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Schlei-Bote

08. Dezember 2016 | 23:19 Uhr

Angelner Dampfeisenbahn : Kappeln fordert Konzept für die Zukunft der Museumsbahn

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappeln will sich an den Zuschüssen für neue Schwellen beteiligen – verlangt aber gleichzeitig einen konkreten Finanzierungsplan.

Kappeln | Steuert die Angelner Dampfeisenbahn tatsächlich auf das Abstellgleis zu? Was der Ausschuss für Wirtschaft und Touristik (WuT) in der vergangenen und der Hauptausschuss in dieser Woche mit Blick auf den touristischen Magneten der Region besprachen und am Ende empfahlen, lässt wenig Spielraum für den zukunftsfähigen Fortbestand von Lok „Julchen“ und Co. Anders waren die Worte von Bürgermeister Heiko Traulsen kaum zu deuten, die er anlässlich eines erneuten Zuschussantrags der Bahn zum Schwellentausch vom Kreis Schleswig-Flensburg überbrachte. „Der Kreis möchte einen geordneten Ausstieg“, sagte Traulsen vor dem Hauptausschuss. „Und er stimmt seinem anteiligen Zuschuss in diesem Fall nur zu, wenn wir als Gemeinde diesen Ausstieg mittragen.“ Worte, die Landrat Wolfgang Buschmann auf Nachfrage so kommentierte: „Im Moment gibt es im Haushalt 2016 keine Position zur Unterhaltung des Schienenkörpers.“ Die Museumsbahn sei in der letzten Kreistagssitzung des Jahres 2015 kein Thema gewesen. Und zum „geordneten Ausstieg“: „Diese Einschätzung trifft in der Tat die Intention der Fraktionen. Und ich sehe derzeit keine neuen Aspekte, die dazu führen könnten, das anders zu bewerten. Aber ich will der Politik nicht vorgreifen.“

Allerdings: Sowohl der WuT- als auch der Hauptausschuss der Stadt signalisierten einstimmig, diesen Ausstieg zumindest vorerst nicht besiegeln zu wollen. Beide Gremien befürworteten den von der Museumsbahn gewünschten städtischen Zuschuss von etwa 4000 Euro, verknüpften damit jedoch zwei Forderungen: Zum einen müssen Kreis und Anliegerkommunen ihre Anteile zur Gesamtfinanzierung beitragen, zum anderen muss die Bahn bis zum Sommer ein langfristiges Nutzungs- und Finanzierungskonzept vorlegen.

Die Ausgangslage: Bereits im September vergangenen Jahres hatte die Angelner Eisenbahn-Gesellschaft (AEG) einen Förderantrag an den Kreis und Anliegerkommunen gestellt, um 400 Schwellen auszutauschen. Kosten: 62.500 Euro. Zwei Monate später zog die AEG diesen Antrag zurück und wollte stattdessen 300 Schwellen für insgesamt 28.470 Euro austauschen.

Einigkeit herrschte in beiden Ausschüssen darüber, dass die 2,8-Millionen-Euro-Kulisse, von der die Machbarkeitsstudie zur Bahn ausgeht, um das Objekt auf lange Sicht zukunftsfähig und wirtschaftlich tragfähig zu machen, nicht darstellbar ist. Für die Stadt Kappeln kommt bei sämtlichen Überlegungen erschwerend hinzu, dass sie den Südhafen – Standort des Lokschuppens der Bahn – in Gedanken am liebsten schon mehrfach überplant hätte, unter anderem von der Museumsbahn aber immer wieder ausgebremst wird. Hauptausschussvorsitzender Matthias Mau (CDU) formulierte das so: „Wir können die Pläne für den Südhafen nicht weiterentwickeln, ohne zu wissen, was mit der Bahn passiert. Das schränkt uns wirklich ein.“ Sein Parteikollege Volker Ramge sah das ebenso und plädierte bereits im WuT-Ausschuss dafür, die AEG dazu aufzufordern, „ein solides Konzept für die Zukunft der Bahn“ zu entwickeln, um auf diese Weise Planungssicherheit für den Südhafen zu erhalten. Ramge: „Und auch wenn die Bahn keine Zukunft hat, müssen wir das wissen.“ Noch ein bisschen bestimmter drückte sich Rainer Moll (SPD) aus. „Bei allen touristischen Highlights ist mir das Hemd näher als die Hose“, sagte er. „Wir müssen in erster Linie unsere Stadt an dieser Stelle entwickeln.“

Als weiteres Glied in der Kette machte Michael Arendt (LWG) die Gemeinde Süderbrarup aus, mit der geklärt werden müsse, ob sie die Möglichkeit und den Willen habe, einzelne Leistungen, die die Museumsbahner derzeit im Kappelner Lokschuppen realisieren, zu übernehmen und so die Situation am Südhafen zu entzerren. Gleichzeitig betonte aber auch Arendt: „Wir müssen die Bahner in die Pflicht nehmen. Unsere Förderung darf keine Einbahnstraße sein.“ Sowohl Ramge als auch Lars Braack (SPD) äußerten während beider Sitzungen Bedauern darüber, dass kein Vertreter der Museumsbahn anlässlich des Tagesordnungspunktes erschienen war. Gleichwohl betonte Arendt: „Wir sollten ein Signal an den Kreis geben, dass wir als Gemeinde die Bahn erhalten wollen.“ Auch Volker Ramge wehrte sich gegen die Richtschnur des Kreises. „Der Kreis versucht, uns den Schwarzen Peter zuzuschieben“, sagte Ramge und schloss sich Michael Arendts Vorschlag an. „Es ist besser zu verdeutlichen, dass wir die Bahn wollen. Und dann soll der Kreis die Entscheidung treffen“, sagte der CDU-Politiker. Auch Christian Andresen (SSW) fand, man solle sich nicht vom Kreis drängen lassen.

Die bereits vom WuT-Ausschuss ausgegebene Empfehlung griff der Hauptausschuss schließlich auf und votierte dafür, vorbehaltlich der Gesamtfinanzierung den beantragten Zuschuss zu bewilligen. Zusätzlich wird die AEG gebeten, ein langfristiges Nutzungs- und Finanzierungskonzept bis zum 30. Juni vorzulegen. Die Uhr für die Museumsbahn tickt lauter denn je. Zur nächsten Hauptausschusssitzung wird Iver Schiller, AEG-Geschäftsführer, erwartet.

 

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erstellt am 23.Jan.2016 | 08:00 Uhr

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