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Schlei-Bote

09. Dezember 2016 | 14:40 Uhr

Kappelner Stadtbücherei : Keine Sanierung in einem Rutsch

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Renovierung soll sich nunmehr über drei Jahre erstrecken.

Mitte Juli strahlte noch die Sonne über der Stadtbücherei. Buchstäblich und im übertragenen Sinne. Damals hatte sich der Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Schulen (JKSS) einstimmig für eine längst überfällige Generalüberholung der Einrichtung ausgesprochen – und zwar gleich in einem Stück. Büchereileiterin Petra Herzig war zu diesem Zeitpunkt mehr als erfreut und hatte von einem „tollen Rückhalt für die Bücherei“ gesprochen. Sicherlich wäre es zu markant, diesen Rückhalt der Politik jetzt, ein knappes halbes Jahr später, nicht mehr zu unterstellen. Einzig: Der Leitfaden, den der JKSS ausgegeben hatte und der die Überschrift „Renovierung in einem Rutsch“ trug, gilt seit Montagabend nicht mehr. Der Hauptausschuss streckte die vorgesehenen Arbeiten über drei Jahre.

Der Schatten, den der Ausschussvorsitzende Matthias Mau (CDU) mit seinen Worten zu Anfang der Sitzung warf, sollte die nächsten Stunden überdauern. „Mir wäre das am liebsten, wenn wir diese Sitzung als Haushaltsberatungssitzung verstehen würden“, sagte Mau. „Und außerdem alles Persönliche hinten an stellen.“ Petra Herzig allerdings durfte vorab dann doch noch einmal persönlich werden. Die Büchereileiterin sprach von vielen Menschen, die mit unterschiedlichen Ansprüchen ihre Bücherei aufsuchten, von zu wenig Platz, von Kompromissen und davon, jedem so gut wie eben möglich gerecht werden zu wollen. In unpersönlichen, aber verhältnismäßig aussagekräftigen Zahlen hieß das: 160.000 Euro für bauliche Maßnahmen und neue Möbel im nächsten Jahr. Hinzu kämen 65.000 Euro für einen Wintergarten, der zusätzlichen Raum bieten soll, und 20.000 Euro für eine neue Heizungsanlage.

Rainer Moll (SPD) war der erste, der, verpackt in einer Frage nach der Priorität, eine Splittung der Baumaßnahme ins Spiel brachte. „Was ist am dringendsten nötig?“, wollte er wissen – eine Frage, die Petra Herzig zunächst unbeantwortet ließ, auf die aber Matthias Mau reagierte. „Als Hausbesitzer würde ich mich als erstes um die Heizung kümmern“, sagte er und erhielt Unterstützung bei Joachim Menge von der Bauverwaltung, der die 25 Jahre alte Heizung „eine Zeitbombe“ nannte.

Norbert Dick (Grüne) pochte derweil auf die Umsetzung der Arbeiten in einem Stück, denn: „Die Raumsituation ist eine Katastrophe.“ Zudem habe die Bücherei einen Bildungsauftrag, dem sie angemessen gerecht werden müsse. Auch Christian Andresen (SSW) wollte die Einrichtung auf einen Rutsch saniert wissen – „damit wir über Jahre Ruhe haben“. Michael Arendt (LWG) tendierte indes in Molls Richtung, als er ausführte, dass sich die Arbeiten „sinnvoll und ohne zu Lasten des Betriebs zu gehen teilen lassen“. Rainer Moll formulierte daraufhin einen konkreten Vorschlag für den Haushalt des nächsten Jahres: 60.000 Euro für bauliche Maßnahmen, 20.000 Euro für die Möblierung, 20.000 Euro für die Heizung. Ein sparsamer Ansatz, den Volker Ramge (CDU) zwar im Grundsatz begrüßte, aber: „Ich halte es durchaus für möglich, die Mittel für die Bücherei zu reduzieren, aber wir wären doch etwas großzügiger als Rainer Moll.“

Noch großzügiger sah die Idee von Norbert Dick aus, der bei der Renovierung in einem Rutsch und den dafür erforderlichen Finanzmitteln (245.000 Euro) blieb – seinem Antrag allerdings als einziger, neben drei Enthaltungen und sechs Nein-Stimmen, folgte. Matthias Mau entpuppte sich danach als weitaus weniger generös als sein Parteifreund Volker Ramge. Maus Vorschlag beinhaltete 60.000 Euro für bauliche Maßnahmen und 20.000 Euro für eine neue Heizung im kommenden Jahr. 2018 könne man sich dann erneut mit möglichen 90.000 Euro für die Möblierung, 2019 mit 65.000 Euro für einen Wintergarten befassen. „Das wäre dann sauber gestaffelt“, fand der Vorsitzende. Acht Ausschussmitglieder sahen das genauso, zwei (Grüne, SSW) stimmten dagegen. In der dunklen Jahreszeit scheint die Sonne eben manchmal etwas weniger intensiv. Buchstäblich und im übertragenen Sinne.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 07:00 Uhr

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