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Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 00:56 Uhr

Kappelner Werkstätten : Mehr Achtung dank Werkstattladen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Betreute der Kappelner Werkstätten stellen die Produkte selber her und werden auch in den Verkaufsprozess mit eingebunden.

Der Werkstattladen „Kawerk“ gehört schon seit 15 Jahren fest dazu. So lange betreiben die Kappelner Werkstätten ihr eigenes kleines Geschäft mit Produkten, die genau dort hergestellt wurden. Und auch wenn die grundlegende Idee als solche nicht in Frage gestellt wird, war es inzwischen an der Zeit, dem Laden frischen Wind einzuhauchen, ein paar neue Gestaltungsanregungen einfließen zu lassen, um am Ende den allgegenwärtigen Gedanken noch klarer nach außen zu tragen: Hemmschwellen abbauen, Transparenz leben.

Hanna Lenz und Sigrid Gsell waren die beiden Werkstätten-Mitarbeiterinnen, die sich der Umgestaltung des Werkstattladens mit großem Engagement gewidmet haben. Hanna Lenz sagt: „Wir wollten ein bisschen mit der Zeit gehen, andere Gedanken und Produkte reinbringen.“ Schwerpunkt waren bislang Textilien, jetzt spielen andere Materialien mit hinein, etwa Metall, Beton, Holz, Leder, Strandgut. Es geht dabei gar nicht unbedingt in erster Linie darum, so etwas wie Alltagsgegenstände zu schaffen, dafür produziert der Werkstattladen schlicht zu wenig Ware. Stattdessen geht es um Kunsthandwerk, um Einzelstücke, um echte Handarbeit. Stefan Lenz, Werkstätten-Geschäftsführer, formuliert das so: „Pfiffige, einfache Produkte in einer Preisklasse, die gut funktioniert.“

Und es ist nicht nur die Bandbreite der Angebote, die Sigrid Gsell und Hanna Lenz erweitert haben. Parallel dazu haben die beiden auch gleich die Zahl der Betreuten der Werkstätten vergrößert, die sich aktiv in den Werkstattladen „Kawerk“ in Mehlbydiek einbringen können. Es sind eben diese Betreuten, die aus Filz, Holz oder Strandfunden Taschen, Mobiles, Vogelhäuser, Geschicklichkeitsspiele, Schmuck, Brillenetuis oder Kerzenhalter herstellen, manchmal sogar unmittelbar im Laden in einer Art gläsernen Werkstatt. Hanna Lenz erklärt: „Es geht einerseits darum, den Interessen der Betreuten gerecht zu werden und andererseits darum, ihnen bislang unbekannte Fähigkeiten zu entlocken.“ Sigrid Gsell nennt das „sinnstiftende Arbeit“.

Die besteht unter anderem auch darin, dass die Betreuten mehr und mehr in den eigentlichen Verkaufsprozess eingebunden werden sollen. „Auf diese Weise erkennen sie, dass es eben keine bloße Beschäftigungstherapie ist“, sagt Gsell. „Viel mehr erfahren sie, dass ihre Produkte wirklich gekauft werden und erleben so eine Anerkennung.“ Dahinter steckt ebenso der Wunsch, den Betreuten eine Austauschmöglichkeit mit ihren Kunden zu geben. Gerade diese ungezwungene Begegnung mitten in der täglichen Beschäftigung des Einkaufens ist auch für Stefan Lenz ein entscheidender Punkt. „Es ist wichtig, Menschen mit Beeinträchtigungen kennen zu lernen“, sagt er, „und die Vielfalt der Behinderungen als Chance zu begreifen“. Und zwar auf echte Inklusion, die nur dann funktioniert, wenn der Wille da ist, sein Gegenüber mit allen Einschränkungen auch genauso anzunehmen.

„Kawerk“ ist während der Öffnungszeiten des regulären Werkstättenbetriebs (montags bis donnerstags von
8 bis 16 Uhr, freitags von 8 bis 13 Uhr) geöffnet.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 07:15 Uhr

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