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Schlei-Bote

05. Dezember 2016 | 13:38 Uhr

Lesung in Kappeln : „Humor entschärft Konflikte“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Autorin Anne Blum präsentiert ihren ersten Roman „Hasen feiern kein Weihnachten“ am 22. November in der Kappelner Stadtbücherei.

Romantik, Witz und eine Prise Drama à la Bridget Jones: In ihrem ersten Roman erzählt die Autorin Anne Blum die Geschichte von Tessa, die kurz vor dem heiligen Fest von ihrem Freund Ole betrogen wird und voller Liebeskummer von Berlin in den Schoß ihrer Familie nach Kappeln flüchtet. Dort wartet nicht weniger auf sie als der geballte Weihnachtswahnsinn, stichelnde Schwestern, ein alter Schulfreund – und Ole, der sie zurück haben will. Anne Blum ist in Kappeln aufgewachsen, hat Theaterwissenschaften und Literatur studiert und lebt heute in Berlin. Im Interview erzählt sie, wie ihr die Idee zu dem Roman kam und warum in Kappeln demnächst wieder ein Film-Team drehen könnte.

Frau Blum, warum haben Sie Ihre Heimat als Schauplatz für den Roman gewählt?
Das bot sich an, weil ich selber immer noch gerne nach Kappeln komme – gerade auch zur Weihnachtszeit. Meine Mutter und die Eltern meines Lebensgefährten leben dort, und wir feiern Weihnachten meist gemeinsam. Ich wollte, dass meine Romanheldin Tessa nach Hause gespült wird und habe daher eine Umgebung gewählt, die ich selber gut kenne.

Ihre Heldin flüchtet in ihre Heimat, nachdem ihr Freund Ole sie betrogen hat. Welche Bedeutung hat Heimat für Sie?
Für mich bedeutet Heimat tatsächlich Landschaft – die Ostsee, die Schlei, der Ort Kappeln. Auch wenn ich schon lange weg bin, empfinde ich es dennoch als meine Heimat. Die Mutter einer Freundin, die das Buch gelesen hat, sagte mir, dass die Geschichte für sie eine Liebeserklärung an Kappeln sei. Das hat mich sehr gefreut.

Wollten Sie diesen Eindruck auch erwecken?
Ja. Das habe ich schon bewusst versucht. Ich hatte erst einen erfundenen Namen für den Ort, mich dann aber dafür entschieden, den richtigen Namen zu nennen. Es ist auch ein bisschen „Werbung“ für die Stadt. Die Ecke dort oben ist einfach schön, und ich komme immer wieder gerne zurück.

Sie nennen den Ort und beschreiben die Gegend, sodass ihre Geschichte eindeutig verortet ist. Ihre Figuren zeichnet zudem eines besonders aus – der trockene norddeutsche Humor. Vermissen Sie den manchmal in Berlin?
Berliner haben so ihren ganz eigenen Humor, der auch witzig sein kann. Mir ist aber der norddeutsche Humor, der dem britischen ähnelt, näher. Deshalb habe ich ihn auch einfließen lassen.

Nicht selten droht an Weihnachten der große Familienkrach. An den Feiertagen gerät auch Tessa mit ihren Schwestern aneinander. Warum ist die Stimmung beim Fest der Liebe so explosiv?
Alle kommen zusammen, jeder aus einem anderen Kontext mit seinem eigenen beruflichen oder familiären Päckchen. Meist stoßen verschiedene Erwartungen an das Fest und wie es gefeiert werden soll aufeinander. Häufig geht es dabei um die Frage, wer die Definitionshoheit hat. Das birgt großes Streitpotenzial.

Tessa liebt Weihnachten, während ihr Ex-Freund Ole es hasst. Sie schreiben Weihnachtsliebhaber und -hasser passen einfach nicht zusammen? Welcher Typ sind Sie?
Ich bin definitiv Weihnachtsliebhaberin. Ich finde, es ist ein wunderschönes Fest und ich mag schon die Zeit davor, aber auch die Tage zwischen den Jahren sehr gern. Es gibt viele Menschen – gerade in der Großstadt –, die Weihnachten in die Ferne fliegen. Die Weihnachtsvermeider. Das wäre nicht meins.

Sie haben Theaterwissenschaften und Literatur studiert und schreiben schon länger Drehbücher. Der Roman ist nun Ihr Debüt. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Ich schreibe schon relativ lange Prosa, hatte bisher aber noch keine Buchveröffentlichung. „Hasen feiern kein Weihnachten“ geht auf ein Drehbuch zurück, das ich zuvor entwickelt habe. In der Chronologie ist es meine letzte Geschichte, aber meine erste Veröffentlichung.

Vor dem Hintergrund dieser Entstehungsgeschichte drängt sich die Frage auf: Soll das Buch auch verfilmt werden?
Ich hoffe sehr, dass ein humorvoller Produzent den Roman in die Hände bekommt. Es wäre schön, wenn das Buch verfilmt werden und auch in Kappeln gedreht würde. Ich möchte natürlich auch das Drehbuch dazu schreiben.
Ihr Buch hat zumindest die Zutaten für einen guten Film: Romantik, Humor und Familiendrama. Ist das vielleicht auch die perfekte Mischung für ein gelungenes Fest?
Etwas Nostalgie und Romantik gehört bei Weihnachten dazu, aber ich bin der Meinung, dass Humor ein wunderbares Mittel ist, um Konflikte zu entschärfen. Humor entspannt. An den Feiertagen kann es sehr ratsam sein, das ein oder andere aus einer humorvollen Perspektive zu betrachten, eben damit es nicht zu einem Familiendrama kommt.

Als Autorin folgen Sie sozusagen einer Familientradition.
Das stimmt. Mein Großvater mütterlicherseits, Hans Bürgin, hat das Kappelner Heimatspiel geschrieben, das vor ein paar Jahren wieder aufgeführt wurde. Mir ist neulich klar geworden, dass ich, eben auf meine Weise, mit meinem weihnachtlichen Heimatroman Kappeln in den Mittelpunkt rücke.

Ihr richtiger Name ist Anne Müller, für die Veröffentlichung haben Sie das Pseudonym Anne Blum gewählt. Warum?
Ich habe mich bewusst dafür entschieden, um das vom Drehbuchschreiben und weiteren literarischen Veröffentlichungen zu trennen. In der Unterhaltungsliteratur sind Pseudonyme sehr üblich.

Wie kam Ihnen die Idee zu der Geschichte?
Das war tatsächlich an einem Weihnachtstag in Kappeln vor ein paar Jahren. Wir hatten den Baum geschmückt und ich hatte mich gerade zur Weihnachtsmittagsstunde hingelegt, ehe wir in die Kirche gehen wollten. Da kam mir die Idee von einer Mittdreißigerin, die mit Liebeskummer nach Hause fährt, um wieder mit ihrer Familie Weihnachten zu feiern. Drei Seiten habe ich mit Notizen vollgeschrieben, nach Weihnachten habe ich die Geschichte dann weitergesponnen. Mir schwebte dabei auch ein bisschen sowas wie „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ vor. Etwa wie Bridget Weihnachten von London aufs Land zu ihren Eltern fährt und dort auf Mark Darcy im gestrickten Rentier-Pullover trifft – diese Art Humor hatte ich vor Augen.

Anne Blum liest am Dienstag, 22. November, ab 19 Uhr aus „Hasen feiern kein Weihnachten“ in der Kappelner Stadtbücherei, Schmiedestraße 13. Der Eintritt beträgt 5 Euro. Der Roman ist im Berlin Verlag Taschenbuch erschienen (ISBN: 978-3-8333-1085-0 ) und kostet 9 Euro.


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erstellt am 17.Nov.2016 | 19:21 Uhr

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