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Schlei-Bote

06. Dezember 2016 | 17:09 Uhr

Kappeln : Kunsthaus Hänisch kann weitermachen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mitglieder des Trägervereins wählen neuen Vorstand. Vier Ausstellungen fürs nächste Jahr stehen fest. Dank an die bisherigen Amtsinhaber.

Eine ganze Stadt, wenn nicht eine ganze Region hat in den vergangenen Monaten um den Fortbestand des Kunsthauses Hänisch gebangt. Der gesamte Vorstand des Trägervereins hatte wegen grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten mit Hildegard Hänisch, der Hausherrin und Initiatorin des Kunsthauses, Ende April seinen Rücktritt angekündigt. Bürgermeister Heiko Traulsen fühlte sich daraufhin „dazu aufgerufen, nicht tatenlos herumzusitzen“. Anfang August konnte er mit Jörg Haasters einen Kandidaten für den Vorstandsvorsitzenden benennen. Familie Hänisch hatte mit Angeline Schube-Focke auch die künftige Kuratorin gefunden. Noch fehlten allerdings Kassenwart und Schriftwart. Auch für diese beiden Posten fanden sich in den vergangenen Wochen Interessenten.

Doch würde der neue Vorstand auch das Vertrauen der Mitglieder erhalten? Am Montagabend war auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Tag der Entscheidung. „Ich freue mich über die hohe Zahl der Mitglieder und hoffe nachher auf ein gutes Ergebnis“ begrüßte Vorsitzender Ulrich Schütt die 39 anwesenden Mitglieder und vielen Gäste im Hotel Stadt Kappeln. Die Hoffnung auf ein gutes Ergebnis war nicht so daher gesagt. Schließlich stand auf der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des Trägervereins unter Tagesordnungspunkt acht „Bei erfolglosen Vorstandswahlen: Abstimmung über Auflösung des Vereins“. Doch Schütt machte Mut: „Es haben sich Mitglieder gefunden, die bereit sind, unsere Arbeit fortzusetzen, und der Vorstand hat sich bereit erklärt, Hilfe für den Weg der Übernahme zu leisten.“ Das quittierte die Versammlung mit kräftigem Tischklopfen.

Als Kandidaten für den neuen Vorstand präsentierten sich Jörg Haasters, ehemaliger Direktor des Klinikum Damp, als erster Vorsitzender, die vorgesehene Kuratorin Angeline Schube-Focke, von Beruf Designerin und Kunsthistorikerin, als zweite Vorsitzende sowie Christopher Dank Mitarbeiter der Kappelner Verwaltung als Schatzmeister und Kristin Sackschewski, Studienrätin an der Lornsenschule in Schleswig als Schriftwartin.

Anschließend stellte Angeline Schube-Focke das neue Konzept vor. Dabei ist der Posten der Kuratorin, der Anlass für den Zwist zwischen dem alten Vorstand und Hildegard Hänisch gewesen, da der Vorstand glaubt, dass eine solche Tätigkeit auf Dauer nicht finanzierbar wäre. Schube-Focke zeigte sich davon unbeeindruckt. Sie will an den klassischen Medien wie Malerei, Bildhauerei und Zeichnung festhalten, doch künftig auch neueren Medien wie Fotografie, Film, Video und Druckgrafik eine Plattform bieten. „Eine ausgewogene Balance zwischen klassischen und neuen Medien soll die Besucher weiterhin begeistern und zudem Kunstinteressierte aus ganz Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark ins Kunsthaus Hänisch locken.“ Vier Ausstellungen für das nächste Jahr stehen bereits fest. Nach dem Vortrag gab es Beifall für die künftige Kuratorin und an den Tischen hörte man Kommentare wie: „Das macht die aber gut.“

Anschließend wählten die Mitglieder den neuen Vorstand. Das Votum war deutlich: Nicht ein einziger Kandidat erhielt eine Gegenstimme. Schütt’s Kommentar: „Somit ist Punkt acht Auflösung des Vereins überflüssig.“ Der neue Vorsitzende Jörg Haasters dankte für das Vertrauen. „Nun hoffe ich, dass etliche Vereinsmitglieder, die wegen des Rücktritts des Vorstands aus dem Verein austreten wollen, ihre Haltung noch einmal überdenken.“

Mitglied Otto Neumeister dankte unter lautstarkem Beifall dem bisherigen Vorstand für seine außerordentliche Arbeit. „Das Kunsthaus Hänisch nimmt eine ganz hervorragende Position in der Kunstszene ein.“ Es wäre traurig, wenn das verloren ginge. Neumeister schloss in seinen Dank auch Hildegard Hänisch ein, die damals das Haus zur Verfügung gestellt hatte.

Vorstandsbeirat Horst Jordt erinnerte auch an die Verdienste der ersten Kuratorin Christina Kohla. Der Vorstand hatte aus finanziellen Gründen Ende 2014 ihren Vertrag nicht verlängert. Dass nun erneut eine Kuratorin engagiert wird, kommentierte Schütt später mit den Worten: „Im Grunde wird das Rad wieder rückwärts gedreht.“ Doch am Ende überwog auch bei ihm die Freude über einen gelungenen Abend. Hildegard Hänisch war erleichtert und meinte: „Alle haben sich sehr kollegial verhalten, ich bin glücklich.“ Ein Extra-Lob sprach Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker aus: „Ihr habt uns in Kappeln Beine gemacht, und wir haben Sachen gesehen, die wir uns vorher im Leben nicht trauten, anzuschauen.“

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erstellt am 12.Okt.2016 | 07:45 Uhr

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