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Schlei-Bote

03. Dezember 2016 | 07:50 Uhr

Stadtbücherei Kappeln : „Ich kann das alles gar nicht fassen“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Verzögerte Bücherei-Sanierung: Leiterin Petra Herzig und der Förderverein „Buchstützen“ äußern ihren Unmut über den Richtungswandel der Politik.

Es war nicht zu übersehen. Die Mitgliederversammlung der „Buchstützen“ stand ganz unter dem Eindruck der aktuellen Situation um die Bücherei. Sanierung – ja, aber wann, in welchem Umfang und vor allem in welchem Zeitfenster – das war das beherrschende Thema, das die Mitglieder des Fördervereins spürbar beschäftigte. Und eins wurde ebenso deutlich: ein anhaltendes Unverständnis für die Politik.

Büchereileiterin Petra Herzig fasste die Umstände noch einmal für die zwölf anwesenden Mitglieder zusammen – und nahm ihre persönliche Stimmungslage gleich vorweg: „Ich kann das alles irgendwie gar nicht fassen.“ Noch im Juli habe sie sich sehr gefreut, als sich der Kulturausschuss (übrigens auf Empfehlung eines CDU-Mitglieds) für eine Bücherei-Sanierung in einem Stück und im kommenden Jahr ausgesprochen hatte – „aber gleichzeitig dachte ich, dass das doch eigentlich viel zu glatt ging“. Dass sie richtig lag, habe ihr nun der Hauptausschuss gezeigt. Herzig: „Dort lautete die erste Frage an mich, wo ich sparen wolle.“ Tatsächlich ist Herzigs Liste der fälligen Verbesserungen lang: fleckiger Teppich, undichte Fenster, wackelige Regale, alte Möbel, insgesamt zu wenig Platz, um allen Zielgruppen mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden. „Was mich aber besonders erschreckt hat“, fuhr die Büchereileiterin fort, „war, dass jetzt die gleiche Partei anders abstimmt also nur einige Monate vorher“. Die Sanierung auf mehrere Jahre zu strecken, sei für sie nur schwer vorstellbar. Hoffnungsschimmer sei da schon eher der jüngste Ansatz, der vom Hauptausschussvorsitzenden Matthias Mau (CDU) kam und der vorsieht, die Sanierung statt 2017 erst 2018 zu starten, dann allerdings im Ganzen. Herzig: „Aber wenn man die Maßnahme nach hinten schiebt, muss sie trotzdem gesichert sein.“ Und dann schickte sie noch einen Appell in die Runde: „Auch wenn die Bücherei eine freiwillige Aufgabe ist, ist es eine sinnvolle Sache, sich im Namen der Bürger dafür zu entscheiden.“

Norbert Dick, „Buchstützen“-Vorstand und Kommunalpolitiker, hatte derweil für sich den Grund für die Stimmungswandel mit Blick auf die Bücherei ausgemacht. „Unter den Entscheidungsträgern sind eben einige, die die Bücherei nicht nutzen“, sagte er. „Dann geht man da natürlich anders ran.“ Und „Buchstützen“-Mitglied Angelika Baron machte die Notwendigkeit einer zügigen und einmaligen Sanierung daran fest, dass die Bücherei „ein Treffpunkt und Kommunikationszentrum“ sei, das auch „ein Lebensgefühl“ vermittle.

Losgelöst von diesen Emotionen ging es aber auch um ganz nüchterne Angelegenheiten, etwa Finanzen. Kassenwart Norbert Dick sprach von Einnahmen im Jahr 2015 in Höhe von 3484 Euro, die größten Einzelposten davon Lesungen (1083 Euro), Mitgliedsbeiträgen (819 Euro) und Spenden (600 Euro). An Ausgaben standen der Summe 3112 Euro gegenüber, am kostenintensivsten davon wiederum Lesungen (1557 Euro) und die Anschaffung neuer Medien (795 Euro). Derzeit zählen die „Buchstützen“ 39 Mitglieder, die im vergangenen Jahr unter anderem beim Tag der Vereine und beim Candlelight-Shopping dabei waren, Bücherflohmärkte und mit der „Dreigroschen Oper“ eine erfolgreiche Abendveranstaltung organisiert, außerdem Stühle und Tische für den Lesegarten angeschafft haben. Für 2017 plant der Verein erneut eine Aktion auf einem der Schleischiffe, dieses Mal einen Abend mit Chansons von Édith Piaf und Texten von Joachim Ringelnatz. Und Petra Herzig will einen Facebook-Auftritt für die Bücherei ins Leben rufen, um das wahr zu machen, was sie selber immer wieder betont: „Es muss etwas passieren. Wir müssen uns noch mehr zeigen. Denn die Bücherei gehört zur Daseinsvorsorge.“

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erstellt am 23.Nov.2016 | 07:15 Uhr

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