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Schlei-Bote

03. Dezember 2016 | 22:58 Uhr

Clowns in der Margarethen-Residenz : Mit Humor die Herzen öffnen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Clowns Hannes und Harry treten regelmäßig in der Margarethen-Residenz auf – und das mit erstaunlichem Erfolg.

Die Clowns kommen morgens. Und jeder ist gut beraten, pünktlich zu erscheinen. Wer zu spät kommt, muss Eintritt zahlen – und das nicht zu knapp. „Das macht dann 35 Euro“, sagt Hannes, der Musikus, und stemmt seine Hände in die Hüften, als ob er den Preis nachdrücklich unterstreichen will. „Wie, du willst wieder gehen? Okay, das kostet das Doppelte.“

Der 1,62 Meter große Chefclown Hannes und sein 30 Zentimeter größerer Lehrling Harry Wurst treten fast jeden Monat im Gemeinschaftsraum der Margarethen-Residenz auf. „Die Bewohner freuen sich schon im Vorfeld, wenn die beiden auftreten“, sagt die Leiterin des Alten- und Pflegeheims, Petra Heide. Hannes, der im wirklichen Leben Johannes Wendt heißt, gehört schon seit vielen Jahren zum Betreuungskonzept der Margarethen-Residenz dazu. Seit Kurzem gehört für ein Jahr auch Clown Harry Wurst dazu, der im normalen Leben Harald Roos heißt. Möglich wurde das durch eine Spende der Kappelner Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Dabei sind die Rollen klar verteilt. Hannes ist Chef, und Lehrling Harry hat nicht viel zu lachen, dafür aber die Zuschauer um so mehr. Bei ihrem Auftritt beziehen Hannes und Harry die Senioren in ihre Aktivitäten ein. „Wir wollen hier keine Aufführung machen, dann kann ich ja gar nicht mit den Bewohnern in Kontakt kommen“, sagt Hannes. „Clownarbeit ist Beziehungsarbeit“, sagt der Flensburger. Ein festes Programm gibt es somit nicht, auch wenn der Ablauf von Auftritt zu Auftritt sich ähnelt. Mit Schuhen der Größe 78 latscht der 58-Jährige durch den Saal, spricht hier einen Bewohner mit „Herr Puma“ an, weil der an diesem Tag ein Kapuzenpulli des gleichnamigen Sportartikelherstellers trägt oder er schüttelt die Hand einer Dame und macht ihr Komplimente. Dann singen und musizieren Hannes und Harry mal auf Hochdeutsch, mal auf Platt und auch mal auf Italienisch. „Mit ihrer Musik erreichen die beiden auch Demente“, sagt Residenzleiterin Petra Heide. Auch Basteln können die beiden Multitalente. Harry muss die Luftballons aufblasen, Chef Hannes formt daraus einen Schwan. Am Ende darf dann auch Harry mal ran und formt aus Luftballons eine Blume.

Plötzlich kommt jemand in den Gemeinschaftsraum, schon ist Harry mit einem Stuhl zur Stelle. Doch der Mann durchschreitet den Raum nur, weil er gerade einen Spaziergang macht. „Oje und ich schwitze schon“, sagt der Lehrlingsclown. „Der ist in den Wechseljahren, das dauert bei Männern 20 Jahre“, sagt Hannes und hat die Lacher auf seiner Seite.

Den Residenz-Bewohnern hat der Besuch der Clowns gefallen. „Ich fand es wunderbar. Den langen Clown finde ich klasse, der kleine ist auch gut“, sagt Käthe Zimmermann. Karl-Heinz Wallenstein meint: „Die waren gut und immer humorvoll.“ Für die 96-jährige Pauline Thomsen war es das erste Mal, dass sie den Auftritt der Clowns gesehen hat. „Mit hat das sehr gefallen. Ich habe lange nicht mehr so gelacht wie heute“, sagt sie.

Der Erfolg ist ein Resultat aus Routine und Frische. „Unsere Lampen für Spontanität sind immer eingeschaltet“, sagt Johannes Wendt nach dem Auftritt. Sein „Clown-Partner“ Harald Roos aus Kiel meint, dass sich die Bewohner mit der Zeit die Erlaubnis geben, anders zu sein. „Die Leichtigkeit, die wir dabei hereinbringen, ermutigt sie, aus sich heraus zu kommen“, meint Roos. Der Erfolg scheint ihnen recht zugeben, denn unter den Zuschauern befinden sich Bewohner, die sonst niemals so viel von sich preisgeben wie sonst, weiß Heimleiterin Heide zu berichten. Humor gehört zum Auftritt dazu, doch für Johannes Wendt lautet der Auftrag nicht allein die Bewohner zu unterhalten. „Wir wollen Herzen öffnen.“  

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erstellt am 19.Jul.2016 | 07:15 Uhr

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