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Schlei-Bote

09. Dezember 2016 | 01:07 Uhr

Kunsthaus Hänisch in Kappeln : Kunsthaus im Schwebezustand

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Mitglieder lehnen die Auflösung des Trägervereins mit knapper Mehrheit ab und vertagen die endgültige Entscheidung auf Oktober.

Am Ende hat es noch nicht mal eineinhalb Stunden gedauert. Danach war zwar nicht das Ende des Kunsthauses besiegelt, aber richtig gerettet war es ebenso wenig. Zumindest hatten die anwesenden Mitglieder des Trägervereins des Kunsthauses Hänisch mehrheitlich eine Auflösung eben dieses Vereins abgelehnt. In einem knappen halben Jahr will man sich erneut treffen, um bis dahin den Verein für die Zukunft finanziell abzusichern und personell zu erneuern. Der Weg dahin war mit teils emotionalen und vorwurfsvollen Wortbeiträgen gepflastert.

Die große Teilnehmerzahl bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung verbuchte der Vereinsvorsitzende Ulrich Schütt als deutliches Interesse am Schicksal des Vereins. Der Vorstand hatte seine Mitglieder vor rund 14 Tagen darüber informiert, zum Jahresende zurückzutreten und zuvor die Auflösung des Vereins zu beantragen. Als Grund nannte man die Forderung von Hildegard Hänisch, Hausherrin und Initiatorin des Kunsthauses, das Haus künftig wieder mit einer Kuratorin führen zu wollen, die der Verein für schlicht nicht finanzierbar hält (wir berichteten). In seinem kurzen Abriss über das Geschehene nannte Schütt diese Forderung einen „Rückschritt“ für den Verein, was die Finanzierbarkeit betrifft. „Wir sind nicht in der Lage, die erforderlichen Gelder freizumachen“, sagte er. Gleichzeitig stellte er klar, für den Wunsch von Hildegard Hänisch „volles Verständnis“ zu haben. „Es ist ihr Haus“, sagte Schütt. „Sie hat das Recht, es nach ihrer Art zu gestalten. Aber es ist für uns nicht umsetzbar.“

Danach erhielten die Mitglieder das Wort. So wie Stefan Schwannecke, der zwar den Rücktritt des Vorstandes grundsätzlich nachvollziehen konnte, aber: „Ich habe es noch nie erlebt, dass man dann gleich einen ganzen Verein liquidiert.“ Er erinnerte an die Verantwortung des Vereins für die ihm übertragenen Kunstgegenstände, darunter ein Bild von Jan Laß. Horst Jordt zeigte wenig Verständnis dafür, dass man die Schwierigkeiten im Vorstand nicht schon bei der jüngsten Hauptversammlung angesprochen hatte und schlug danach eine Erhöhung des jährlichen Mitgliedsbeitrags von jetzt 50 Euro auf 90 Euro vor. Karl-Dieter Koch wollte schließlich für den Herbst eine weitere Mitgliederversammlung einberufen, um dann eine Entscheidung zu treffen, denn: „Das, was von allen Beteiligten hier geschaffen wurde, einfach so wegzuwerfen, kann nicht richtig sein.“ Alle drei einte der Wunsch, den Antrag des Vorstands auf Vereinsauflösung abzulehnen.

Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker, gleichzeitig Kunsthaus-Mitglied, machte der Versammlung deutlich, dass sie zwar entscheiden könne, den Verein weiterzuführen, aber dann benötige man auch Leute, die genau das übernehmen. „Nur zu sagen, wir wollen weitermachen, ist zu wenig“, sagte Ungethüm-Ancker. Sie machte sich dafür stark, konkrete Vorschläge für ein mögliches Weitermachen zu sammeln. Eine Vertagung auf den Herbst sah Ungethüm-Ancker kritisch und bekam Unterstützung von Mitglied Christiane Stappert, die anführte, dass eine Ausstellungsplanung für 2017 bereits jetzt in Angriff genommen werden müsse.

Auf Nachfrage nach einer möglichen Finanzierung einer Kuratorin führte Hildegard Hänisch aus, dass sie mit einer jungen Frau gesprochen habe, die bereit sei, „für wenig Geld“, im Raum standen monatlich 400 Euro, als Kuratorin zu arbeiten. „Aber“, sagte sie, „der Vorstand ist nicht bereit, das zu diskutieren“. Zudem erinnerte sie erneut daran, dass sie „nie etwas anderes im Sinne“ gehabt habe, als das Haus mit einer qualifizierten Kraft zu führen. Mitglied Friedhelm Scholz griff die Ausführungen auf, als er vorschlug, ein auf 400 Euro fixiertes Honorar schriftlich langfristig festzulegen und diese Kosten etwa über eine Beitragserhöhung zu tragen.

Der Tagesordnung folgend, stimmten die Mitglieder schließlich über die Vereinsauflösung ab. Das Ergebnis: Zehn waren dafür, 14 dagegen. Ohne Gegenstimme, aber mit sechs Enthaltungen fiel danach das Votum für eine erneute Versammlung im Oktober aus und den Appell, bis dahin die Zukunft des Vereins – und damit auch des Kunsthauses – abzusichern. Das Schlusswort von Ulrich Schütt – „wir haben die Kuh noch nicht vom Eis, aber eine Menge...“ – beendete Mitglied Horst Trauzettel mit „verschoben“. Man konnte den Eindruck gewinnen, als wollten sich die Mitglieder mit dem abschließenden Applaus selber Mut machen.

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erstellt am 13.Mai.2016 | 07:15 Uhr

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