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Schlei-Bote

03. Dezember 2016 | 07:55 Uhr

Sörup : Nachricht aus der Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nils und Lea Norden finden beim Umbau ihres Hauses ein Schreiben aus dem Jahr 1906.

Für Nils und Lea Norden ist das, was sie beim Abbruch der Innenmauern in ihrem Haus in Gammelbymoor gefunden haben, ein Schatz, den sie in Ehren halten werden: Ein Schriftstück, datiert auf den 23. April 1906, das ihnen Einblick in die Geschichte des Gebäudes gibt. Bislang wussten sie nur, dass das Anwesen aus dem Jahr 1846 stammt. Dass das Haus jedoch abbrannte und neu aufgebaut wurde, ist ihnen neu.

Das 110 Jahre alte Schreiben ist für sie gewissermaßen ein „Gruß aus der Vergangenheit“, bestens erhalten, weil es in einem Hohlstein luftdicht verschlossen war. Auf einem Kontoblatt steht mit Bleistift in Sütterlinschrift geschrieben:

„Gammelbymoor, den 23. April 1906. Da es am 2. März gebrannt hat und es wieder aufgebaut werden muß, ist es vergeben an Hans Glokow, Sörup – und gearbeitet haben hier Johannes Ekeberg, Gammelbymoor, Maurer, Peter Mordhorst, Sörup, Maurer, Heinrich Erichsen, Sörup, geboren in der Bierhalle in Mühlenholz am 13. Oktober 1888.“

Mit dem Wiederaufbau wurde am 20. April 1906 begonnen. Unterschrieben ist das alles von dem Arbeitsmann Peter Mordhorst. Geboren 1876 in Löstrup war Mordhorst seines Zeichens Maurerpolier und hat es in Sörup insofern zu Ehren gebracht, als nach ihm 1950 eine Straße benannt wurde, nachdem er der Gewoba seine Ländereien zur Aufsiedlung zur Verfügung gestellt hatte. Er starb 1955.

Für das Ehepaar Norden steht fest, dass sie das Schriftstück rahmen lassen werden. Zu gegebener Zeit – wenn die Umbauarbeiten beendet sind – wollen sie es an gut sichtbarer Stelle aufhängen. Eine Kopie des Originals wollen sie bei einer Grundsteinlegung wieder in eine Wand einmauern.

Nils Norden (29) stammt aus Großquern. Von Beruf ist er Schlosser. Seine Frau Lea (24) kommt aus Schafflund und arbeitet als Einzelhandelskauffrau. Sie kennen sich seit acht Jahren und sind seit April vergangenen Jahres verheiratet. Für sie liegt klar auf der Hand: Nur weil sie den Abbruch der alten Mauern im Inneren des Hauses per Hand, unterstützt von der Familie und von Freunden, erledigen, haben sie das Schreiben von 1906 gefunden. Wären sie mit schwerem Gerät an die Arbeit gegangen – da sind sie sich sicher –, wäre „unser Fund mit Sicherheit verschüttet worden und unwiederbringlich weg gewesen“. Vor anderthalb Jahren kaufte das junge Ehepaar den Resthof, zu dem ein Hektar Land gehört. Sie fanden das Haus per Zufall. Ihnen war klar, dass viel getan werden musste, um es ihren Vorstellungen entsprechend umzubauen.

Nachdem sie sich in einem zum Hof gehörenden Gebäude zunächst eine Wohnung hergerichtet haben, sind die Nordens jetzt im Haupthaus am Umbauen. Die abgebrochenen Ziegelsteine werden wieder verwendet, um den alten Charakter des Hauses zu erhalten. Das Ehepaar hat das gesamte Gebäude entkernt und in einer Zwischenmauer aus Hohlsteinen das Schreiben von 1906 gefunden. Und bei ihrer Abbrucharbeit entdeckten sie, nachdem der Fußboden raus war, auch Brandspuren. Da sie nun wissen, dass ein Feuer am 2. März 1906 das Gebäude in Schutt und Asche legte, können sie sich auch die Brandspuren erklären: „Das mit dem Feuer haben wir bis dato nicht gewusst.“

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