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Schlei-Bote

04. Dezember 2016 | 07:08 Uhr

Angelner Dampfeisenbahn : Kappeln bringt Dampf auf den Kessel

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Stadt will die Museumsbahn bis 2025 mit jährlich bis zu 20.000 Euro für die Infrastruktur bezuschussen.

Die Stadt Kappeln will die Angelner Dampfeisenbahn nicht aufgeben. So zumindest darf man das Signal verstehen, das der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Touristik in die Region geschickt hat. 20.000 Euro jährlich und zwar bis zum Jahr 2025 hat das Gremium als Unterstützung für den Erhalt der Schienentrasse empfohlen – unter der Voraussetzung, dass die Bahn-Verantwortlichen ein schlüssiges Finanzierungskonzept vorlegen.

Die Ausgangslage geht von zwei wesentlichen Punkten aus: Insgesamt benötigt die Angelner Dampfeisenbahn nach eigenen Angaben jährlich 45.000 bis 50.000 Euro, um den Betrieb zu sichern. Und: Der Kreis Schleswig-Flensburg will die Bahn, das berichtete Wolfhard Kutz von der Stadtverwaltung, nur noch bis 2021 mit jährlich maximal 15.000 Euro unterstützen. Iver Schiller, Geschäftsführer der Angelner Dampfeisenbahn gGmbH, nutzte die Gelegenheit, um zu betonen: „Der finanzielle Bedarf rührt nicht aus Betriebsverlusten, sondern aus einem Problem mit der Strecke.“ Elf Jahre lang habe man nur das Nötigste getan, sodass man nun vor der Herausforderung stehe, jedes Jahr 300 Schwellen tauschen zu müssen. „Der Betrieb trägt sich selber“, sagte Schiller und gab sich zuversichtlich, für die Infrastruktur auch künftig, wie in der Vergangenheit offenbar bereits geschehen, erfolgreiche Förderanträge etwa beim Wirtschaftsministerium zu stellen. „Stadt und Gemeinden stehen mit den 50.000 Euro nicht alleine da“, prophezeite er.

Der erste, der danach eine Lanze für die Bahn brach, war Volker Ramge (CDU). Er nannte die Museumsbahn „eine wichtige Attraktion für den Tourismus“ und: „Wir sollten aufhören, die Bahn als Sorgenkind anzusehen“. Zwar hätten die immens hohen Zahlen der schon länger zurückliegenden Machbarkeitsstudie viele abgeschreckt, gleichwohl sei nun klar, dass es so dramatisch gar nicht sei. „20.000 Euro im Jahr sind relativ wenig für etwas so Wertvolles“, sagte Ramge. Sein Wunsch: Kappeln und Süderbrarup mögen vorangehen und ganz bewusst ein Zeichen pro Bahn setzen, um auf diese Weise auch den Kreis aufzufordern, sich zu beteiligen. Allerdings knüpfte er seine Zustimmung an eben ein Finanzierungskonzept und im besten Falle auch eine inhaltliche Planung, denn: „Wir wollen gerne den Südhafen angehen“.

Rainer Moll (SPD) offenbarte derweil seine Skepsis, indem er zwar die Phase bis 2021, solange also der Kreis noch mitspielt, „unproblematisch“ nannte, aber: „Alles, was darüber hinausgeht, liegt sehr im Nebel.“ Auch Lars Braack (SPD) sprach von „großen Bedenken“ und einem „Fass ohne Boden“. Zudem äußerte er Zweifel am tatsächlichen Fluss möglicher Fördergelder. Iver Schiller versuchte, diese Bedenken etwas zu lindern, indem er erläuterte, dass zwischen Kreis und Museumsbahn ein Überlassungsvertrag für die Strecke bestehe. Schillers Schlussfolgerung: „Der Kreis kann die Strecke nicht einfach so loswerden. Er muss uns dulden.“ Zudem kündigte er die Erfüllung der bereits im März vom Hauptausschuss beschlossenen Forderung an, bis zum 30. Juni eine Zehn-Jahres-Planung vorzulegen.

Neben der Stadt Kappeln diskutieren auch die Gemeinde und das Amt Süderbrarup über eine weitere jedoch zeitlich und in der Höhe befristete Bezuschussung der Bahn von jeweils maximal 5000 Euro. Gemeinsam mit dem Kreis-Anteil beläuft sich der jährliche Zuschuss so auf höchstens 45.000 Euro. Rainer Moll machte allerdings darauf aufmerksam, dass hinter all diesen Zahlen zum jetzigen Zeitpunkt noch Fragezeichen stünden, da bislang zu keiner ein tatsächlicher Beschluss gefasst sei. „Wir können nur signalisieren, dass wir guten Willens sind“, sagte er. Diesen Ansatz griff Volker Ramge auf und formulierte einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir für Kappeln aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen machen.“ Und zwar unabhängig davon, was aus den übrigen Fragezeichen werde. „Wir können uns nicht immer auf andere Gemeinden berufen“, sagte Ramge. Daher schlug er vor, die in der Beschlussvorlage vorgegebene Bedingung, wonach die 20.000 Euro aus Kappeln nur dann fließen, wenn sich auch die übrigen Kommunen und der Kreis beteiligen, zu streichen. Ein Konzept, aus dem die gesicherte Gesamtfinanzierung hervorgehe, hielt er für ausreichend.

Iver Schiller gab indes zu erkennen, sich der herausfordernden Situation durchaus bewusst zu sein. „Uns ist klar, dass wir Prioritäten setzen müssen“, sagte er. Deshalb suche man das Gespräch mit potenziellen Bewerbern für das nicht-rollende Material, um dann den Fokus auf das Material legen zu können, „das tatsächlich fährt“.

Mit acht Ja-Stimmen gegenüber zwei Nein-Stimmen (CDU, SPD) empfahl der Ausschuss schließlich bis zum Jahr 2025 einen jährlichen Zuschuss für die Angelner Dampfeisenbahn von maximal 20.000 Euro, sofern ein sicheres Finanzierungskonzept vorliegt. Jetzt sind andere am Zug.

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erstellt am 28.Mai.2016 | 08:00 Uhr

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