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Schlei-Bote

07. Dezember 2016 | 19:26 Uhr

Pfadfinderstamm „St. Christophorus“ : „Man muss nie etwas alleine tun“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappelns neugegründeter Pfadfinderstamm „St. Christophorus“ absolviert sein erstes Lager.

„Aus welcher Richtung kommt der Wind?“ Jörg Jackisch bleibt hartnäckig. Emma steckt den Zeigefinger ihrer rechten Hand erst kurz in den Mund und reckt ihn dann nach oben in die Luft. „Von da“, sagt sie und zeigt mit ihrer linken Hand schräg hinter sich. Glück gehabt, die dunklen Regenwolken, auf die die Neunjährige eben noch so skeptisch geblickt hat, wird der Wind weit weg tragen, die Nacht auf der Koppel in Grummark könnte trocken bleiben. Gemeinsam mit 15 anderen Kindern erlebt Emma Boysen gerade ihr erstes Pfadfinder-Lager, weg von Zuhause, mitten im Grünen, zwischen Lagerfeuer und Mücken und ohne besonders ausgeprägten Handyempfang. Am Ende wird sie ihr erstes Abzeichen an das grüne Hemd nähen können. Nimmt sie sich ihren Lagerleiter, Pastor Jörg Jackisch, zum Vorbild, könnten noch etliche weitere folgen.

Pfadfinder gab es bereits in Kappeln, vor einigen Jahren jedoch, als ihr Leiter umzog, schlief die Gruppe ein. Jörg Jackisch hatte bereits in seiner früheren Gemeinde Norderbrarup jede Menge Pfadfinder-Erfahrung gesammelt, im März rief er dann als neuer Pastor in Ellenberg den Pfadfinderstamm „St. Christophorus“ ins Leben. Inzwischen gehören 20 Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren dazu, Ende Juni feierte ihr Stamm seinen offiziellen Gründungsgottesdienst. „St. Christophorus“ ist angebunden an den Ring Evangelischer Gemeindepfadfinder (REGP), der christliche Glaube prägt die Gruppe daher spürbar. Auf ihren Hemden tragen die Pfadfinder die Lutherrose, sie singen christliche Lieder, hören Bibelgeschichten und beten gemeinsam. Jörg Jackisch sagt: „Das sind zentrale Elemente unseres Pfadfinderstammes.“

Daneben steht das Leben in und mit der Natur. Es geht um Orientierung und Kartenlesen, um Zeltaufbau und Knotenkunde, um den Umgang mit Feuer und Messern. „Wir schulen sie in all diesen Dingen“, sagt Jackisch, einer von drei Erwachsenen im Lager auf der Koppel in Grummark. Dieses erste Zeltlager nämlich ist dazu gedacht, die Kinder an eben solche grundlegenden Pfadfinder-Fähigkeiten heranzuführen. Am Ende steht eine Prüfung, die Wölflings-Prüfung. Wer sie besteht, erhält einen gelben Aufnäher mit Wolfskopf.

Lukas Jackisch hat diese Prüfung schon lange hinter sich, mit sechs Jahren trat er den Pfadfindern, damals in Norderbrarup, bei. Inzwischen ist er 13 Jahre alt und trägt das Abzeichen für eine bestandene Feuer- und Messer-Prüfung auf seinem Hemd. Im Lager ist er einer derjenigen, auf den die jüngeren aufmerksam blicken. „Es macht Spaß, anderen etwas beizubringen“, sagt Lukas. „Und außerdem lerne ich selber die Natur immer besser kennen.“

Zu seinem grünen Fahrtenhemd trägt Lukas ein rot-weißes Halstuch, das hat er, wie alle anderen auch, erst beim Gründungsgottesdienst erhalten. Jörg Jackisch weiß: „Das ist ein entscheidender Moment für die Kinder.“ Es symbolisiert die Zusammengehörigkeit auch nach außen, lässt Unterschiede verschwinden. Beim gleichen Anlass haben die Kinder ihr Pfadfinderversprechen abgelegt, ein kleines Buch mit Liedern, Gebeten und dem Pfadfindergesetz tragen sie bei sich. Ein Pfadfinder ist „ein guter Kamerad“, er „spricht die Wahrheit“, ist „ritterlich und höflich“, ist dort beispielsweise zu lesen. Altmodische Grundsätze, ist man fast geneigt, festzustellen. Und trotzdem oder gerade deshalb kommen sie bei den Kindern gut an. Jackisch sagt: „Als Pfadfinder haben die Kindern die Möglichkeit, sich an einer klaren Richtschnur im Leben zu orientieren, ohne das diese autoritär ist. Und gleichzeitig bieten wir ihnen noch den christlichen Glauben an.“ Ein zweites Leitbild, das dem ersten in vielen Dingen gar nicht so unähnlich ist.

Wer auch ein Wölfling beim „St. Christophorus“-Stamm sein möchte, der kann freitags ab 16 Uhr im Birger-Forell-Haus bei den Gruppentreffen dabei sein. Diesen Weg ist auch Emma gegangen. „Ich mag Tiere gerne“, sagt die Neunjährige über ihren Anstoß, eine Pfadfinderin zu werden. Geht es nach Jörg Jackisch könnte sich die Zahl der „St. Christophorus“-Pfadfinder ohnehin gerne verdoppeln. Ein regelmäßiger Mitgliedsbeitrag wird nicht fällig, stattdessen eine „kleine Kostenumlage“, denn materialintensiv ist das Pfadfinder-Dasein auf jeden Fall. Ansonsten tragen Kirchengemeinde und Sponsoren die fälligen Ausgaben.

Gebrauchen könnten die Pfadfinder derweil eine eigene große Jurte, das Zelt für ihr Lager nämlich mussten sie sich bei den Geltingern ausleihen. Beim Aufbau des XXL-Nachtlagers konnte Jörg Jackisch seinen Bald-Wölflingen übrigens gleich eine ganz besonders wertvolle Lektion erteilen. „Das Schöne ist“, sagt er, „dass man als Pfadfinder nie etwas alleine tun muss“.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 07:30 Uhr

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