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Schlei-Bote

10. Dezember 2016 | 00:12 Uhr

Kappeln : Kunsthaus vor dem Tag der Entscheidung

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mitglieder stimmen am nächsten Montag über Zukunft der Einrichtung ab. Noch amtierender Vorstand zweifelt an der Finanzkraft des Vereins.

Am 10. Oktober steht die Entscheidung über die Zukunft des Kunsthauses Hänisch an. Für jenen Abend sind die Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung eingeladen, an dessen Ende im Idealfall ein neuer Vorstand für den Trägerverein des Kunsthauses stehen soll. Der bisherige Vorstand nämlich hatte bereits im Mai – für viele überraschend – seinen Rücktritt erklärt, ursprünglich zum Jahresende, jetzt allerdings will man an jenem 10. Oktober Platz machen. Und die Chancen, dass sich am Endes dieses für das Kunsthaus so schicksalhaften Abends tatsächlich eine neue Führungsriege findet, stehen so schlecht nicht, das hatte sich schon in den vergangenen Wochen angedeutet (wir berichteten). Für den noch amtierenden Vorstand um den Vorsitzenden Ulrich Schütt wäre das genauso wünschenswert, denn auch Schütt sagt: „Wir möchten, dass es weitergeht – aber eben ohne uns.“

Eins ist unübersehbar: Das Band zwischen dem alten Vorstand und der Namensgeberin des Kunsthauses Hänisch, Hildegard Hänisch, ist zerschnitten. Jens Burkart, kein Vorstandsmitglied mehr, aber langjähriger erster Vorsitzender, sagt: „Auf der menschlichen Seite sind wir völlig enttäuscht.“ Aus Ulrich Schütts Worten spricht Bestätigung: „Wir sind alle ehrenamtlich engagiert, aber was wir angeboten haben, hat offenbar nicht mehr gereicht.“ Inzwischen seien „zu viele unangenehme Dinge passiert, auch für Hildegard Hänisch“, sagt Schütt. Um die 30 Ausstellungen hat der Verein seit seiner Gründung 2008 auf die Beine gestellt, und noch heute, acht Jahre später, ist Schütt überzeugt: „Der Verein, das Kunsthaus lebt von den Ehrenamtlichen.“

Jens Burkart geht noch weiter. „Die Kunst ist gar nicht das Wichtigste“, sagt er. „Marketing, Organisation, Verwaltung – das alles hat der Vorstand abgedeckt mit Hilfe der Ehrenamtler.“ Was wiederum den Knackpunkt verdeutlicht, der den Bruch herbeigeführt hatte: Der Vorstand ist nach wie vor davon überzeugt, dass eine hauptamtliche Kuratorin auf Dauer nicht zu finanzieren ist. Eben dieser Posten aber ist es, den Hildegard Hänisch auch nach eigenen Worten wieder langfristig besetzt wissen möchte. Karin Jensen, verantwortlich für die Organisation im Kunsthaus, findet: „Der Anspruch ist in Ordnung, aber dann sollte Hildegard Hänisch auch ihren finanziellen Teil dazu beitragen.“ Momentan sei zwar ausreichend Geld da, aber, führt Jensen weiter aus: „Wir müssen etwas in der Rückhand haben für Reparaturen und Renovierungen.“ Außerdem sei die jüngste Ausstellung mit Frauke Gloyer zwar sensationell gelaufen – auch finanziell –, „aber davor hatten wir drei Ausstellungen, die uns so gut wie nichts eingebracht haben“.

Mit Kosten von 3500 bis 4000 Euro kalkuliert der Vorstand pro Ausstellung, die ehemalige künstlerische Leiterin Dr. Christina Kohla hat, das geht aus einem alten Jahresbericht hervor, Honorarkosten von rund 11  000 Euro beansprucht, hinzukommen jährliche Unterhaltungskosten für das Haus. Ulrich Schütt sagt: „Da ist eine Insolvenz ein realistisches Szenario.“ Und er sagt auch: „Damals hat Hildegard Hänisch diese Rechnung eingesehen, deswegen ist diese Entwicklung so absurd.“ Seine Prognose: „Ich glaube nicht, dass die neue Kuratorin mit monatlich 400 Euro auskommen wird.“

Ungeachtet dessen ist der Vorstand zuversichtlich, einen „gut laufenden Betrieb“ übergeben und seinen Nachfolgern auf diese Weise den Start erleichtern zu können. Ohnehin findet Jens Burkart an einem Vorstandswechsel nach acht Jahren „eigentlich nichts Außergewöhnliches“. Gleichzeitig blickt er mit einer gewissen Spannung auf die Zukunft. Wie die täglichen Abläufe geregelt werden? Wer das Haus viermal wöchentlich auf- und zuschließt? Ob die Abendveranstaltungen ein Bestandteil bleiben? Aus Sicht des alten Vorstandes alles unbeantwortete Fragen. Zum jüngst geäußerten Vorwurf aus der Reihe der Kunsthaus-Besucher, mit der Vergangenheit nicht transparent genug umzugehen, will der Vorstand allerdings selbst auch keine Stellung beziehen. Ulrich Schütt sagt nur so viel: „Wir haben bestimmt nicht alles richtig gemacht, aber auch wir wären unglücklich, wenn das Haus schließt.“ Karin Jensen spricht von „gut 20 Vereinsaustritten“ – ein Teil davon auch aufgrund des öffentlichen Tadels, der gegenüber dem alten Vorstand geäußert worden sei. „Der Vorwurf, wir hätten dem Haus Schaden zugefügt, hat uns getroffen“, sagt sie.

Diese „Unrichtigkeiten“ will man nun bei der kommenden Versammlung nicht thematisieren – um keine Emotionen zu forcieren und um den Übergang auf den neuen Vorstand so geräuschlos wie möglich zu verwirklichen. Ulrich Schütt kündigt an: „Wir gehen zum 10. Oktober, damit der neue Vorstand gleich Gas geben und vor allem schon in Eigenregie die Planung für 2017 angehen kann.“ Ihre eigenen Mitgliedschaften wollen die Vorstandsmitglieder aufgeben. Karin Jensen sagt: „Ich komme aber gern zu Ausstellungen und zahle Eintritt.“

Nachdem der designierte neue Vorstand vorerst ohne den alten, inzwischen aber bereits mehrfach mit ihm getagt hat, sagt Schütt: „Ich sehe 2017 positiv für das Kunsthaus. Wir haben das Haus so gehandhabt, dass wir nie die Sorge haben mussten, in finanzielle Schwierigkeiten zu rutschen, und trotzdem haben wir es nach vorne gebracht. Aber es steht und fällt nicht mit uns.“ Auch Jens Burkart sagt: „Wir wünschen Hildegard Hänisch und der neuen Truppe wirklich viel Erfolg.“

Zuvor allerdings sind die Mitglieder gefragt. Am 10. Oktober können sie entscheiden, ob und mit wem das Kunsthaus Hänisch seinen bislang so bemerkenswerten Weg fortsetzt.


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erstellt am 05.Okt.2016 | 16:48 Uhr

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