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Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 01:01 Uhr

Kunsthaus Hänisch in Kappeln : Kunsthaus in der Krise

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Vorstand des Trägervereins kündigt seinen Rücktritt zum Jahresende an und will den Verein auflösen.

Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass eine kleine Bombe geplatzt ist. Der überwiegende Teil des Vorstandes des Trägervereins des Kunsthauses Hänisch hat seinen Mitgliedern schriftlich seinen Rücktritt angekündigt und will noch in diesem Monat die Auflösung des Vereins zum Jahresende beantragen. Dazu hat man zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in der übernächsten Woche geladen. Offenbar hat das Verhältnis des Vereinsvorstands zu Hildegard Hänisch, Namensgeberin und Initiatorin des Kunsthauses, erhebliche Risse bekommen, nachdem diese angekündigt hat, künftig wieder auf eine qualifizierte Kuratorin für die Ausstellungsorganisation zurückgreifen zu wollen. Hildegard Hänisch selber sagt: „Alle haben von Anfang an gewusst, dass ich das Haus nur mit einer qualifizierten Kraft führen möchte. Für alles andere ist es mir zu wertvoll.“ Der Vereinsvorsitzende Ulrich Schütt sagt: „Uns bleibt nichts anderes übrig, als diesen Schritt zu gehen.“

Über Monate haben sich, so erzählt es Schütt, die Gespräche des Vorstandes mit Hildegard Hänisch immer wieder um das Thema „qualifizierte Kuratorin“ gedreht. In der momentanen Konstellation organisiert das ehrenamtlich tätige Vorstandsmitglied Karin Jensen die Ausstellungen, die künstlerische Beratung übernimmt Kunsthistorikerin Dr. Renate Fechner. Für den Vorstand ist dieser Status auch deshalb der richtige, weil er finanzierbar sei. Schütt erinnert daran, dass die bis Ende 2014 für die künstlerische Leitung verantwortliche Dr. Christina Kohla zwischen 10  000 und 11  000 Euro an jährlichen Honorarkosten beansprucht habe. „Da mussten wir die Reißleine ziehen, weil wir uns diese Summe einfach nicht leisten können“, sagt der Vorsitzende. Das sieht Hildegard Hänisch ganz genauso. „Es stimmt“, sagt sie. „Der Einwand, dass kein Geld dafür da ist, ist berechtigt.“ Auch deshalb sei sie gerade Renate Fechner „uneingeschränkt dankbar“ dafür, dass sie Anfang 2015 eingesprungen sei – für eine Aufwandsentschädigung. Gemeinsam mit Karin Jensen habe Fechner „sehr viel Mühe“ in das Kunsthaus gesteckt, das Ansehen des Hauses habe, so Hänisch, während dieser Zeit nicht gelitten. Gleichzeitig pocht Hildegard Hänisch darauf: Sie habe das Kunsthaus auch getragen von dem großen Enthusiasmus von Christina Kohla eröffnet – „sonst hätte ich mich vielleicht gar nicht getraut, diesen Schritt zu gehen“. Das in den Jahren erarbeitete Niveau wolle sie halten, am liebsten sogar weiter steigern. „Geschick und Lust an der Sache allein reichen dafür aber nicht“, sagt sie. Dafür sei eine ausgewiesene Kuratorin erforderlich.

Ulrich Schütt bleibt derweil dabei: Finanziere der Verein eine Kuratorin, könne er sich nichts anderes mehr leisten. Gleichzeitig stellt er klar: „Wir respektieren das Ansinnen von Frau Hänisch, das Kunsthaus neu aufzustellen.“ Er sagt aber auch: „Der Spaß und die Freude am Ehrenamt haben dadurch gelitten.“ Und: Der Verein habe seine Funktion und seine Berechtigung verloren, da das operative Geschäft von einer honorierten Fachkraft gestaltet werden soll. Das wiederum kann Hildegard Hänisch nicht nachvollziehen. „Sieben Jahre lang haben eine Fachkraft und das Ehrenamt gemeinsam gearbeitet und dem Haus zu diesem Ansehen verholfen“, sagt sie. „Wieso soll das jetzt nicht mehr gehen?“ Für den ehrenamtlichen Einsatz zeigt Hildegard Hänisch Bewusstsein, wenn sie sagt: „Allein deswegen täte es mir leid, wenn es hier nicht weiter ginge.“

Diese Sorge teilt Ulrich Schütt und räumt ein: „Uns ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen, immerhin stecken auch viele Emotionen darin.“ Die aktuelle Konstellation des Kunsthauses sei ein „funktionierendes Konstrukt“, das aber eben finanzierbar bleiben müsse. Er könne sich durchaus vorstellen, Hildegard Hänisch auch künftig in irgendeiner Form weiter zu unterstützen, allein den zum Jahresende avisierten Rücktritt der jetzigen Vorstandsmitglieder nannte Schütt „unumstößlich“. Die beiden für dieses Jahr noch ausstehenden Ausstellungen finden nach seinen Worten jedoch in jedem Fall statt. Derweil hofft Hildegard Hänisch darauf, dass beide Seiten doch noch einen Punkt finden, an dem man sich einigen könnte.

Im Rathaus haben die Schwierigkeiten im Kunsthaus derweil Bestürzung ausgelöst. Bürgermeister Heiko Traulsen erinnert daran, dass die Stadt dem Kunsthaus über die mittels der Kulturstiftung ermöglichte Ausstellung vom Sommer 2014 ohnehin verbunden sei. „Das Kunsthaus ist ein Kleinod“, sagt Traulsen und: „Ich appelliere an Mitglieder und Vorstand, alles dafür zu tun, um das Haus erhalten zu können.“ In den Augen von Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker, selbst Kunsthaus-Mitglied, ist das Haus „die letzte Kunstbastion der Stadt“ – „und ich hoffe, wir können sie retten“.

In den acht Jahren seines Bestehens ist dies nach dem Weggang von Christina Kohla die zweite Krise, die das Kunsthaus Hänisch erlebt. Dieses Mal könnte es eine existenzbedrohende sein.

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erstellt am 30.Apr.2016 | 08:00 Uhr

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