zur Navigation springen

Schlei-Bote

05. Dezember 2016 | 09:30 Uhr

Kappeln : Notunterkunft für Schlangen und Echsen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Deutscher Tierschutzbund eröffnet erstes Reptilienhaus im Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld. Neue Quarantänestation für Papageien.

In der Gesellschaft macht sich ein Trend bei Haustieren breit. Hund und Katze bringen nicht mehr den Kick. Exotische Tiere müssen es sein: Tiere, die bis zu 70 Jahre alt werden. Doch solch ein Tier mag klein niedlich sein, aber ausgewachsen benötigen Reptilien wie Land- und Wasserschildkröten, Echsen oder Nattern Platz und für den Halter können sie sogar gefährlich werden. „Was tun?“, lautet dann die Frage. Entweder werden die Tiere ausgesetzt, oder ins nächste Tierheim gebracht. Jedoch sind die örtlichen Tierheime mit diesen Tieren oftmals überfordert.

Der Deutsche Tierschutzbund hat darauf reagiert und im Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld in Kappeln die bundesweit erste Reptilienstation errichtet. Das 400 Quadratmeter große Haus mit großzügigen Volieren und Terrarien erhält in den kommenden Wochen zusätzlich eine überdachte Freianlage und Teichanlagen für Wasserschildkröten sowie ein Gewächshaus samt Freianlagen für Landschildkröten. Die ersten Tiere sollen zum Ende des Jahres einziehen. Zur Eröffnung konnte der Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes Wolfgang Apel, der das Projekt Weidefeld maßgeblich gefördert hat, zahlreiche Gäste, Tierpaten, Spender und den amtierenden Vorsitzenden des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder sowie den Landesvorsitzenden Holger Sauerzweig-Strey begrüßen.

Apel bezeichnete die neue Station als weitere nachhaltige Einrichtung zum Tierschutz in Weidefeld. „Die neu geschaffene Reptilienstation kann die Tierschutzvereine entlasten und bei der Unterbringung von durch das Veterinäramt beschlagnahmten Tieren einspringen“, so Apel. Der Ehrenpräsident erinnerte an die verschmutzten Seevögel auf Sylt und vernachlässigte Zirkustiere, die alle in Weidefeld versorgt und gepflegt wurden. Diese Katastrophen haben aus Tierschutzsicht die Menschen sensibilisiert und geben Anlass, etwas zu bewegen. Das soll auch die neue Station für Reptilien erreichen, unterstrich Thomas Schröder. „Es müssen rechtliche Grundlagen für den Umgang mit Tieren gefunden werden“, lautete seine Forderung an die Politik. Unmissverständlich wies Schröder darauf hin, dass es Aufgabe des Bundes und der Länder gewesen wäre, eine Auffangstation für Reptilien zu schaffen, denn wer die unsachgemäße Aufbewahrung von Exoten zulasse, müsse auch für die Folgen aufkommen.

Für Deutschlands Tierheime sind Exoten inzwischen ein Problem. Die Einrichtungen sind zu klein, unterfinanziert und das ehrenamtliche Personal überfordert. Aus dieser Notsituation wurde im Deutschen Tierschutzbund die Idee einer zentralen Reptilienstation in Weidefeld geboren. „Die Politik hat im Tierschutz versagt“, lautete auch die Kernaussage des Landesvorsitzenden Holger Sauerzweig-Strey. Die Haltung von Exoten im Haushalt erfordere klare rechtliche Regelungen.

Wolfgang Apel äußerte sich gegenüber dem Schlei Boten zur Finanzierung der Tierheime in Deutschland und forderte eine stärkere staatliche Unterstützung der Einrichtungen. Er begründete diese Forderung mit den Einnahmen des Staates aus der Tierhaltung. Als ein Beispiel nannte er die Hundesteuer. Jede Kommune würde Hundesteuer einziehen, aber die meisten Kommunen seien nicht bereit, Tierheime in ihrer Region zu unterstützen. Der Tierschutz-Ehrenpräsident bedauerte die zahlreichen Verstöße gegen den Tierschutz und dass der Staat das selbst auferlegte Staatsziel „Tierschutz“ nicht umsetze und bei Verstößen nur unzureichend bestrafe. „Immer nur Lippenbekenntnisse der Politiker reichen nicht mehr“, kritisierte Apel.

Unter den Gästen der Eröffnungsfeier wurde Jean-Paul Collette besonders begrüßt. Er war als Repräsentant der belgischen König-Baudouin-Foundation anwesend. Diese Stiftung verwaltet über 40 Stiftungsfonds. Darunter auch den Fonds einer deutschen Stifterin, die mit ihrem Geld nachhaltigen Tierschutz fördert. Aus diesem Fonds wurden 50.000 Euro für die Reptilienstation gespendet und weitere 15.000 Euro für die ebenfalls neue Quarantäne-Station für Papageien. Während für Jean-Paul Collette der Weg von Brüssel nach Weidefeld nicht zu weit war, wurden kommunale Vertreter der Stadt Kappeln und der Region bei der Eröffnung der bundesweit einmaligen Einrichtung nicht gesehen.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Sep.2016 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen