zur Navigation springen

Schlei-Bote

08. Dezember 2016 | 03:17 Uhr

Kappeln : „Mich haben die Motive verfolgt“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kunsthaus Hänisch zeigt Radierungen, Farbstiftzeichnungen und Ölgemälde von Wolfgang Werkmeister. Letzte Ausstellung in diesem Jahr eröffnet.

Das Kunsthaus Hänisch war voll, als gestern Mittag, Vorsitzender Ulrich Schütt aus Rabel die für dieses Jahr letzte Ausstellung eröffnete.

Der in der Nähe von Husum lebende und arbeitende Künstler Wolfgang Werkmeister gewährte während der Vernissage im Frage- und Antwortspiel mit Rüdiger von Brocken (Redakteur der Husumer Nachrichten) Einblicke in sein Schaffen. Mit dabei war, als immer wieder gern gesehener Gast, auch die fast 90-jährige Hildegard Hänisch, die sich als gebürtige Kappelnerin mit diesem Haus der Kunst einen Herzenswunsch erfüllt hat. „Festhalten, was vergeht“, so umreißt Werkmeister sein Schaffen. Seine Bilder – ob Radierungen, Farbstiftzeichnungen oder Ölgemälde – wirken vordergründig real und schroff. Doch betrachtet man sie genauer, strahlen sie Poesie aus, wirken fragil, sind geprägt von Bestimmtheit und Willensstärke.

Wolfgang Werkmeister,1941 in Berlin geboren, wuchs im Weserbergland und Baden-Baden auf. An der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart ließ er sich zum Illustrator und Graphiker ausbilden. 1964 verschlug es ihn nach Hamburg. Zuvor hatte er eine zeitlang auf Amrums Odde als Vogelwart verbracht. Diese Landschaft wurde ihm schnell vertraut, fesselte ihn – diese Faszination ist in seinen Bildern spürbar. Der Dialog zwischen Rüdiger von Brocken und Wolfgang Werkmeister zog die Vernissage-Besucher in den Bann, sie lauschten aufmerksam. Nachdem der Künstler angesichts des Kunsthauses von einem „herrlichen Haus“ gesprochen hatte, ging es um die Frage, was denn seine Eltern dazu sagten, als er keinen „ordentlichen Beruf erlernen wollte“. Schon in seiner Kindheit und Jugendzeit, so die Antwort, sei ihm das künstlerische Schaffen wichtig gewesen und Werkmeister fügte angesichts seines langen und erfolgreichen Künstlerlebens hinzu: „Vielleicht haben meine Eltern das vorausgesehen.“ Und über die Kunst sagte Werkmeister: „‚Die Strenge der Kunst zwingt dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, deutlich zu machen, was ich meine.“ Es komme auf Klarheit, auf die Geometrie eines Bildes an. „Fehlt die, bleibt es unvollendet“, so der Künstler. Für Wolfgang Werkmeister steht fest, dass es nichts gibt, was nicht interessant ist: „Die Wahrnehmung dessen, was ist, ist für mich Inspiration.“ Dabei gelte es, dies auf das Wesentliche zu reduzieren. Nach 850 Radierungen habe sich bei ihm eine gewisse Müdigkeit eingestellt, denn „das ist eine anstrengende Arbeit“. Und so habe er sich der Malerei zugewandt. Zum Entstehungsprozess gehöre, dass man sich „vermalen“ und damit ein Bild kaputt machen könne. Gelinge es jedoch, sei dies ein Grund zur Freude.

Am Beispiel des Darß – dorthin zog es den Künstler nach der Wende – machte Werkmeister deutlich, dass dies eine ganz besonders schöne Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern sei. Sie habe ihn förmlich berauscht: „Da haben mich die Motive verfolgt.“ Ihm sei es wichtig, der Vergänglichkeit Kontrapunkte entgegenzusetzen – das im Bild festzuhalten, was vergeht. Ohne Frage könne alles in Fotos, von denen es sehr gute gebe, verewigt werden. Doch der Maler nutze seine Freiräume, um Landschaften und Situationen so abzubilden, wie er sie sieht.

Der Aufforderung von Rüdiger von Brocken, die Gelegenheit zu Zwiegesprächen mit dem ausstellenden Künstler zu nutzen und nachzufragen, wurde sodann beim Rundgang durch beide Etagen des Kunsthauses eifrig genutzt. In der Ausstellung befinden sich 80 Werke des Künstlers, wie „Feld und Wolken, „Drachensteigen“, „Alsterfest“, „Industrielandschaft“, „Deichwanderung“ oder „Moorlandschaft“ . Die Vielfalt ist groß, lädt nicht nur zum Betrachten, sondern auch zum Hineintauchen in das Sehen von Wolfgang Werkmeister ein.

Die Ausstellung im Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53, ist bis zum 18. Dezember donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Gruppenführungen sind nach Terminabsprache unter Telefon 0  46  42  /  21  05 möglich.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen