weder verhungern noch verdursten“, sagt jemand, als das Fahrwasser erreicht ist.

Die Getränke und die Lebensmittel im Heck des Schiffes hat eine Projektgruppe der Schleswiger Werkstätten an Bord gebracht. Einer von ihnen ist Christopher Behrendt. „Ich war schon sieben bis acht Mal in Schleimünde, meistens bei Sonnenschein, aber auch schon mal bei Sturm“, sagt Behrendt. An der Brücke zwischen Fähranleger und der Steinmole, die zum Leuchtturm führt, macht das Motorboot fest. Sofort machen sich die Mitarbeiter der Werkstätten daran, das Boot zu entladen und die Waren auf einen Handkarren zu stapeln. All die Lebensmittel und Getränke transportieren die Mitarbeiter der Werkstätten zum Restaurant „Giftbude“.

Dieses Inklusionsprojekt der Schleswiger Werkstätten haben ihr Betriebsstellenleiter Marc Müller und Jens Ambsdorf, Stiftungsvorstand der „Lighthouse Foundation“, der die Lotseninsel gehört, in diesem Jahr begründet. „Wir wollen keine Almosen, sondern dass man unser Können unterstützt“, sagt Müller. Ziel sei es, die Mitarbeiter die psychische, geistige oder körperliche Beeinträchtigungen hätten, in den allgemeinen Arbeitsmarkt wieder einzugliedern. Ambsdorf spricht von einer natürlichen Zusammenarbeit, zumal Werkstätten wie die „Lighthouse Foundation“ dem Gemeinwohl verpflichtet wären.

Zu den Aufgaben der Werkstätten gehören Reinigungsarbeiten, Müllsammeln, Gartenarbeiten oder das Inbetriebhalten der Heizung. In der Regel kommt an jedem Donnerstag eine Projektgruppe von sechs Mitarbeitern, um diese Aufgaben zu erledigen. „Wir brauchen einen professionellen Partner für eine gute und beständige Zusammenarbeit mit festen Ansprechpartnern“, so der Stiftungsvorstand der „Lighthouse Foundation“. Zudem gibt es im Lotsenhaus Workshops oder Seminare, dabei wird das Gebäude auch mal vermietet. Die anschließende Reinigung übernehmen mit der Dienstleistungsgesellschaft (DG) Kappeln und dem Team des alten Kreisbahnhofes ebenfalls zwei Integrationsbetriebe.

Umgekehrt scheint das Inklusionsprojekt auf der Lotseninsel auch für die Mitarbeiter der Werkstätten vorteilhaft zu sein. „Das ist ein Bonbon für die Beschäftigten. Schon allein mit dem Motorboot hierher zu fahren, ist ein Erlebnis“, meint Betriebsstättenleiter Marc Müller.

Sascha Nies (34) bestätigt das: „Ich fühle mich hier sehr wohl. Als gebürtiger Sylter kenne ich dieses Inselgefühl.“ Nies war bereits acht bis neun Mal in Schleimünde. Gerade sammelt er Müll am Strand auf, vorher hat er die Bestände des Restaurants aufgefüllt. Er war auch im Frühjahr dabei, als Hochbeete angelegt wurden. Ihm gefällt die frische Luft und vor allem die Ruhe. „Das kenne ich von Sylt nur im Winter, wenn die Einheimischen unter sich sind“, so Nies.

Sein Kollege Christopher Behrendt schätzt die abwechslungsreiche Arbeit, auch die körperliche Betätigung. Behrendt ist bei den Werkstätten im Textilbereich beschäftigt. Hier auf der Lotseninsel hat er aber auch die grauen Gartenmöbel angemalt und lasiert. „Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist super“, sagt der 32-Jährige. „Ein Arbeitstag auf der Lotseninsel ist wie ein Urlaubstag“, findet Behrendt. Es sei einfach schön hier. Doch wenn er wieder zu Hause sei, merke er die Seeluft. „Da schlafe ich dann schnell ein.“  

 

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erstellt am 17.Jun.2016 | 07:30 Uhr

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