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Schlei-Bote

07. Dezember 2016 | 17:30 Uhr

Arnis : Mitfahrer nehmen auf der Bank Platz

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ein Möbelstück am Ortsausgang soll in Arnis spontane Fahrgemeinschaften ermöglichen. Spende eines einheimischen Hochzeitspaares.

Eigentlich wollten Elke und Hendrik Horn die Bänder durchschneiden – doch sie hatten daheim in der Küche die Schere vergessen. Halb so schlimm, befand die Frau und knotete zusammen mit ihrem Mann die farbigen Schleifen auf: Damit war die Mitfahrerbank als neueste Errungenschaft in Deutschlands kleinster Stadt eingeweiht. Das Hallo – halb Arnis war auf den Beinen, um dieses Spektakel mitzuerleben und gebührend zu feiern – war groß. Sparsamer Nebeneffekt für Elke Horn: „Nun kann ich die Bänder noch für die Weihnachtsgeschenke verwenden.“

Es war dieses Ehepaar, das die Idee mit der Mitfahrerbank ins Spiel gebracht hatte und zwar im November, als sich die beiden als erstes Paar im Rathaus von Bürgermeister Bernd Kugler standesamtlich trauen ließ. Da hatten sie sich Geld für eine Sitzgelegenheit der besonderen Art gewünscht – ein Wunsch, dem ihre Gäste entsprachen. Das Ehepaar hatte „irgendwo“ etwas von Mitfahrerbänken gelesen und befunden, dass eine solche Arnis gut zu Gesicht stehen würde. Mit dieser Meinung standen sie nicht allein und so nahm alles seinen Lauf.

Nun steht die Bank aus Akazienholz also am Ortseingang im Neuen Damm, und zwar dort, wo es einst „HaNiA“, das Kaufhaus von „Hans Nissen Arnis“ gab. Mit dem Besitzer des Gebäudes war sich darauf verständigt worden, dass sich die Bank dem Jugendstil des Hauses anpassen müsse. Für Bürgermeister Kugler steht fest, dass die Arnisser Mitfahrerbank natürlich nicht die einzige, aber dafür die gestalterisch schönste ist. Kugler betonte: „Die Bank ist keine Konkurrenz zum öffentlichen Personennahverkehr, sondern stellt vielmehr eine Ergänzung dar.“ Denn die Busse fahren nicht sehr oft und da haben vor allem jene Einwohner der kleinen Stadt, die selbst nicht motorisiert sind, das Nachsehen. Mal schnell nach Kappeln oder Süderbrarup – so einfach ist das nicht. Da hilft nun die Mitfahrerbank. Und zu ihr gehört auch eine ansprechend gestaltete Gebrauchsanweisung: Mit den ausklappbaren Schildern die Richtung wählen, sich auf die Bank setzen und warten. Hält ein Autofahrer, sind die Richtungsschilder wieder zurück zu klappen. Dann heißt es einsteigen, eine gute Fahrt und nette Gespräche haben. Dass das funktioniert, hat Hendrik Horn schon im Vorwege ausprobiert. Er setzte sich auf die Bank, wurde mitgenommen und andersrum: Es saß jemand wartend auf der Bank, und da hat er die Person mit nach Kappeln genommen. Erlebt hat Horn auch, dass vor ihm, als er auf der Bank saß, ein Urlauber aus der Nähe von Hannover stoppte, ihn mit zur wenige hundert Meter entfernt liegenden Wassersportgemeinschaft nehmen wollte. Das stand Horn, der zusammen mit seiner Frau Elke reichlich tausend Euro in die Mitfahrerbank samt Gebrauchsanweisung investierte und sie der Stadt spendierte, eigentlich nicht im Sinn. Aber man kam ins Gespräch. Der Niedersachse berichtete, er sei daheim Kommunalpolitiker und als solcher bereits mit Mitfahrerbänken befasst. „So, wie das in Arnis gelöst ist, gefällt mir das sehr, das ist nachahmenswert“, sagte der Urlauber zu Hendrik Horn.

„Das ist toll geworden, ich bin stolz“, so hatte Bürgermeister Kugler die neueste Arnisser Errungenschaft kommentiert. Und Einwohner Jens Matthiesen fügt hinzu: „Eine super Idee, damit werden vor allem unsere älteren Mitbürger mobiler.“ Klar, dass zur Einweihung ein Gläschen in Ehren gehörte – zum einen ein edler Tropfen Wein namens „Weil das Leben schön ist“ und zum anderen aber auch naturtrüben Bier – made in Arnis. Da gibt es einen Brau-Versuch der ortsansässigen „Rumhökerei“, die will den Gerstensaft im nächsten Jahr zum 350-jährigen Stadtjubiläum, groß herausbringen.

Hans-Joachim Schock, Vorsitzender des städtischen Touristikausschusses, sprach bezeichnete die Bank als eine die Stadt bereichernde Attraktion – auch für Urlauber. Er wünschte dem Möbelstück viele Mitnehmer und Mitgenommene. „Eine sehr schöne Idee“, ergänzt die 77-jährige Erika Kotenbeutel. Sie will die Mitfahrerbank nutzen und dort auf jemanden warten, der sie mit nach Kappeln oder Süderbrarup nehmen. Stefan Schneider aus dem benachbarten Grödersby vermisst einen Hinweis auf seine Gemeinde. Aber, da die auf dem Weg nach Kappeln und Süderbrarup liegt, besteht die Möglichkeit zum Aussteigen, beruhigte ihn der Bürgermeister. Und Stadtvertreterin Beate Nachtigall lobte: „Eine Idee, die der Allgemeinheit zugute kommt.“ Und was Nachtigall ganz besonders gefällt, ist, wie sie sagte, die Tatsache, dass zwei Bürger der Stadt etwas für Arnis getan haben.

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