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Schlei-Bote

24. Mai 2016 | 15:45 Uhr

Kunsthaus Hänisch : Jan Laß und sein vielseitiger Himmel

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mehr als 120 Gäste wollten bei der Vernissage für den „Unvergessenen Maler vom Langsee“ dabei sein.

Wenn Lokalkolorit und Qualität zusammentreffen, könnte das Kunsthaus Hänisch locker eine Etage mehr vertragen. Jüngster Beweis: die gestrige Vernissage zur aktuellen Schau „Jan Laß – der unvergessene Maler vom Langsee“. Mehr als 120 Besucher wollten dabei sein, als Jens Burkart, Vorstandsmitglied des Kunsthaus-Vereins, die Ausstellung eröffnete. Seine uneitle, weil völlig zutreffende Erkenntnis mit Blick auf die Zahl der Gäste: „Es sieht so aus, als haben wir wohl das Richtige getroffen.“

Kunsthistorikerin Dr. Renate Fechner verhalf den Anwesenden zunächst zu einem Einblick in den Menschen und Künstler Jan Laß, der 1890 in Kappeln geboren wurde und 1958 in Kiel verstarb. Sie kündigte einen Überblick über das Schaffen des Malers an, „den es in dieser Form wohl noch nie gegeben hat und der manche Überraschung bereithält“. Zu verdanken hat das Kunsthaus diese Ausstellung übrigens in erster Linie Jan Christoph Laß, Jan Laß’ einzigem Sohn, der etliche Bilder aus seinem Privatbesitz zur Verfügung gestellt hat. Weil Jan Laß’ Vorfahren meist Fischer und Seefahrer waren, attestierte Renate Fechner, dem Künstler, zeitlebens im Wasser und in der Natur „bestimmende und belebende Kräfte“ zu erkennen. Zunächst jedoch absolvierte Laß eine handwerkliche Lehre bei einem Flensburger Malermeister, ehe er sich in Altona sein Atelier einrichtete. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Maler in Frankreich verwundet, nach Kriegsende arbeitete er freischaffend. Fechner ordnete seinen frühen Werken Einflüsse des Expressionismus und Kubismus zu, später des Realismus. Auffällig dabei: Seine Landschaftsmalerei hatte für Jan Laß Anfang der 20er-Jahre noch nicht den später so typischen Stellenwert. Im Kunsthaus hängen Zeichnungen des Altonaer Hafens, des Rendsburger Kreishafens, von Balkenträgern bei der Arbeit und besonders eindrucksvolle dunkle Zeichnungen, denen der Maler ebenso dunkle Titel verliehen hat, etwa „Schatten“ oder „Über der Straßenschlucht“. Darin steckt nichts der idyllischen und realistischen Landschaften, die Laß spätestens in den 30er-Jahren zu seinem eigentlichen Thema erkoren hatte. Gleichwohl komplettieren diese frühen Werke das Bild eines äußerst vielseitigen Malers, der sich ganz offenbar auch in unterschiedlichen Techniken zu Hause fühlte.

An Laß’ Landschaftsmalerei der 30er-Jahre machte Renate Fechner einen klassischen Aufbau fest: „Durchgearbeitete Tiefenräumlichkeit, der weite Blick über Land und Wasser, dramatisch hervor brechende Lichtbahnen und die Farbigkeit in matt schimmernden, silbergrauen Tönen.“ Typisch: „Der hohe graue Jan-Laß-Himmel wurde zu einem festen Begriff.“ Im Kunsthaus zeugt beispielsweise das Aquarell „Dünen“ von eben diesem Umstand. Nachdem Laß 1934 an den Langsee zog, widmete er sich verstärkt der Landschaftsmalerei, seine Umgebung diente ihm dabei, so beschrieb es Fechner, bis zu seinem Tode als unmittelbare Inspiration.

Und, wie sich zeigen sollte, nicht nur ihm. Jan Laß’ Enkel Sönke Laß war unter den Vernissage-Besuchern und sprach davon, am Langsee nahezu seine gesamte Kindheit verbracht zu haben. „Mein Großvater hat meine visuelle Wahrnehmung der Welt intensiv beeinflusst“, sagte Sönke Laß gestern und zeigte sich für die Würdigung, die das Kunsthaus mit seiner aktuellen Ausstellung Jan Laß zukommen lässt, dankbar: „Es freut mein Herz.“ Auch Jan Laß’ Tochter Dorte Laß zeigte sich beeindruckt. „Diese Ausstellung wird ihm sehr gerecht“, sagte sie. „Und es ist außerordentlich schön, einmal so eine breite Palette seiner Werke zu sehen.“ Denn tatsächlich zeigt die Kunsthaus-Schau deutlich: Der Himmel des Jan Laß war am Ende mehr als hoch und grau. Er war vielschichtig, überraschend, manchmal herausfordernd und auf jeden Fall lohnenswert.

Ergänzt wird die Ausstellung von Abschlussarbeiten der Flensburger Berufsfachschule für Holzbildhauerei. Bemerkenswerte Skulpturen – etwa der Mann mit ausgestreckter Hand im Regen, der Rabe mit einer Tüte Pommes oder die Frau mit Handy am Ohr und Hund an der Leine. Bereits 2012 hatte das Kunsthaus der Schule eine Plattform geboten.

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erstellt am 18.Jan.2016 | 07:30 Uhr

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