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Schlei-Bote

09. Dezember 2016 | 16:33 Uhr

Kunsthaus Hänisch in Kappeln : Qualität vor der eigenen Haustür

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ausstellungseröffnung im Kunsthaus Hänisch: Sieben regionale Künstler zeigen unter dem Titel „Heimspiel“ ihre Werke.

Es war eine in vielerlei Hinsicht beachtliche Ausstellungseröffnung, die das Kunsthaus Hänisch gestern Vormittag beging. Zum einen, weil von den sieben ausstellenden Künstlern alle anlässlich der Vernissage anwesend waren. Zum anderen – und das ist das wirklich Bemerkenswerte –, weil alle sieben aus der unmittelbaren Umgebung kommen. Sie stehen für eine in dieser geballten Form vielleicht etlichen gar nicht so bewusste Qualität vor der eigenen Haustür. Unter der passenden Überschrift „Heimspiel“ zeigt das Kunsthaus die Werke von Clemens Richter, Bernd Sievers, Thomas Stribick, Alf Becker, Susanne Tack, Frank Poppner und Otto Neumeister bis zum 26. Juni.

Weil Kunsthistorikerin Dr. Renate Fechner kurzfristig ausgefallen war, übernahm der Vereinsvorsitzende Ulrich Schütt die Aufgabe, in kurzen Worten jeden der Künstler den rund 80 Vernissage-Gästen vorzustellen. Ausführungen zur jeweiligen künstlerischen Aussage oder Gesinnung ließ er aus, was allerdings angesichts der Präsenz des Septetts der Veranstaltung keinerlei Abbruch tat. Vielmehr rief Schütt das Publikum dazu auf, die Anwesenheit der Künstler zu nutzen und so eine „sehr individuelle Einführung“ in deren Werke zu erhalten.

Zugute kommt der Ausstellung in diesem speziellen Fall die Raumaufteilung der alten Stadtvilla. Sie erlaubt es, jedem der Künstler einen eigenen Platz zuzuordnen, sodass etwa Bernd Sievers, dessen Bilder im Obergeschoss hängen, seinen „Winterwald“ extra für die Kunsthaus-Schau anfertigen konnte. „Das Bild ist nach einer Bahnfahrt durch den Schnee entstanden“, sagte Sievers. Mit Marmormehl und Kaffeepulver hat er den Blick aus dem Zugfenster auf Leinwand gebannt. Für ein anderes Bild nahm er ein Stück Papier, knüllte es willkürlich, bis daraus nach einer ganzen Weile und inspiriert durch die Börse ein goldener Stier entstand. „Manchmal“, sagte Sievers und lachte, „weiß ich anfangs selber nicht, was daraus wird“.

Thomas Stribick geht mit seinen Bildern noch einen Schritt weiter. „Mir ist es wichtig, dass der Titel nicht gleich festlegt, was man sehen soll“, sagte er. Beispiel: „Phulasangamausa“ heißt ein kleines Gemälde, viel Rosa und Gelb, ein Wesen aus wenig eindeutiger Perspektive. Es wirkt wie eine Herausforderung auf den, der es ansieht, zwingt dazu, eingespielte Denkmuster zu verlassen. Stribick lächelte. „Jeder kann darin etwas anderes entdecken“, sagte er.

Otto Neumeister verfolgt mit seinen Bildern im Nebenraum wiederum einen anderen Anspruch. Er betonte: „Ich brauche Anregungen aus der Umwelt.“ Neumeister fotografiert sein Motiv und wandelt die realistische Vorlage danach in ein deutlich abstrakteres Gemälde um. Er nannte das „ein Spiel auf einer Zwischenebene“. Im Kunsthaus hängen unter anderem Bilder von Brarupmarkt.

Den Treppenaufgang schmücken die Fotografien von Clemens Richter, die er selber als Pilot aus einem offenen Doppeldecker heraus aufgenommen hat. Richter setzt eine Art Röhre vor das Objektiv, die die Farben aufnimmt und intensiviert und die Fotografie so mit einem eigenen Passepartout versieht. „Dadurch, dass ich weniger zeige, wird das, was man sieht, verstärkt“, sagte Richter und sprach davon, während des Flugs erlebte Stimmungen mit auf die Erde nehmen zu wollen.

Unten im Erdgeschoss des Kunsthauses teilen sich Alf Becker und Susanne Tack zwei Räume. Tacks Papiercollagen und Beckers Edelstahl-Skulpturen funktionieren gut zusammen, beide strahlen schlichte Eleganz und kühle Ordnung aus. Und während Tack die „Heimspiel“-Schau „erfrischend anders“ nannte, weil „mehr Richtung Gegenwart“ orientiert, sprach auch Frank Poppner von einer „Reise durch einzelne künstlerische Welten“, die die Ausstellung erlaube und von einer „sehr guten Qualität für den lokalen Raum“. Seine eigene Welt besteht indes aus teils verspielten, meist aufwendig konstruierten Lichtskulpturen aus Kalkstein, Alabaster oder Keramik.

Auch Otto Neumeister war angetan von den „sehr bereichernden und sehr unterschiedlichen“ Kunstwerken. Bernd Sievers hoffte, dass der ausgeprägte regionale Bezug noch mehr Besucher anlocken möge. Und Thomas Stribick wagte die These, dass durch die große Individualität der Künstler der Kontrast verstärkt werde und so jeder einzelne noch mehr glänzen könne. Oder wie es Ulrich Schütt formulierte: „Es ist ein sehr umfangreicher Künstler-Strauß.“ Und mit einem Augenzwinkern in Richtung Publikum: „Sie werden wiederkommen müssen.“

> Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53, donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr

 

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erstellt am 25.Apr.2016 | 07:15 Uhr

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